Schwäbisch Hall Leuchtende Blasentumore

Schwäbisch Hall / SWP 29.11.2014
51 Prozent aller Männer und 43 Prozent aller Frauen müssen derzeit damit rechnen, im Laufe ihres Lebens an Krebs zu erkranken. Jeder vierte Mann und jede fünfte Frau verstirbt an einer Krebserkrankung.

Der Blasenkrebs ist einer der häufigsten bösartigen Tumore, etwa 135000 neue Blasentumore werden pro Jahr in Europa diagnostiziert. 15500 Neuerkrankungen mit Blasenkrebs wurden 2010 registriert, 5516 Menschen verstarben an dieser Erkrankung. Die Aggressivität des Krankheitsverlaufes ist jedoch unterschiedlich, oft kommt es nach einer erfolgreichen Behandlung innerhalb von fünf Jahren zu einem erneuten Auftreten des Tumors.

Das neue Verfahren zur Diagnostik und Therapie, das in der Urologischen Klinik des Diaks von Chefarzt Dr. Bernhard Brehmer seit Mitte November 2014 eingeführt wurde, nennt sich PDD (photodynamic diagnosis). "Bei der herkömmlichen Blasenspiegelung wird mit normalem Weiß-Licht die Blase beurteilt. Nun spült man im Vorfeld der Untersuchung einen Farbstoff in die Blase des Patienten ein. Durch das Betrachten der Blase mit fluoreszierendem Licht werden bösartige Zellen deutlich sichtbar und Tumore können besser identifiziert werden", so der Urologe.

Der Farbstoff lagert sich in bösartig veränderten Zellen ab. Wenn nun die Blasenspiegelung mit fluoreszierendem Licht durchgeführt wird, leuchten Areale mit bösartigen Zellen rot auf. Bei großen, "blumenkohlartig-wachsenden" Tumoren sei die Identifikation auch im Weißlicht in der Regel kein Problem, wenn man aber bösartige Veränderungen in der Blasenschleimhaut wachsend vorfinde oder sehr kleine Tumore, sei die Identifikation im Weißlicht oft schwer oder gar nicht möglich. Mit dem neuen Verfahren der PDD gelingt die Identifikation jedoch jetzt deutlich zuverlässiger.

Als erste Klinik in der Region, arbeiten Dr. Brehmer und sein Team seit wenigen Wochen mit diesem photodynamischen Verfahren. Die Erfahrungen mit diesem System sind in verschiedenen Studien erfasst worden.

In einer groß angelegten Analyse aus dem Jahr 2013 wurden Daten von 44 Studien zusammengefasst. Durch den Einsatz der PDD konnte die Identifikation von Blasentumoren um bis zu 30 Prozent verbessert werden und die Rate von versehentlich zurückgelassenen "Tumorresten" konnte um durchschnittlich 20 Prozent gesenkt werden. Positiv für behandelte Patienten ist, dass die Rückfallquote bei Blasentumoren deutlich gesenkt werden kann. Deshalb empfiehlt die Europäische Gesellschaft für Urologie die Behandlung und Diagnose von Blasentumoren anhand der PDD.

Das Diakonie-Klinikum Schwäbisch Hall hat nach eigenen Angaben rund 60000 Euro in dieses Verfahren investiert, um zusammen mit den niedergelassen Urologen die Behandlung des Blasentumors im Kreis Schwäbisch Hall leitliniengerecht "auf den nächsten Level anzuheben".

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