Mainhardt / Norbert Acker  Uhr
Die Metzgerei Assenheimer in der Mainhardter Ortsmitte ist seit Anfang Juli geschlossen. Für eine Nachfolgeregelung hat sich kein Kandidat gefunden.

Ins Detail gehen über die Gründe, die zur Schließung der alteingesessenen Metzgerei geführt haben, will Oliver Assenheimer nicht. „Die Gründe sind vielfältig und es tut mir weh, darüber zu sprechen“, sagt der Fleischer. Seit dem 1. Juli gibt es also in der Mainhardter Ortsmitte keine Metzgerei mehr. Seit 1908 wurde das Fachgeschäft zwischen der Alten Schule und dem Rathaus von der Familie Assenheimer geführt. Bereits 1879 habe an diesem Standort der erste Metzger sein Geschäft betrieben, so Oliver Assenheimer.

Der Metzger berichtet noch, dass man intensiv versucht habe, einen Nachfolger für das Geschäft zu finden. Schlussendlich sei man aber mit den Bemühungen gescheitert. „Es ist wirklich schade“, bedauert Bürgermeister Damian Komor die Schließung zum 1. Juli: „Die Metzgerei war eine Bereicherung für den Ort.“

Die bevorstehende Schließung ist der Verwaltung bereits seit Monaten bekannt gewesen. „Ich weiß aus Gesprächen mit Herrn Assenheimer, dass er sehr bemüht war, einen Nachfolger zu finden. Er hat wirklich alles unternommen, doch leider überall Absagen erhalten“, so Komor. Er sei dann selbst aktiv geworden. „Ich habe mit einigen Metzgereien aus dem Umfeld Kontakt aufgenommen, doch auch ich bekam nur Absagen“, sagt Komor. „Das größte Problem, was mir geschildert wurde, ist, gutes Personal zu finden.“ Viele Metzgereien würden ihre Ware nach Mainhardt liefern, aber selber eine Filiale aufmachen und Personal einstellen, das wolle kein Betrieb.

Der Gemeinde bliebe in solchen Fällen wenig Spielraum. „Wir sind es in Mainhardt gewöhnt, vieles selber in die Hand zu nehmen. Zum Beispiel durch die Gründung der Energieversorgung Mainhardt-Wüstenrot“, sagt Komor. „Aber einen Laden betreiben, das geht leider nicht.“ Er wolle sich aber mit dem neuen Gemeinderat zusammensetzen, um nach Lösungen und Ansätzen im Falle von drohenden Gewerbeschließungen zu suchen.

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Großes Bedauern in Mainhardt

Es sei traurig, „wenn ein regionaler Dienstleister, der die Gemeinde mit guter Qualität versorgt hat, seine Geschäftstätigkeit aufgeben muss“, sagt Rolf Pfeil, Schriftführer von Marketing Mainhardt. Jede Gemeinde im ländlichen Raum sei bestrebt, den Bürgern „das Maximum an örtlicher Versorgung“ sicherzustellen. Aus diesem Grund werde man ein Gutschein-System, die „Mainhardter-Wald-Gutschein-Karte“, (siehe Kasten) ins Leben rufen, die den Umsatz in der Region halten soll. „Dass diese Maßnahme zugunsten der Metzgerei Assenheimer nicht mehr rechtzeitig eingeführt werden kann, bedauern wir sehr“, so Pfeil.

Marketing Mainhardt sei leider nicht in die Beweggründe oder die Zukunftsplanung der Metzgerei eingeweiht gewesen. „Die Familie Assenheimer war kein Mitglied bei uns, sodass wir nur indirekt informiert wurden“, sagt Pfeil. „Wir gehen aber davon aus, dass die Familie Assenheimer weiter an einer Nachfolgeregelung interessiert ist und diese auch anstrebt.“ Man würde es begrüßen, wenn sich doch noch ein Nachfolger fände und würde diesen auch dabei unterstützen, in Mainhardt Fuß zu fassen.

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Nachfolger für Metzgereien sind schwer zu finden

Dass die Suche nach einem Nachfolger für Traditionsbetriebe wie den der Familie Assenheimer problembehaftet ist, weiß auch Harald Hohl, Obermeister der Fleischerinnung Heilbronn-­Hohenlohe-Schwäbisch Hall. „Sie finden einfach niemanden“, sagt der Fleischer aus Obersulm-Affaltrach. „Wir haben so viele Betriebe, die von den gleichen Problemen berichten.“ Auch der Mainhardter Fall sei der Innung bekannt gewesen, helfen habe man aber leider nicht können. Nach dem Brand der Landmetzgerei Hartmann in Uttenhofen vor anderthalb Wochen habe er Hans-Martin Hartmann gesagt, „übernimm doch den Assenheimer“, ergänzt Hohl. Aber auch damit habe er keinen Erfolg gehabt.

Verlust von Tradition

„An den Schwarzen Brettern der Meisterschulen hängen viele Suchanfragen von Betrieben, aber auch das hat selten Erfolg“, bedauert Hohl. Die Industrie sei mittlerweile für die kleinen Handwerksbetriebe eine sehr große Konkurrenz geworden. Für die Landgemeinden bedauert Hohl die Entwicklung: „So verlieren wir ein Stück Tradition und damit auch Leben.“

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Mindestens 40 Betriebe müssen mitmachen

Mit der „Mainhardter­-Wald-Gutschein-Karte“ will Marketing Mainhardt „den Umsatz in der Region halten“, so Rolf Pfeil, Schriftführer des Vereins. Das System soll wie eine regionale Währung funktionieren. Es werde auf das Gebiet der Gemeinden Mainhardt, Großerlach und Wüstenrot begrenzt sein und allen Gewerbetreibenden im „Magischen Dreieck“ offenstehen. „Wir erwarten uns davon eine Stärkung der regionalen Wirtschaft und einen Mehrwert für die Bevölkerung“, so Pfeil. Aktuell würden noch teilnehmende Betriebe akquiriert, da sich eine Einführung der Karte nur lohne, wenn eine Mindestanzahl von 40 Betrieben teilnimmt. Der Verein hat derzeit 69 Mitglieder, unter anderem Bürger, Gewerbetreibende und Gastronomen.

Interessierte Firmen könnten Informationen auf www.marketing-­mainhardt.de abrufen oder unter E-Mail ­info@marketing-mainhardt.de anfordern. noa