Schwäbisch Hall Lücke im Solpark wird mit sieben Gebäuden geschlossen

Die Freifläche zwischen den ehemaligen Kasernen (links) und der neuen Bebauung mit Einfamilienhäusern „Im Hardt“ (rechts) wird geschlossen. Mehrere größere und kleinere Häuser werden gebaut. Links ist der Tower des Würth-Airports zu sehen.
Die Freifläche zwischen den ehemaligen Kasernen (links) und der neuen Bebauung mit Einfamilienhäusern „Im Hardt“ (rechts) wird geschlossen. Mehrere größere und kleinere Häuser werden gebaut. Links ist der Tower des Würth-Airports zu sehen. © Foto: tob
Schwäbisch Hall / Tobias Würth 07.08.2018
400 Interessenten für Bauplätze stehen auf der Liste der Haller Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft. Jetzt  werden freie Flächen gefüllt.

Einst standen die ehemaligen Kasernen der Amerikaner recht einsam in der Landschaft. Dann kam die Wiedervereinigung. Nach dem Abzug der Soldaten vor 25 Jahren entstand Wohnraum für Zugezogene. Der Straßenzug war isoliert vom Rest der Siedlung. Nun werden die letzten Flächen zwischen „Im Hardt“ und dem „Dr.-Henryk-Fenigstein-Weg“ bebaut. Der Haller Gemeinderat votierte einstimmig dafür. Es wächst zusammen, was zusammengehört. Das könnte man in Anlehnung an die historische Situation des Quartiers denken, das erst nach dem Ende des Kalten Krieges für die zivile Nutzung geöffnet werden konnte.

Die Nachfrage nach Grundstücken sei groß. „Aktuell sind bei der Haller Grundstücks- und Erschließungsgesellschaft (HGE)  circa 400 Interessenten für Bauplätze registriert, davon entfallen etwa 240 auf das Baugebiet Lang­äcker in Bibersfeld“, berichtet Baubürgermeister Peter Klink. Er ist zusammen mit Klaus Lindenmeyer Geschäftsführer des städtischen Tochterunternehmens, das Land kauft, Straßen sowie Kanäle anlegt und die Grundstücke dann an Bauherren verkauft. Diese sogenannte Erschließung ist für  zwei Häuser schon geschehen. Die beiden Wohngebäude, die aktuell realisiert werden, liegen neben dem jüngsten Bebauungsplanverfahren im Solpark. Die beiden Bauplätze wurden bereits im Sommer 2017 verkauft.

Im Geltungsbereich des Bebauungsplans gibt es zusätzlich sieben Baufelder. Es können vier Einzelhäuser und drei Geschosswohnungsbauten errichtet werden. „Je nach Anzahl und Größe der Wohnungen entsteht Platz für etwa 80 Personen“, sagt Klink auf Nachfrage. Verkauft sei von diesen neuen Baugrundstücken im Solpark noch keines. Die Erschließung soll im Frühjahr 2019 beginnen, parallel dazu die Vermarktung. Was entsteht dort?  In der Begründung zum Bebauungsplan steht unter „städtebauliches und bauleitplanerisches Ziel: Auf der ... östlichen Seite, soll verdichtetes, kostengünstiges Wohnen mit oberirdischer Parkierung ermöglicht werden“. Kurz gesagt: Es entsteht bezahlbarer, neuer Wohnraum in einer bestehenden Siedlung.

Gebiete wachsen zusammen

Ist die Fläche zugebaut, schließt sich die Lücke zwischen „Im Hardt“ und dem „D-H-F-Weg“  – wie der „Dr.-Henryk-Fenigstein-­Weg“ unter Polizisten genannt wird. Einst mussten die Ordnungshüter dort häufiger ausrücken, um Streit zu schlichten. Doch die Einsätze in dem einstigen Brennpunkt des Solparks hätten stark nachgelassen, ist aus den Reihen der Polizisten zu hören.

Die Planer wollen mit einer direkten Verbindung zum neuen Baugebiet Sonnenrain eine Durchmischung von Bevölkerungsstrukturen erreichen. Im größten Neubaugebiet Halls wachsen derzeit schon einige Häuser in Richtung Himmel.

Wer war Henryk Fenigstein?

Eine Straße in Hall trägt den Namen „Dr.-Henryk-Fenigstein-Weg“. Sie wurde benannt nach dem polnischen Arzt  Dr. H. Fenigstein (1913-1993). In seinem Buch „Rüstung, Krieg und Sklaverei“ schreibt Michael Sylvester Koziol, Fenigstein habe in einem Krankenhaus im Warschauer Ghetto gearbeitet. Der Mensch jüdischen Glaubens sei nach Radom deportiert worden. 1944 kam er in das KZ Hessental und war dort „Häftlingsarzt“. Man darf sich diese Tätigkeit aber nicht wie die eines wirklichen Arztes vorstellen, denn er verfügte nicht über notwendige Medikamente. Aber er konnte Kranken einen Tag Ruhe verschaffen, sie vor dem  Arbeitseinsatz schützen und ihnen Mut machen. Nach der Befreiung lebte er bis 1948 in München. Er wanderte dann nach Toronto in Kanada aus, wo er als Arzt, später als Psychiater wirkte. Seine Erinnerungen schrieb er auf.

Quelle: KZ-Gedenkstätte Hessental e.V.

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