Eigentlich hat gar keiner gemerkt, dass nur wir da waren“, blickt Luca Surmund zurück auf die vergangenen zwei Wochen. Einzig das gelbe Plakat am Eingang weist da­rauf hin, dass in der Lidl-Filiale am Steinbeisweg in Schwäbisch Hall etwas anders ist als gewöhnlich. „Noch mitten in der Ausbildung und schon alles im Griff“, steht als Slogan darauf. Drinnen wirkt es sehr geordnet. Viele junge Menschen sind vor und hinter den Kulissen engagiert am Arbeiten, stets das Headset am Ohr. „Wir sind aus allen Himmelsrichtungen zusammengekommen“, zählt Surmund Städte und Dörfer zwischen Ludwigsburg und Herrieden, Backnang und dem Odenwald auf.

Er ist einer von ihnen – allerdings hat er derzeit Pause und darum Zeit für ein Gespräch. Der Neuensteiner ist im dritten Lehrjahr und einer der 33 Teilnehmer des Projekts „Azubis leiten eine Filiale“. Er wohnt, so wie viele seiner Kollegen, für diese Zeit in der Haller Jugendherberge. „Das macht dann einmal Karriere, bitte“, steht auf der Rückseite des blauen T-Shirts des 21-Jährigen. Er und andere Auszubildende aus den höheren Lehrjahren und dem Abiturientenprogramm übernehmen abwechselnd die Schichtleitungen.

Dienstpläne sind festgelegt

Einzig die Dienstpläne seien vorab mit der Verkaufsleitung festgelegt worden, erzählt Marita Heinrich. „Wer aber konkret was macht, ob Pause, Dispo oder Abteilungspflege, das zeigt sich erst bei der Umsetzung“, betont die Aus- und Weiterbildungsleitung der Regionalgesellschaft Waldenburg die Freiheiten. „Dabei lernen alle unter realen Bedingungen Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein, Selbstständigkeit und Kundenorientierung.“

Etwa einmal im Jahr dürfen die jungen Menschen aller Lehrjahre die komplette Niederlassung mit allen Aufgaben übernehmen, die im Tagesgeschäft anfallen – von der Warenbestellung über die Frischekontrolle bis hin zur Kassenabrechnung. Die Stammbesetzung darf derweil Urlaub machen oder arbeitet anderswo. „Das Filialleitungshütchen hat derzeit unsere älteste Auszubildende auf, sie ist 29 Jahre alt“, berichtet Heinrich. „Unser ‚Küken‘ ist erst 16“, ergänzt sie. „Dass euer Regiment kaum einer bemerkt hat, ist echt ein großes Kompliment für euch“, freut sie sich für den Nachwuchs. Zielstellung für jeden ihrer Schützlinge sei, dass er bei entsprechender Eignung übernommen werde, betont Heinrich.

„Wir arbeiten meist als Duo“, erläutert Surmund die „Lernpartnerschaften“. So räume jemand Erfahrenes als „Pate“ beispielsweise anfangs gemeinsam mit jemandem aus den unteren Lehrjahren Obst und Gemüse ein. Die Präsentation ist für alle Neuland. „Und in den nächsten Tagen kommt man vielleicht schon recht gut alleine zurecht“, sagt er. Es gebe einige Dinge, die auch für ihn ungewohnt gewesen seien. Dazu gehöre der Umgang mit dem elektrischen Tresor.

Besonders schätze er an seinem Ausbildungsplatz, dass es so viele unterschiedliche Arbeitsfelder gebe und die Bezahlung gut sei. „Die Zeit geht echt sehr schnell rum, einem ist nie langweilig“, sagt er. Seine Familie arbeite ebenfalls bei dem Unternehmen. Besonders gern mache er Schichtleitung oder räume Obst und Gemüse als „Frischebeauftragter“ ein. „Da sieht man den Unterschied sofort“, lächelt er zufrieden.

Spezielles Programm für Abiturienten wird geschätzt

Manuel Koch, im zweiten Lehrjahr des Abiturientenprogramms, kommt in den Pausenraum dazu. Am Tag zuvor hat der 20-Jährige frisch seine Einzelhandelskaufmannprüfung abgelegt und schließt nun den Handelsfachwirt an. Der Azubi aus Besigheim ist eines der Gesichter der aktuellen Werbekampagne von Lidl. „Er wollte Model werden, drum hat er bei uns angefangen, ihn sieht man jetzt auf jeder Messe und auf jedem Plakat“, scherzt Heinrich. Koch schätzt das spezielle Programm für Abiturienten. „Das ist viel praktischer als ein Studium und man hat von Anfang an Geld, ich kann das nur empfehlen“. Zu seinen liebsten Aufgaben gehören die Bestellung und die Schichtleitung. „Ich bin gern mein eigener Chef“, ergänzt er schmunzelnd.

„Wir haben keine Bestellung vergessen, die Regale wurden stets aufgefüllt und keine Brötchen sind verbrannt“, zeigen sich auch Koch und Surmund nach den fast zwei Wochen zufrieden. Nur ein einziges Mal habe es einen Vertipper gegeben. „Doch das ist ja menschlich“, lachen alle über die neun Paletten statt neun Kisten, die noch rechtzeitig bemerkt und korrigiert wurden.