Schwäbisch Hall / Beatrice Schnelle Die Frau des Schwäbisch Hallers Manfred Bühler war in den USA eine engagierte Ausbilderin bei der Armee. In Steinbach wurde ihre Asche mit hohen militärischen Ehren zu Grabe getragen.

Viele Menschen versammeln sich Montag auf dem Steinbacher Friedhof. Sie sind gekommen, um eine US-amerikanische Staatsbürgerin auf ihrem letzten Weg zu begleiten: Neania Bühler war im Rang eines Staff Sergeant an der Militärakademie der Vereinigten Staaten in West Point, New York für die Ausbildung der Kadetten zuständig.

Sehnsucht nach Schwäbisch Hall

Reisen durch die ganze Welt und Arbeitsstellen in anderen Ländern gehörten zu ihrer Position. So hielt sie sich 2004 im Stuttgarter US-Truppenstützpunkt auf. Bei einem Ausflug nach Hall traf sie ihren späteren Ehemann. Manfred Bühler, dessen Familie der gleichnamige Holzhandel in Hessental gehörte, ist in der Region eine bekannte Persönlichkeit. Nach der Heirat gingen die beiden zusammen nach Amerika. Die deutsche Stadt am Kocher habe seine Frau jedoch nie vergessen, berichtet der Witwer. Neania habe sich immer nach Schwäbisch Hall zurückgesehnt. Nun hat er sie nach Hause gebracht. Es sei ihr eigener Wunsch gewesen, im Bühler’schen Familiengrab in Steinbach die letzte Ruhe zu finden. Den Trauergottesdienst leitet Pfarrer Klaus Anthes von der Kirche St. Michael.

Bestattungsfeier mit allen militärischen Ehren

Eine Zeremonie, wie sie Schwäbisch Hall sicherlich selten erlebt hat, sind die Bestattungsfeierlichkeiten mit allen militärischen Ehren. Die etwa 100 Trauergäste werden flankiert von zwei Reihen uniformierter Männer und Frauen. Alycia Jennings bekleidet als Specialist einen hohen Rang in der US Army. Sie lässt aus ihrer Signaltrompete einen feierlichen Zapfenstreich ertönen. Die junge Frau gehört zu den Vertretern der 12. US-Kampfhubschauber-Brigade, die aus Ansbach angereist sind. Dann entrollen zwei Brigadiers in einem aufwendigen Ritual die amerikanische Flagge. Aus fünf Gewehren werden drei Salutschüsse abgefeuert, die gewiss im ganzen Stadtgebiet vernehmbar sind.

Renate Bauer-Grau ist im Alter von zehn Jahren nach Hall geflüchtet. Sie arbeitete als Krankenschwester in den Dolan Barracks bei den Amis.

Als sich die Urne in die vorbereitete Grube senkt, ist es Mittagszeit. Und darum senden alle Haller Kirchenglocken Neania Darcelle Bühler einen letzten Gruß. Sie wurde nur 59 Jahre alt. Ihren letzten Atemzug tat sie am 12. Januar im Haus des Ehepaars in West Point.

Eine Reihe Offiziersanwärter der Militärakademie, an der die Verstorbene tätig war, stehen ebenfalls im „Full Dress“, der grauen Paradeuniform, am Grab stramm. Dass sie alle einige Zeit an den Universitäten der Bundeswehr in München oder Hamburg studiert haben, können John Lowe und Michael Tierney sogar auf Deutsch kundtun. „Meine Frau hat in der Kirche gelächelt und gesagt: Schön, dass ihr da seid“, richtet Manfred Bühler den Kadetten später beim gemeinsamen Essen in der Hessentaler „Krone“ aus.

Witwer freut sich über die Gäste und ist gerührt

Der schmale Mann im schwarzen Anzug ist sichtlich zwischen seinen Gefühlen hin- und hergerissen. Einerseits freut sich Manfred Bühler herzlich über die vielen alten Bekannten und Wegbegleiter, die ihm in dieser Stunde zur Seite stehen. Er ist ein wenig aufgeregt, möchte, dass sich alle wohlfühlen, spricht mit jedem, schüttelt zahllose Hände, lacht und bedankt sich. Doch immer wieder kämpft er mit den Tränen. Von einer großen Fotografie an der Stirnseite des „Krone“-Saals blickt Neania Bühler auf ihre Gäste.

Ihrem gemeinsamen, dramatischen Kampf gegen den Brustkrebs, den sie dann doch verloren, widmet Manfred Bühler einen großen Teil seiner Rede. Seine Frau habe bis zuletzt Disziplin bewahrt und noch alle ihre Angelegenheiten geregelt. Er erzählt von ihrer Tatkraft, ihrem Willen, die Menschen zu vereinen. Es sei ihr ein Anliegen gewesen, dass sich ihre Kadetten selbst ein Bild von Deutschland machen sollten, da das Land in den Staaten verzerrt dargestellt werde. Im Hohenlohekreis soll der Army-Nachwuchs jetzt einige Tage lang Einblicke in ein hiesiges Unternehmen erhalten. „Ihr werdet sehen, bei uns gibt es viele Hidden Champions, also Weltunternehmen, die trotzdem nicht jeder kennt“, verspricht Bühler.

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Botschafter für Deutschland

Manfred Bühler wurde 1959 in Hall geboren. Bis zur Schließung des Holzhandels seiner Familie war er dort in der Geschäftsleitung tätig. 2004 wanderte er nach Amerika aus.

Gemeinsam mit seiner Frau baute er Beziehungen zwischen amerikanischen Kadetten und deutschen Unternehmen auf. Das Interesse der amerikanischen Nachwuchsgeneration an Deutschland und Europa schwinde, bedauert er. Die Zukunft liege aus ihrer Sicht im asiatischen Raum. „Europa sehen sie als einen Haufen zerstrittener Länder, die nicht wissen, was sie wollen, und das hat meiner Frau und mir immer wehgetan.“ Darum wollten sie einen kleinen Beitrag dazu leisten, diese Sichtweise zu ändern. Mit dem Fußballverein Bayern München habe es bereits eine Kooperation gegeben, in deren Rahmen junge US-Soldaten dort im Management hospitieren konnten. Etwas Ähnliches habe Bühler nun im Hohenlohekreis auf den Weg gebracht.

„Ich glaube, dass so etwas mehr bewirkt als die geschliffensten Reden“, sagt Bühler. Die wenigsten der Offiziersanwärter würden tatsächlich eine Armee-Karriere einschlagen. Viele gingen in die Wirtschaft. In Amerika beruhe der Führungsstil dort aber ebenso auf befehlsdominierten Hierarchien. In Deutschland sollten sie erleben, dass dies auch anders funktioniere.

Da er seiner Frau versprochen hat, die gemeinsame Arbeit fortzuführen, fliegt er in den nächsten Tagen wieder in die Staaten. Dort arbeitet er auch für die Geschäftsführung eines Unternehmens, das Möbelkomponenten für große Einrichtungshäuser herstellt. Am Ende der Tage, so verspricht er, werde er jedoch zu seiner Frau nach Schwäbisch Hall zurückkommen.

Die vier Geschwister von Manfred Bühler leben ebenfalls nicht mehr am Kocher. Sie haben in Bayern, Österreich und der Schweiz eine neue Heimat gefunden. cito