Langenburg Literatur vom „Balkon Europas“

Langenburg / Ralf Snurawa 08.11.2018
Die Atzenroderin Karin Friedle-Unger schwärmt nach einem Aufenthalt in Georgien von Land und Leuten.

Dass die in Atzenrod lebende Karin Friedle-Unger ein Faible für Bücher hat, ist für Langenburger nichts Neues. Diesmal widmet sich die heute vor allem künstlerisch tätige ehemalige Buchhändlerin und Verlagsmitarbeiterin nicht so sehr Neuerscheinungen, sondern vielmehr einem Land. Um Georgien und seine Literatur wird es am Sonntag, 11. November, ab 17 Uhr in der Alten Schule in Langenburg gehen. Gleich zwei Auslöser gab es für dieses Thema. Zum einen war Georgien Gastland auf der Frankfurter Buchmesse. Zum anderen ist Karin Friedle-Ungers Sohn mit einer Georgierin befreundet, die er im Frühjahr heiraten möchte.

Da bot es sich für die umtriebige Büchernärrin an, jenem „Balkon Europas“, wie sie Georgien auch nennt, einmal einen Besuch abzustatten. Drei Wochen hatte sie sich dort aufgehalten – und wäre am liebsten gleich dort geblieben.

„Georgien war sozusagen das Kurgebiet der Sowjetunion und davor des zaristischen Russlands“, schwärmt sie. Schon zu ihrer Schulzeit hatte sie sich besonders für Osteuropa begeistert.


In den 1980er-Jahren hatte sie eine Studienreise in die damalige UdSSR unternommen und später im Nebenfach Slawistik stu-
diert.

Ein fruchtbares Land

Und beim weiteren Beschreiben des Georgienaufenthalts im Spätsommer dieses Jahres kommt Karin Friedle-Unger kaum noch aus dem Schwärmen heraus. Georgien sei ein unglaublich fruchtbares Land. Außer im Gebirge herrsche ein mediterranes Klima vor.

Sie habe sich dort sehr wohlgefühlt. Und erinnert sich, dass auch russische Dichter gern den Weg nach Georgien fanden, um sich gesundheitlich zu erholen. Dazu zählten Alexander Puschkin oder Michail Lermontow, die beide auch über das Land und die Menschen geschrieben hatten.

Die starke Bindung zu Russland wurde 1783 mit einem Schutzvertrag unterstrichen. Die Georgier mit ihrem Land an der Schnittstelle zwischen Europa und Asien sahen und sehen sich als Europäer und wollten mithilfe Russlands Annektionen von osmanischer Seite verhindern. Viele georgische Intellektuelle studierten in St. Petersburg.

Georgien weist literarisch auch eine sehr eigenständige Kultur auf. Das 33 Buchstaben umfassende Alphabet gehört heute zum Weltkulturerbe. Im Georgien-Pavillon der Frankfurter Buchmesse seien diese Buchstaben räumlich dargestellt gewesen, merkt Karin Friedle-Unger an. Zu jedem Buchstaben seien kleine Geschichten verfasst worden.

Die Literatur Georgiens geht bis ins fünfte Jahrhundert zurück. Das erste bedeutende Werk war das von Schota Rustaweli verfasste 5000 Verse lange Epos „Der Recke im Tigerfell“. Heute kenne man in Deutschland vor allem die in Hamburg lebende und in Tiflis geborene Schriftstellerin Nino Haratischwili. Deren zuletzt erschienener Roman „Die Katze und der General“ hatte es auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft. Etwa 5000 Bibliotheken finden sich heute in ganz Georgien, erzählt Karin Friedle-Unger weiter. Sprache und Literatur würden von den vier Millionen Einwohnern sehr hochgehalten. Die Bevölkerung sei sehr belesen. Im Goethe-Institut in Tiflis habe sie über deutschsprachige Literatur gesprochen, berichtet sie. Aufgefallen sei ihr dabei, dass sich auch etliche Iraner unter den Sprachschülern fanden. Viele studieren Medizin in Tiflis.

Ein Land im Umbruch

Neun Tage sei sie in Georgien unterwegs gewesen und habe ein Land im Um- wie im Aufbruch kennengelernt. Als Reiseland sei Georgien bis heute noch ein Geheimtipp.

Vortrag in der Alten Schule in Langenburg

Karin Friedle-Ungers Vortrag „Georgien – Vom Balkon Europas – Literatur, Land und Leute“ wird von der Volkshochschule Langenburg und vom Langenburger Geschichts- und Kulturverein veranstaltet. Der Vortrag am Sonntag, 11. November, beginnt um 17 Uhr in der Alten Schule. snu

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel