Praktikum Löwenbrauerei: Englischer Schüler findet das Mohrenköpfle lustig

Im Labor erklärt Michael Rudnick Sam Acheson, wie er die Biersorten auf Bakterien, Viren und Hefe kontrolliert.
Im Labor erklärt Michael Rudnick Sam Acheson, wie er die Biersorten auf Bakterien, Viren und Hefe kontrolliert. © Foto: Verena Köger
Schwäbisch Hall / Verena Köger 02.11.2018
Sam Acheson aus Yorkshire bekommt in Hall Einblick in die Produktion, das Labor und die Abfüllung.

Zum ersten Mal sieht Sam Acheson aus Yorkshire in Nordost-England eine Brauerei von innen. Während seines einwöchigen Aufenthaltes in Schwäbisch Hall schnuppert der 18-Jährige in die Löwenbrauerei. Die ersten beiden Tage verbringt Sam in der Produktion bei den Brauern. Er ist erstaunt, wie groß die Tanks und Sudkessel sind. Überrascht ist er auch, wie die Brauerei aufgebaut ist. „Viele Prozesse werden automatisch von einer Anlage gesteuert.“ Er dachte, dass es mehr Handarbeit zum Bierbrauen benötigt.

In Großbritannien darf man ab 18 Jahren Alkohol trinken, somit kann Sam beim Biergeschmack mitreden. „Das deutsche Bier ist stärker als das in England.“ Und es gäbe auch mehr Geschmacksrichtungen. Ein paar Sorten des Haller Bieres hat Sam während seines Praktikums natürlich probiert. Sein Favorit? „Das Pils schmeckt gut und das Flaschenbier mit dem Schwein drauf ist lustig“, sagt Sam und schmunzelt. Er meint das Mohrenköpfle der Löwenbrauerei.

Kontrolle der Produktionsstufen

Etwas ganz Neues ist für ihn das Arbeiten in einem Labor. In der Schule habe er keine naturwissenschaftlichen Fächer. Es sei interessant, wie viele Gläser, Flaschen und Geräte verwendet werden. Manche deutschen Begriffe lassen den Engländer aber etwas grübeln, so zum Beispiel Mikrobiologie oder Laktobazillen. Letztere sind für die Arbeit von Michael Rudnick besonders wichtig. „Die Milchsäurebakterien fühlen sich im Bier wohl“, erklärt der Leiter der Qualitätsförderung seinem Praktikanten. Wenn diese wachsen, werde das Bier sauer.

Im Labor wird jede einzelne Stufe der Produktion kontrolliert, vom Malz bis zum fertigen Bier. Ziel sei, die Qualität der Produkte gleichbleibend zu sichern. Um zu überprüfen, ob sich Viren, Bakterien oder Hefen in den Getränken befinden, setzt Rudnick Nährmedien an. „Ich schaffe somit Wohlfühlbedingungen für die  schädlichen Mikroorganismen. Wenn welche enthalten sind, wachsen diese und dann kann ich sie besser erkennen“, führt der Mainhardter aus. Zwischen zwei bis fünf Tagen dauert es, bis man ein Ergebnis sieht.

„Im Labor wollen wir alles ganz genau wissen“, sagt Rudnick. Jede einzelne Probe muss exakt zuzuordnen sein. Das schlimmste sei, die Proben zu vertauschen. Rudnick hat Brauwesen studiert und arbeitet seit einigen Jahren im Labor. Hermann Mayerle schaut kurz rein. Er ist seit 16 Jahren technischer Leiter bei der Haller Löwenbrauerei. „Zu uns kommen oft Studenten des Goethe-Instituts, um sich die Herstellung von deutschem Kulturgut anzuschauen“, sagt Mayerle. Bei der Praktikumswoche schätzt er den direkten Austausch mit Sam. „Wir haben uns auch schon über die Herstellung von Whisky unterhalten.“

Mayerle ist wichtig, dass Sam Einblick in alle Schritte bekommt, deshalb hat er organisiert, dass er auch noch zwei Tage bei der Abfüllung dabei sein kann. Auch wenn die Sicherheitsstandards dort sehr streng seien. Sam ist dankbar für den Einblick. Das Brauwesen sei interessant, doch für seine berufliche Zukunft hat er einen anderen Plan. Ich möchte Marketing studieren“, weiß Sam schon.

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