Konzert Märchenmelodien im Barocksaal

Joachim Schäfer von den Dresdner Bach-Solisten spielt im Langenburger Schloss mit Hingabe russische Volksweisen auf dem Kornett.
Joachim Schäfer von den Dresdner Bach-Solisten spielt im Langenburger Schloss mit Hingabe russische Volksweisen auf dem Kornett. © Foto: Ralf Snurawa
Langenburg / Ralf Snurawa 07.08.2018
Raritäten deutsch-russischer Komponisten brachten die Dresdner Bach-Solisten im Langenburger Schloss zum Klingen. Trompeter Joachim Karl Schäfer begeistert mit seinen Solo-Einlagen.

Zumeist sehnsüchtig und gesanglich klingt es am Sonntagabend aus dem Barocksaal des Langenburger Schlosses. Unterhaltsame russische oder auch russisch klingende Melodien bietet die Dresdner Bach-Solisten um Trompeter Joachim Schäfer den etwa 150 Zuhörern beim Hohenloher Kultursommer unter der Überschrift „Russisches Märchen“.

Die Überschrift stammt von einer kleinen Fantasie für Trompete, Klavier und Kontrabass des Komponisten Julius Nagel. Trompeter Edward Tarr hatte diesen wiederentdeckt. Das um 1900 komponierte Stück eröffnet Schäfer auf der Piccolotrompete. Die Musiker unterstreichen dies mit einer Märchenmelodie. Nach einigen Verzierungen und leicht tänzerischen Momenten wechselt Schäfer für den mit Hingabe gespielten Mittelteil zum Kornett.

So ist diese Fantasie an das Ende des ersten Konzertteils gerückt. Eröffnet wird das Konzert durch: Jules Levys „Grand Russian Fantasia“. Dieses Werk des Kornettisten, der einst in London, dann aber vor allem in den USA und kurz auch in Russland tätig war, ist in der Blasorchesterszene durchaus ein Begriff. Selbst Jazztrompeter wie Wynton Marsalis haben sich schon daran versucht.

Kosakenlied und Zarenhymne

Das einzige wirklich virtuose Stück des Konzerts beinhaltet vor allem immer schnellere Umspielungen des tänzerischen Kosakenliedes „Schöne Minka, ich muss scheiden“, die Schäfer auf dem Kornett mit Bravour meistert wie auch am Ende die alte Zarenhymne. Nicht viel gehaltvoller klangen im zweiten Konzertteil die Stücke der deutsch-russischen Komponisten. Nach der für das Trio arrangierten Fassung der eröffnenden „Promenade“ aus Modest Mussorgskis „Bilder einer Ausstellung“, die durchaus betonter hätte klingen können, ist Oskar Böhmes „Russischer Tanz“ zu hören. In der russischen Musik werde mehr zwischen männlichen und weiblichen Themen unterteilt, weiß Joachim Karl Schäfer dazu anzumerken.

Kontrastreiche Stücke

Das Männliche klingt scherzohaft und ein wenig herausfordernd, das Weibliche sehnsüchtig-gesanglich. Das bestimmt als Kontrast auch die beiden Stücke von Wassilij Brandt, laut Schäfer Mitbegründer der russischen Trompetenschule und wie Böhme deutscher Herkunft: auf der einen Seite das innig und weich getönte „Wiegenlied“, auf der anderen die neckische und im Zusammenspiel gewitzt wiedergegebene Konzert-Polka.

Zwischen den deutsch-russischen Raritäten – gerne hätte man dazu mehr vom Ensembleleiter gehört – nehmen sich die Kontrabassistin Yuka Inoue und die Pianistin Oksana Weingardt-Schön einiger Kompositionen von Pjotr Iljitsch Tschaikowski an.

Sanft und einfühlsam

Die wunderbar gesangliche Spielweise bestimmt dabei sowohl die drei Stücke aus dem „Jahreszeiten“-Klavierzyklus wie auch die beiden Instrumentalfassungen von Liedern. Sanft empfundene Töne entlockt Inoue ihrem Instrument zu „Nur wer die Sehnsucht kennt“ und „Warum sind denn die Rosen so blass“. Einfühlsam auf dem Klavier begleitet, erklingt auch die noch zarter und inniger gespielte „Vocalise“ von Sergej Rachmaninow. Für den lang anhaltenden Beifall des Publikums bedanken sich die Musiker mit zwei Zugaben.

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