Schwäbisch Hall Gute Stimmung bei Redneck-Chillout in Hall

Schwäbisch Hall / Andreas Scholz 26.06.2018
Burger, US-Cars, Harleys, Tattoos und Rockabilly-Sound – gute Stimmung kommt bei mehr als 1500 Besuchern auf, als sie am Samstag die USA-Party in der Kantine 26 besuchen.

Wrumm, wrumm, wrumm“: Der satte Motorsound der Harley-Davidson sorgt dafür, dass die Festivalbesucher sich für einen kurzen Moment auf der legendären Route 66 wähnen. Einmal auf der Route 66 von Chicago nach Santa Monica fahren wie Dennis Hopper und Peter Fonda im Filmklassiker „Easy Rider“ ist der Traum eines jeden Motorradfahrers.

Ein Hauch des „American Way of Life“ weht am Samstag durch die Alfred-Leikam-Straße im Solpark. Das silberne Chrom von nostalgischen US-Cars wie Ford Mustang, Ford Thunderbird, Ford Ranch Wagon oder Chevrolet Chevelle glänzt auf dem Gelände des Clubs „Kantine 26“ in der Sonne. Holger „Hodge“ Berghof aus Rosengarten und sein Team von B&B Family laden gemeinsam mit der Crew der Kantine 26 zum „Redneck Chillout“ – einem familienfreundlichen Fest, welches das amerikanische Freiheitsgefühl und den bunten Lifestyle der Rockabilly-Generation in den Fokus rückt.

Der Samstag im Solpark zeigt: Für kernige Biker oder Fahrer von edlen US-Stahlkarossen müssen es nicht immer die fernen Highways in Kalifornien sein, um den Freiheitsdrang auf der Straße auszuleben. Julian Laffsa und Florian Stephan aus Ingelfingen reicht das heimische Kochertal schon aus, um leidenschaftlich ihrem PS-starken Hobby zu frönen. „Hohenlohe ist unsere Heimat und was gibt es Schöneres, als mit der Harley-Davidson hier durch das idyllische Kochertal zu fahren?“, betont Julian Laffsa.

Mit seinem Harley-Kumpel Florian Stephan nutzt er am Samstag beim „Redneck Chillout“ die Möglichkeit, auf das größte Harley-Treffen in der Region aufmerksam zu machen. „Wir veranstalten am letzten Juli-Wochenende in Künzelsau zum neunten Mal die Hohenlohe Harley Run“, so Florian Stephan.

Über das Kochertal zum Festivalgelände angereist ist auch Thomas Druschl aus Giengen an der Brenz. Der Geschäftsführer von BigTwin Motorcycles – einem Shop mit Schwerpunkt auf Zubehör für Motorräder der Marke „Harley-Davidson“ – wird von allen nur „Brösel“ gerufen. „Ich bin früher mal eine Sechshunderter Regina Horex gefahren wie die Hauptfigur in den Werner-Comics von Brösel“, erklärt er. Inzwischen ist der Ostälbler längst auf eine Harley-Davidson umgestiegen. „Eigentlich ist die Strecke mit der Harley von Aalen nach Schwäbisch Hall am Kocher entlang immer ganz nett, wenn nur nicht immer die vielen Joghurtbecher unterwegs wären“, sagt er lachend.

Dass mit einem Joghurtbecher eher abfällig die japanischen Sportmotorräder gemeint sind, die vor allem in den Achtzigerjahren ihre Hochphase erlebten, bestätigt auch Klaus „Mausi“ Schneider aus Heidenheim. „Das Kochertal ist sehr angenehm zu fahren“, bekräftigt der leidenschaftliche Harley-Fahrer. Am Samstag führt der Heidenheimer den Besuchern auf seinem Stand seine selbstgefertigten Ledersitze und Satteltaschen für Harley-­Davidson-Fahrer vor.

Rede und Antwort steht am Samstag auf dem Festivalgelände auch Ralph Schmitt aus Kirchberg an der Jagst. Der Liebhaber von US-Cars erklärt bereitwillig technische Details zu dem weinroten Lincoln, der neben anderen edlen Stahlkarossen auf der Festivalwiese um die Wette glänzt. „Der Lincoln gehört meiner Freundin und ist Baujahr 1977“, erläutert Ralph Schmitt.

Gut besucht auf der USA-Party waren am frühen Samstagnachmittag neben den Burgerbuden auch die mobilen Friseursalons und Tattoo-Studios.

Elvis lässt grüßen

Auf dem Festivalgelände streift der Blick immer wieder Männerköpfe mit markanten Rockabilly-Frisuren: Koteletten, Elvis-Tolle, Ducktail oder Greaser-Look setzten im Zuge der ersten Rock’n’Roll-Welle einen modischen Trend, der inzwischen wieder auflebt.

Fetzig zur Sache geht es auch auf der Livebühne. Mit treibendem Rockabilly-Sound heizen am frühen Nachmittag die Pinstripes dem Publikum ordentlich ein – zur Freude von Steffen Knödler und Holger Berghof. „Es ist für jeden etwas geboten. Die Kinder können an den Ständen der Unicorns und der Renegades beliebte Sportarten wie Baseball oder American Football ausprobieren“, so Holger Berghof.

Steffen Knödler freute sich vor allem über den guten Live-
­auftritt der Pinstripes und den Country-­Sound von Danny Wuenschel.

Den krönenden Abschluss nach dem gemeinsamen Fußballgucken mit den Besuchern bildete für den Geschäftsführer der Kantine 26 bei der Aftershow-Party dann „The Rob Ryan Road­show“. „Die Band hat am späten Abend noch einmal alle mitgerissen und für einen schwungvollen Ausklang gesorgt“, so Steffen Knödler.

Vom Unwort zum positiv besetzten Begriff

„Redneck Chillout“ lautete der Titel der USA-Party, die am Samstag im Solpark über die Bühne ging. In früheren Zeiten fing sich ein Redneck bei der anstrengenden Feldarbeit im amerikanischen Sommer regelmäßig einen Sonnenbrand im Nackenbereich ein. Im Laufe der Zeit änderte sich die Begriffsauslegung. Während der Hochphase der Baumwollplantagen galt ein Redneck als weißer Sklavenhalter. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein wurden in den USA auch ungepflegt aussehende Hinterwäldler als Rednecks bezeichnet. Das Redneck-Image ist inzwischen durch die in der Szene neu aufgeflammte Liebe zur Country Music wieder positiver besetzt. Country Music und Rockabilly-Sound sind wieder angesagt und verkörpern quasi die „DNA“ des amerikanischen Freiheitstraums. Das meint zumindest der Veranstalter des Festivals.

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