Erinnerung Mächtiger und fürsorglicher Faßkarle

Schwäbisch Hall / Bettina Lober 08.02.2018

Das Karl-Kurz-Areal in Hessental hat eine bewegte Geschichte. Einst war die Fassfabrik Halls größtes Unternehmen. Nach der Insolvenz der Firma 1998 versank das Gelände in der Nähe des Bahnhofs fast in einen Dornrös­chenschlaf. Doch nach und nach erwacht es zu neuem Leben. Der Namensgeber, Diplom-Ingenieur Karl Kurz, war eine markante Hohenloher Unternehmerpersönlichkeit und im Wirtschaftsleben der Region eine feste Größe. Bei der heimischen Bevölkerung soll er unter dem Namen Faßkarle bekannt gewesen sein, ist in alten Zeitungsberichten zu lesen.

Vor genau 125 Jahren wurde Karl Kurz im Februar 1893 in Tullau geboren. Sein Abitur machte er 1912 in Schwäbisch Hall. Danach studierte er an der Technischen Hochschule in Stuttgart Architektur und Bauingenieurwesen. Im Jahr 1914 kam er als Kriegsfreiwilliger an die Front, wurde zweimal verwundet und erhielt als Offizier für besondere Tapferkeit mehrere Auszeichnungen – darunter das Ritterkreuz des Hausordens Hohenzollern mit Krone und Schwertern.

Die Erlebnisse während des Ersten Weltkriegs scheinen Karl Kurz geprägt zu haben, hat Daniel Stihler vom Haller Stadtarchiv herausgefunden. Der Krieg habe offenbar seine Haltung zur Menschenführung ebenso wie seine Ansichten zum Unternehmertum beeinflusst: Karl Kurz zeigte einen ausgeprägten Führungs- und Machtanspruch innerhalb der Firma, aber verpflichtete sich zur Fürsorge gegenüber Mitarbeitern.

1925 übernimmt Kurz komplett

Im Jahr 1919 legte Kurz das Examen als Diplom-Ingenieur in Stuttgart ab. Ein Jahr später trat er als Teilhaber in die Fassfabrik Hessental ein, deren Ursprünge einst in der kleinen Sägemühle Sauter am Waschbach lagen. 1909 war der Betrieb auf das spätere Fabrikgelände beim Bahnhof verlegt worden. 1925 hat Teilhaber Karl Kurz die Fassfabrik von Wilhelm Sauter komplett übernommen. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Fabrik in eine Familien-KG umgewandelt und 1963 in „K. Kurz Hessental KG“ umbenannt.

Wie andere Unternehmer der Region widersetzte sich Karl Kurz während des Dritten Reichs dem „Nero-Befehl“ Hitlers, der vorsah, Industrie und Infrastruktur zu zerstören. Kurz riet anderen Unternehmern, notfalls die verbliebenen Arbeiter zu bewaffnen und sich gewaltsam gegen Sabotageversuche zu wehren, weiß Archivar Daniel Stihler.

Kurz verabscheute die Nationalsozialisten. Ein Gewerkschaftler attestierte ihm später, er habe Hitler gehasst und den Krieg und dessen Ausgang früh vorausgesehen. Kurz selbst habe dazu gemeint, dass er durch Auslandsreisen einen anderen Blick hatte und die nationalsozialistischen Lügengebäude besser durchschauen konnte. 1939 wurde er wegen abfälliger Äußerungen über NS-Größen denunziert, saß mehrere Wochen ein und entkam nur knapp einer Haft im KZ Welzheim.

Es sei typisch für Kurz’ Charakter gewesen, vermutet Stihler, dass er den Denunzianten (einen Ingenieur) aus der Firma warf und sich trotz Drohungen der Gestapo weigerte, ihn wieder einzustellen. Kurz’ Situation blieb schwierig: Immer wieder wurde er von der Gestapo verhört, zuletzt im März 1945. Nach Kriegsende bescheinigten ihm ehemalige Zwangsarbeiter eine menschliche und faire Behandlung.

In den 60er-Jahren umfasste die Fassfabrik das Hauptwerk in Hessental sowie drei Zweigwerke. Insgesamt hatte die Firma in dieser Zeit rund 1200 Beschäftigte und viele internationale Geschäftsverbindungen. 1955 gründete Karl Kurz gemeinsam mit Rudolf Then die Firma Rudolf Then Färbereimaschinen GmbH in Hessental, wo Textilmaschinen hergestellt wurden.

Auch ehrenamtlich hat sich Karl Kurz eingebracht – sei es in Gremien der Industrie- und Handelskammer Heilbronn oder im Kreistag. Für seine vielfältigen Verdienste erhielt er das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. In den 70er-Jahren übergab er die Firma schrittweise an seinen Sohn Dr. Manfred Kurz, und er stand dem Betrieb noch im hohen Alter mit Rat zur Seite. Am 19. August 1978 starb Kurz im Alter von 85 Jahren.

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