Professor Dr. Thorsten Steinfeldt sitzt in der ersten Reihe und freut sich. Ein paar Klappsessel weiter nimmt Dr. Samuel Minja aus Tansania Platz und ist nicht nur erfreut, sondern überaus dankbar. Durch die Unterstützung des Haller Diakoniekrankenhauses, angetrieben von der Abteilung für Anästhesiologie und Intensivmedizin, deren Chefarzt Thorsten Steinfeldt ist, macht die afrikanische Klinik große Schritte in Sachen Weiterbildung. Es findet ein Wissenstransfer gen Tansania statt, deutsche Ärzte besuchen und belehren das Faraja-Health-­Care-Center, und dieses darf seine Ärzte zur Hospitation ins Haller Diak senden.

Schwäbisch Hall

Das Team rund um Steinfeldt hat in Hall viele Unterstützer gefunden, darunter die Revuetheatergruppe „Die AchtLosen“. Die zwölf Mitwirkenden willigten sofort ein zu diesem Benefizkonzert und stellten ein gezieltes Programm zusammen.

Familiäre Stimmung

Wenn es in ihrem Heimspielplatz, dem Theaterkeller, eigentlich immer viel zu eng ist und Besucher wegen Überfüllung fortgeschickt werden müssen, ist im Neubau-Saal mal so richtig Platz. Den nutzen rund 350 Zuhörer. Es herrscht eine fast familiäre Stimmung, man knabbert Backwaren, gespendet von der Bäckerei Scheu, und trinkt Getränke von Haller Löwenbräu, die Geschäftsführer Hans Firnkorn höchstpersönlich ausschenkt.

Nachdem sie mit dem kurzen afrikanischen Song „Banuwa“ einen thematisch passenden Einstieg hinlegen, wechseln die „AchtLosen“ zu ihren Klassikern: Lieder über das Leben und die Liebe. Immer ein bisschen frech, erotisch aufgeladen und ein bisschen verrückt. Der rote Faden des Programms ist Wolf Döhner, der den ganzen Abend an einem Tisch auf der Bühne sitzt und in Zeitschriften blättert. Anhand seiner Stichworte fädeln sich die Lieder auf. Er beginnt mit einem Meinungsbeitrag aus unserer Lokalzeitung zum Thema Stillen in der Öffentlichkeit, der sogleich mit dem Lied „Der Herr von gestern“ besungen wird.

Schnell geht es weiter zum Thema Schönheit. Hilda Stadelmaier, divenmäßig selbstbewusst, singt von der Lou Lila und ihrem lila Schal. Esmée Water, blond gelockt und sexy, will genau das sein: „Blond wie eine Semmel“ heißt es in dem Lied „Blond“ von Rainhard Fendrich, das auch ohne österreichischen Akzent ausgezeichnet rüberkommt.

Für diesen charmanten Zungenschlag sorgt aber Walter Wollmann, der ganz beglückt und authentisch dem Publikum singend erzählt, dass seine Frau einen Abflug macht. Es ist das gute alte Kreisler-Lied „Mein Weib will mich verlassen“.

„Ich meine Nein und sage Ja“

Focus Kindermann schafft es, den schnellen Rhythmus des Georg Kreisler im Lied über „Die Ehe“ reibungslos runterzusingen. Man würde gerne noch bei der ein oder anderen Stelle bleiben und darüber nachsinnen, wenn es heißt: „Man zählt schon keine Träne mehr und schmiedet keine Pläne mehr und fragt nicht, wie das Wetter ist, und frisst, bis man noch fetter ist.“

Die Ehe bleibt Thema, amüsant vorgetragen, aber mit deftigem Inhalt. So singt Mirco Neubert sehr klar, sehr schön, von der Mordlust, die er beim Anblick seiner Frau verspürt, und dem Leid des ewigen Ja-Sagens. „Das kann doch gar nicht sein, ich meine ‚Nein’ und sage ‚Ja’, das war schon immer mein Problem, auch damals vor’m Altar!“

Crailsheim

„Die AchtLosen“ schaffen es, die anspruchsvollen Texte stolperfrei zu singen und dazu eine sympathische, selbstbewusste Choreografie zu tanzen. Am Ende gehen die Besucher gut gelaunt, pfeifend und summend aus dem Saal und haben auch noch eine gesungene Botschaft mitbekommen: „Empört euch, beschwert euch, wehrt euch, gehört euch, liebt euch!“ Und jedem steht sein eigenes Gefühl dabei ins Gesicht geschrieben: Wut, Trauer, Zärtlichkeit, Mut, Aufbruch.

Info Die Mitwirkenden waren Marlene und Walter Wollmann, Wolf Döhner, Hans-Werner Schmidt, Margarete Friz, Hilde Stadelmaier, Focus Kindermann, Esmée Water, Inge Difflipp, Annegret Perschke, Mirco Neubert und Christine Tischler. An dem Benefizabend wurden 3627,72 Euro gespendet und weitere Spendenzusagen gemacht.

Zahl


Anlauf steht hier, hier die Erklärung