Rösersmühle, erfolgreichster Teilort im Kampf gegen das Wirtshaussterben. Hier gibt es heute noch so viele Wirtschaften wie vor 140 Jahren“, deklamiert Hans Schoch vom Plakat zum Jubiläumsfest. Denn bereits 1879 wurde das Gasthaus dort unter dem Namen „Zum Rothtal“ von seinem Urgroßvater Friederich Schoch eröffnet. Dieser zog vom Wiedhof bei Großerlach in den Weiler Rösersmühle und kaufte einen Anteil an der Sägemühle. „Es waren vier Häuser und drei Familien“, nickt Schoch.

Während die ab den 1960er- Jahren von Schochs allein geführte Mühle aus betriebswirtschaftlichen Gründen 2007 geschlossen wurde und 2008 abbrannte, existiert das Lokal weiterhin. „Gäste waren damals vor allem Waldarbeiter und Fuhrleute“, weiß der Urenkel des Gründers. Später, zu den besten Zeiten in den 50er-Jahren, seien Leute selbst von Murrhardt und Backnang zu ihnen an die Rot gekommen.

Hans Schoch sitzt am großen Tisch der rustikalen Wirtschaft und schneidet Zwiebeln klein für die beliebten Maultaschen. Sie stehen am Sonntag auf der Speisekarte, da sei deutlich mehr los als an den Samstagen. „Dann hab‘ ich aber Küchenpersonal zur Unterstützung“, betont er. Er bediene gern, weil er den Kontakt zu den Gästen schätze. Kochen habe er bereits als Kind nebenbei von der Mutter gelernt. „Hier war unser Wohnzimmer, eine eigene Küche hatten wir oben nicht.“

„Schöne Wirtin vom Rottal“

„Gibt es heute auch was zu essen?“, fragt der Großerlacher Roland Friz nach der Begrüßung und setzt sich dazu. Er komme seit 30 Jahren regelmäßig in die Wirtschaft, „leider nicht mehr zu Fuß“, deutet er auf seine Krücken. Im Winter – beim Stammtisch am Ofen – sei es besonders idyllisch. Schoch serviert ihm den frisch angemachten Wurstsalat. „Hier kann man essen, was man will. Es ist immer gut“, lobt Friz.

Vor 32 Jahren habe sie selbst hier an den Wochenenden bedient, beteiligt sich Margit Beck aus Öhringen am Gespräch. Sie ist an diesem Tag mit ihrem sechsjährigen Patenkind Oskar aus Leingarten auf dem Fuxi-Pfad unterwegs. Der hat gerade mit großem Appetit ein Paar Saitenwürste mit Butterbrot verspeist. Vor den beiden stehen zwei leere Gläser. „Kommt man da eigentlich durch?“, fragt Beck den Wirt beim Bezahlen. Denn das Rottalsträßchen, auf dem ein Teil des Naturerlebnispfades verläuft, ist seit Juli wegen Bauarbeiten gesperrt. An den Wochenenden gehe es noch, bestätigt Schoch.

Seine Großmutter Hedwig Schoch, auch bekannt als „die schöne Wirtin vom Rottal“, blickt von einer alten Aufnahme an der Wand herab. Sie hat selbstbewusst die Arme in die Seiten gestemmt. „Hedwig hat ungefähr von den 20er-Jahren bis Anfang der 50er-Jahre die Wirtschaft geführt“, weiß Hans Schoch. Damals sei der Tourismus am Erstarken gewesen. Resolut, wie sie war, habe sie recht spontan zu seiner Mutter Kläre gesagt: „Ab nächsten Sonntag machst du weiter, ich will nimmer.“

Er und seine drei Geschwister seien in der Wirtschaft mit aufgewachsen, lernten, einzelne Aufgaben zu übernehmen. Die Wohnung sei klein gewesen für die sechsköpfige Familie. Manchmal hingen Hartwürste in den Zimmern von der Decke. „Unser Leben hat sich vor allem hier abgespielt“, blickt er sich liebevoll um. Jeden Tag war geöffnet, wenngleich es nicht immer Essen gab. Die Arbeiter der Holzhauerkolonnen hätten meist nur nach einem Bier verlangt.

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„Den ersten Ruhetag hat meine Mutter erst Ende der 1950er- Jahre eingeführt“, vermutet Schoch Er öffnet mittlerweile nur noch an den Wochenenden und an Feiertagen. Von der Mutter habe seine Schwester Susanne zunächst die Wirtschaft übernommen, bis er sie 1982 bis 1986 führte. Dann wurde sie 23 Jahre lang verpachtet. „Ich hab damals in Reutlingen gewohnt und in Stuttgart bei der Allianz-Leben gearbeitet“, erzählt der pensionierte Mathematiker mit Doktortitel der Universität Karlsruhe.

Promovierter Wirt

„Seit meiner Pensionierung 2009 kann ich mir die Wirtschaft leisten“, schreibt Hans Schoch in der Chronik, die der Speisekarte vorangestellt ist. Mittlerweile führt er den Familienbetrieb im zehnten Jahr, seine Schwester unterstütze ihn, so weit sie könne, berichtet er. Schoch ist verheiratet, hat drei erwachsene Kinder und wohnt wieder in Rösersmühle. Seine Doktorurkunde hängt neben dem Zweiten Staatspreis für die „Kuh Laura“ und dem Ehren-Diplom des Gesangsvereins für Großvater Friedrich Schoch zwischen alten Schwarz-Weiß-Familienfotos.

„Ende des Jahres höre ich auf und gehe wirklich in den Ruhestand“, verkündet der 70-Jährige. Doch er habe eine gute Nachricht für alle Stammgäste und Wanderer: Christiane Starke, eine Frau vom Fach, werde das Gasthaus ab April wohl wieder häufiger öffnen. Die Verträge seien bereits unterschrieben.

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Am Samstag wird das 140-Jahr-Jubiläum gefeiert


Jubiläumsfest Am Samstag, den 31. August, wird
ab 15 Uhr erst mit Kaffee und Kuchen, dann ab 17 Uhr mit weiteren Speisen und ab 19 Uhr mit Livemusik das Jubiläum  „140 Jahre Wirtschaft in der Rösersmühle“ gefeiert.

Zur Einkehr“ in Mainhardt, Rösersmühle 6, wurde 1879 eröffnet und ist in der vierten Generation im Besitz von Familie Schoch. Seit 2009 bewirtschaftet Hans Schoch das Gasthaus (etwa 50 Plätze) mit Biergarten (etwa 30 Plätze).

Es ist samstags ab 11.30 Uhr und sonntags und an Feiertagen ab 10 Uhr geöffnet. Schließzeiten können variieren. Sondertermine für Gruppen sind möglich. Februar und März ist geschlossen. Auf der Speisekarte stehen unter anderem Maultaschen, Rostbraten, Käsespätzle und Linseneintopf. Auch gibt es selbst
gebackene Kuchen.

Lage Das Wirtshaus liegt im Rottal direkt am Mainhardter Fuxi-Naturerlebnispfad mit 19 Stationen.