Schwäbisch Hall Lichtspielhaus: Dritte Generation steht bereit

Schwäbisch Hall / ERNST-WALTER HUG 23.09.2013
Das Lichtspielhaus in Hall besteht seit 100 Jahren, das Kino Gloria seit 60: Die Betreiberfamilie Köhnlein feierte dieses Jubiläum am Freitag mit einem Empfang und am Sonntag mit einem Fest.

In Berlin regierte noch Kaiser Wilhelm II. als sich in Hall die zwei Starkstromelektriker Karl Ferdinand Sommer und Friedrich Köngeter zusammen taten und in der Zollhüttengasse einen Kinosaal bauten.

1913 wurde der erste Film gezeigt: "Königin Luise" - ein Stummfilm, in dem Schauspieler sehr theatralisch agierten, mussten sie dem Publikum doch Stimmungen und Gefühle allein durch Gesten näher bringen. Der Handlungsfortgang, die Geschichte des Films, wurde durch eingeblendete Zwischentexte erzählt. Die Filmmusik zur Steigerung der Dramatik kam von einem Klavierspieler hinter oder neben der Leinwand - wenn überhaupt.

1942 heiratete Friedrich Köhnlein Berta Köngeter, die Schwester des Kinogründers. Das Paar übernahm den bereits erweiterten Kinosaal, in dem nun auch Tonfilme abgespielt wurden. Am 5. Februar 1931 wurden Haller erstmals Zeugen eines Tonfilmevents.

Seit 2012 werden Filme digital auf die Leinwand projiziert

Gezeigt wurden Wochenschauen, viele Propagandafilme des Naziregimes, aber auch abendfüllende Werbefilme wie etwa 1933 "Wäsche Waschen Wohlbefinden", zu dem insbesondere alle "Hausfrauen und solche, die es werden wollen" eingeladen wurden.

Es liefen auch große Produktionen des Berliner UFA-Filmateliers wie "Münchhausen" oder die Heinz-Rühmann-Filme "Die Drei von der Tankstelle" und "Feuerzangenbowle" über die Leinwand. Letzterer wurde zum Teil in Hall gedreht, etwa die Biergartenszenen auf dem Unterwöhrd.

Dies fand im geschichtlichen Abriss, den Kinobetreiber Rainer Köhnleins Schwiegersohn Moritz Mendrzyk als filmisches Erlebnis zusammengestellt hatte, keine Erwähnung. Mendrzyk stellte Haller Bilder geschichtlichen Ereignissen gegenüber.

Der "sanfte Druck der Filmindustrie", wie Rainer Köhnlein es ausdrückte, führte mit dem großen Angebot ständig neuer Filme dazu, dass die Familie 1953 am Kocherufer einen weiteren Vorführsaal, das Gloria Kino, baute - auch wegen der ständig größer werdenden Konkurrenz durch das Fernsehen. Dabei hatte erst 1950 mit "Schwarzwaldmädel" der Farbfilm in Hall Einzug gehalten.

Kino soll am Standort bleiben

Auch die neuen Techniken, etwa das Dolby-Surround oder erst vor wenigen Jahren die Einführung von 3D, forderten ständige Neuerungen in der Projektionstechnik. Weitere Vorführräume entstanden - 1982 das "Studio", 1987 das "Skala" und 1994 in einem ehemaligen Gewölbekeller des Lichtspielhauses das "Metro". 2012 wurden alte 35-Millimeter-Film gänzlich verbannt: Filme werden heute digital projiziert.

Die Jubiläumsgäste konnten sich am Freitagabend von der Qualität der neuen Projektionstechniken gleich überzeugen, bei einer Vorpremiere des Filmes "Rush" - offizieller Kinostart ist erst am 17. Oktober. Es ist die filmische Biografie des Ex-Formel-1-Weltmeisters Niki Lauda, der bei einem Unfall 1976 beinahe ums Leben kam.

Nicht sterben wird das 100-jährige Lichtspielhaus, ist sich Köhnlein sicher. Vor einigen Jahren war geplant, die Haller Kinos in einem neuen Kinocenter im Haller Westen zusammenzufassen. Heute, dass betonte Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim in seiner Jubiläumsrede, setze sich auch die Stadt dafür ein, das Kino am alten Standort zu erhalten. Mit Rainer Köhnleins Tochter Sandra Mendrzyk steht bereits die dritte Generation der Kinobetreiber bereit.

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