Schwäbisch Hall Leihgabe aus Wien wird bis Mitte 2015 in der Haller Johanniterkirche gezeigt

Sieglinde Ziegler betrachtet "Maria, dem Kind einen Granatapfel reichend" von Hans Holbein dem Älteren. Das Gemälde entstand um 1512.
Sieglinde Ziegler betrachtet "Maria, dem Kind einen Granatapfel reichend" von Hans Holbein dem Älteren. Das Gemälde entstand um 1512. © Foto: Gottfried Mahling
Schwäbisch Hall / GOTTFRIED MAHLING 13.11.2014
Die Ausstellung "Alte Meister" in der Haller Johanniterkirche hat auf Zeit eine zweite Holbein-Madonna: "Maria, dem Kind einen Granatapfel reichend" von Hans Holbein dem Älteren ist eine Leihgabe.

Auf den ersten Blick wirkt die Madonnentafel unscheinbar. Gerade einmal 42 mal 27 Zentimeter misst das Gemälde "Maria, dem Kind einen Granatapfel reichend". Dessen Wert für die Ausstellung allerdings ist immens. "Vater und Sohn können jetzt gemeinsam angeschaut werden", erklärt die stellvertretende Museumsleiterin der Sammlung Würth Dr. Beate Elsen-Schwedler in Hinblick auf die "Madonna des Bürgermeisters Jakob Meyer zum Hasen", auch "Schutzmantelmadonna" genannt, von Hans Holbein dem Jüngeren, das unangefochtene Glanzstück der Sammlung Würth.

Den Besuchern offenbart sich seit Ende Oktober ein neuer Blick in den Chorraum der Johanniterkirche: Groß in der Mitte thront die berühmte "Schutzmantelmadonna" Hans Holbeins des Jüngeren (1497 bis 1543), rechts die Madonnentafel seines Vaters (1465 bis 1524).

Obwohl nur 16 Jahre zwischen der Vollendung der beiden Gemälde liegen, unterscheiden sie sich stark - die Zeitenwende zwischen Mittelalter, Renaissance und Reformation scheint auf engstem Raum förmlich greifbar. "Maria, dem Kind den Granatapfel reichend", das Werk von 1512, spiegelt noch ganz Glaubenswelt und Kunstverständnis des Mittelalters wider. Mutter und Jesuskind umgibt ein angedeuteter Heiligenschein, die Gesichtszüge sind idealisiert, der Hintergrund abstrakt, die Symbolik uralt: Der Granatapfel, den Maria ihrem Sohn reicht, steht für Leben, Macht und Kirche; die Maiglöckchen am linken unteren Bildrand für Glück und Liebe. "Holbein der Ältere nahm Wandel wahr, aber er setzte ihn nicht in seinen Bildern um", sagt Beate Elsen-Schwedler.

Wenige Jahre später ist das bei Hans Holbein dem Jüngeren ganz anders. Seine berühmte "Schutzmantelmadonna" ist geradezu typisch für die Zeit unmittelbar nach der Reformation, in der Kunst weit mehr als nur Frömmigkeit zum Ausdruck bringt - sondern von Protestanten und Katholiken gezielt für Politik und Propaganda eingesetzt wird. Der Baseler Bürgermeister Jakob Meyer zum Hasen, ein Katholik, scheint auf Holbeins Bild unter unmittelbarem Schutz der Gottesmutter zu stehen.

Er hätte den Schutz gebraucht, weil ihm Amtsmissbrauch vorgeworfen wurde. 1529, ein Jahr nach der Vollendung des Gemäldes, flüchtete Jakob Meyer zum Hasen aus Basel nach Freiburg im Breisgau. "Maria, dem Kind einen Granatapfel reichend" ist eine Leihgabe des Kunsthistorischen Museums in Wien. Das Gemälde ist voraussichtlich bis Juni 2015 in der Johanniterkirche zu sehen. Im Gegenzug schickt die Sammlung Würth "Die Kreuzigung Christi" des Meisters von Meßkirch ins Frankfurter Städel-Museum und von dort weiter in die österreichische Hauptstadt.

Info Die Ausstellung "Alte Meister" in der Johanniterkirche ist dienstags bis sonntags 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.