Niedernhall Würth Elektronik strebt eine Milliarde Umsatz an

Selbst im Motorsport feiert Würth Elektronik Erfolge: Bei der „Tourist Trophy“ auf der Isle of Man erreichte ein Elektro-Superbike des studentischen Entwicklerteams der University of Nottingham den zweiten Platz  – Technologiepartner war Würth Elektronik.
Selbst im Motorsport feiert Würth Elektronik Erfolge: Bei der „Tourist Trophy“ auf der Isle of Man erreichte ein Elektro-Superbike des studentischen Entwicklerteams der University of Nottingham den zweiten Platz  – Technologiepartner war Würth Elektronik. © Foto: Würth Elektronik
Niedernhall / hst/flu 22.08.2018
Würth Elektronik, Niedernhaller Teilkonzern der Künzelsauer Würth-Gruppe, strebt in diesem Jahr seine erste Umsatzmilliarde an. Nachdem im letzten Jahr 923,5 Millionen Euro erreicht wurden, sind die Vorzeichen günstig.

Erstmals mehr als eine Milliarde Euro Umsatz eingeplant sind bei der Würth-Elektronik-Gruppe im laufenden Jahr. Mit einem Wachstum von 14 Prozent im ersten Halbjahr zählt der Teilkonzern mit aktuell knapp 8500 Mitarbeitern zu den wachstumsstärksten Bereichen der Würth-Gruppe. Im Vorjahr lag der Umsatz bei 923,5 Millionen Euro. Die Milliarde ist also in greifbarere Nähe.

Der von Jürgen Klohe und Jörg Murawski geleitete Geschäftsbereich gilt als Exot – nicht nur, weil das Unternehmen im Kern ein Produzent ist und kein Händler, sondern auch wegen der Produkte, die keineswegs Handwerker als Kernzielgruppe haben.

Langer Atem

Auch die Investitionszyklen dauern wesentlich länger als in den meisten anderen Würth-Bereichen: Wer im Elektronik-Geschäft erfolgreich sein möchte, braucht einen langen Atem – so wie Klohe und Murawski: Als er in den 90er-Jahren die Verantwortung übernahm, habe Würth Elektronik weniger als 100 Mitarbeiter gehabt, erinnert sich Murawski. Nach der ein oder anderen Durststrecke liefen die Geschäfte aber mittlerweile in allen Bereichen bestens.

Elektronikbauteile in allen Farben und Formen sind das Metier der Waldenburger Eisos-Gruppe, die im vergangenen Jahr 650,4 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet hat. Letztes Jahr wuchs der Eisos-Umsatz um fast 100 Millionen Euro.

„Weltweit gesehen sind wir im Elektronikmarkt noch klein“, sagt Murawski. Ins Geschäft mit Kondensatoren ist das Unternehmen eben erst eingestiegen. Magengrimmen machten ihm und Klohe bestenfalls die Zölle: „Das ist ein Drama. Aber es betrifft alle Wettbewerber.“

159,4 Millionen Euro setzte die Niedernhaller Sparte CBT mit Leiterplatten für Nischenanwendungen um. Etwa 1100 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen in Niedernhall, Rot am See, Schopfheim und in Indien. Die Nachwehen des Großbrands Ende 2014 hat die Leiterplattensparte im vergangenen Jahr mit einem Wachstumssprung um 22 Prozent hinter sich gelassen.

Mit der Twinstretch-flex-Leiterplatte, die im Juni mit dem IHK-Forschungstransferpreis ausgezeichnet wurde,  wollen die Hohenloher auch neue Märkte in der Medizintechnik angehen. Im ersten Halbjahr lag das Wachstum der CBT bei 13 Prozent.

Die im Gewerbegebiet in Niedernhall-Waldzimmern angesiedelte Sparte ICS kombiniert Leiterplatten und Bauteile zu Systemen, die etwa als Leistungselektroniken bei Nutzfahrzeugen eingesetzt werden. Mit einem Umsatz von 72,2 Millionen Euro war dieser Bereich im letzten Jahr zwar der Kleinste, in den vergangenen Monaten zugleich aber der Wachstumsstärkste: Im ersten Halbjahr 2018 legte der Umsatz um 21 Prozent zu.

Nachdem zurzeit die Eisos-Logistik erweitert wird, deuten Klohe und Murawski für Waldzimmern die nächste Investition an: Dort geht es inzwischen räumlich ziemlich eng zu, und mittelfristig soll ICS auch inhaltlich aus der Nische herauswachsen.

Intensiverer Austausch

Die Marke Würth Elektronik ist eine Klammer, welche die drei Sparten zusammenhält. Aber sie soll nicht die einzige sein: Murawski und Klohe forcieren den Austausch zwischen den Bereichen und stellen fest, dass sie mehr voneinander lernen können, als es auf den ersten Blick scheint.

„Gerade dadurch, dass die Geschäftsmodelle so unterschiedlich sind, entsteht ein enormer Ideenpool“, sagt Jürgen Klohe. Zum Beispiel, wenn die ICS-Leute per Elektromobilität aus der Nische herausfahren: Neben Baumaschinenherstellern gehört auch Tesla zu den Kunden. Die Leiterplatten-Experten bei CBT sind wiederum Spezialisten für Industrie 4.0, ergänzt Murawski. Auch sie sind gefragt.

550

technische Vertriebsmitarbeiter hat das weltweite Netz von Würth Elektronik Eisos und den Tochterunternehmen Würth Electronics Midcom, Würth Elektronik iBE, Erwin Büchele und Würth Elektronik Stelvio Kontek.

Erfolge mit rasanten Elektrofahrzeugen

Beim Motorradrennen „Tourist Trophy“ (TT) auf der Isle of Man hat ein Elektro-Superbike des studentischen Entwicklerteams der University of Nottingham den zweiten Platz geholt – Würth Elektronik war als Technologiepartner dabei. Auf der 60,73 Kilometer langen Rennstrecke war das E-Motorrad mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 191 Stundenkilometern unterwegs.

In der Formel E, einer Rennserie für Formelwagen mit Elektromotor, landeten die Hohenloher als Partner des Teams Audi Sport ABT Schaeffler in der Teamwertung sogar ganz vorne. Von Anfang an war das Unternehmen Teampartner. Im November gibt Würth Elektronik eine weitere Kooperation bekannt – diesmal bei E-Scootern.

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