Schwäbisch Hall Lesung in Hall schildert Leben in den Konzentrationslagern der Nationalsozialisten

Wurde im KZ Kaufering geboren: Marika Novakova.
Wurde im KZ Kaufering geboren: Marika Novakova. © Foto: Sybille Munz
SYBILLE MUNZ 18.11.2013
Eva Gruberova und Helmut Zeller lesen in Hall aus ihrem Buch "Geboren im KZ". Etwa 100 Gäste hören die Geschichte von Miriam Rosenthal und Eva Fleischmannova. Deren Tochter ist als Zeitzeugin anwesend.

Einfühlsam geben die beiden Autoren einzelne Passagen aus ihrem Buch wieder. Im Mittelpunkt stehen die beiden Frauen Miriam und Eva, die ihre Geschichte den Autoren noch persönlich erzählen konnten. Sie waren nach dem Einmarsch der Deutschen in Ungarn Mitte 1944 in die Lager von Auschwitz und letztlich nach Kaufering verschleppt worden. Monatelang versuchen sie, ihre Schwangerschaft zu verbergen und trotz des Hungers und der harten Zwangsarbeit am Leben zu bleiben.

Geburt im Januar 1945 im KZ Kaufering

"Schlof schojn majn hungerik mejdele, mach schojn di ojgelech zu. Hungerik iz oijch dain mamele un wejnt nischt un schrajt nischt wi du." Wie oft hat Eva Fleischmannova ihrer Tochter Marika dieses jüdische Kinderlied vorgesungen? Wie oft schweiften dabei die Gedanken zu den Apfelbäumen im heimatlichen Ungarn? Wie oft wischt Eva die Tränen weg und drückt ihre Tochter fest an sich? Wohl unzählige Male. Der Duft nach reifen Früchten und das unbeschwerte Lachen mit Marikas Vater Geza sind in weite Ferne gerückt.

Eva Fleischmannova bringt im Januar 1945 ihre Tochter Marika im Konzentrationslager Kaufering zur Welt. "Ihre Geburt gab mir unglaublich viel Kraft. Ich wusste, dass ich nun auch auf mein Kind aufpassen muss. Ich war fest entschlossen, sie vor jeder Gefahr zu schützen", erzählt Eva Fleischmannova 40 Jahre später in einem Interview. Die Umstände in Kaufering, das nordwestlich von Landsberg liegt, lassen jegliche Hoffnung schwinden.

In der letzten Aprilwoche 1945 ist das KZ Dachau mit seinen Außenlagern das letzte große Lager, das noch in Betrieb ist. Dorthin wird Eva Fleischmannova mit den anderen sechs Müttern von Kaufering gebracht. Die Baracken sind überfüllt, auf dem Appellplatz liegen oder sitzen Gefangene. Eine tausendköpfige Menge zerlumpter, erschöpfter, kranker oder sterbender Menschen, die mit Evakuierungstransporten nach Dachau gekommen sind. Im Lager herrscht eine Fleckfieberepidemie, mehr als 15000 Gefangene sterben. Am 29. April 1945 wird das Lager von der 42. Rainbow Division unter Lieutenant William J. Cowling befreit. Zwei Monate später kehrt Eva Fleischmannova zur Familie ihres Mannes Geza zurück. Die beiden werden sich nicht wiedersehen, Marika lernt ihren Vater nie kennen. Er stirbt bei der Bombardierung eines Häftlingstransportes.

Info Eva Gruberova und Helmut Zeller: "Geboren im KZ - Sieben Mütter, sieben Kinder und das Wunder von Kaufering", Verlag C.H.Beck, 215 Seiten. Eva Gruberova ist freie Journalistin und Filmautorin, Helmut Zeller ist Redaktionsleiter der Dachauer Süddeutschen Zeitung.

"Einige Äußerungen im Internet machen Angst"