Nachruf Leidenschaftlicher Querdenker

Schwäbisch Hall / JOCHEN KORTE 19.09.2016
Grünes Urgestein, Energiepionier und zupackender Querdenker: Georg Lang hat polarisiert. Am 10. September ist er im Alter von 64 Jahren gestorben.

Um Konventionen hat sich Schlossermeister Georg Lang nie wirklich gekümmert. Wenn er einen Entschluss gefasst hatte, dann hat er versucht, diesen auch umzusetzen. Auch wenn andere das für so gut wie unmöglich gehalten hatten. Georg Lang war ein ideenreicher Praktiker und Tüftler – mit einem Faible für alternative Energie, insbesondere für Wasserkraft. Das Wissen darüber hat er sich angelesen. An der Ebersberger Sägemühle brachte er Anfang der achtziger Jahre eine Turbine wieder ans Laufen. Später lebte er im Weiler Neunbronn im Bühlertal, der zu Schwäbisch Hall gehört. Dort erzeugte Lang seinen eigenen Strom, nachdem er in mühsamer Kleinarbeit die runtergekommenen Turbinen wieder auf Vordermann gebracht hatte.

Auch in Sachen Elektromobilität geht Lang als Pionier durch: Von der „Tour de Sol“ in der Schweiz kehrte er im Juli 1993 mit dem Titel Weltmeister zurück. Er gewann mit einem Motorradgespann der Marke Eigenbau. Der Segen des Tüvs blieb dem Gefährt aber versagt.

1996 will "Schorsch" Lang Nachfolger von OB Binder werden

Nicht nur in Sachen Energieerzeugung dachte er alternativ. „Schorsch“ Lang gehörte vor 36 Jahren auch zu den Mitbegründern der Haller Grünen. Den Weg dorthin fand er Anfang der 80er Jahre nach der Lektüre zweier für ihn wichtiger Bücher: „Ein Planet wird geplündert“ und die Studie „Global 2000“, wie er unserer Zeitung damals sagte. Die darin beschriebenen Umweltzerstörungen hätten bei ihm einen Umdenkungsprozess eingeleitet, bekannte er.

Für ihn war klar, dass er persönlich einen Beitrag für den Erhalt einer intakten Umwelt leisten müsse. „Wir haben keine zweite Erde im Kofferraum“, sagte Lang. Mit den Grünen sah er die Chance, Veränderungen bewirken zu können. 1984 kandidierte er für den Haller Gemeinderat und den Kreistag. Auf Anhieb wurde er Stimmenkönig bei den Grünen. In beiden Kommunalparlamenten bestimmte Lang bis 1999 die Politik vor Ort mit.

Stromlinienförmig war er nie. Er war gegen die Haller Westumgehung, gegen ein Kaufhaus auf dem Gelände des ehemaligen Gefängnisses, dem heutigen Kocherquartier, gegen ein Fachmarktzentrum im Hessentaler Gründle. Und das Glashaus, das heute die Stadtbücherei beheimatet, mochte er nie.

Sein Ideal war die Gelbinger Gasse, in der der in Ludwigsburg geborene Schlossermeister lange gewohnt hatte. Arbeiten im Kleinhandwerk, leben, einkaufen und wohnen, alles in unmittelbarer Nachbarschaft, ohne lange Wege und Autofahrten, das kam seinen Vorstellungen von Urbanität sehr nahe.

Als es in Hall bei den Bürgermeisterwahlen am 1. Dezember 1996 um die Nachfolge von OB Karl Friedrich Binder ging, kandidierte Georg Lang um dieses Amt. Erfolg war ihm nicht beschieden. Er landete auf Platz vier und bekam 8,4 Prozent der abgegebenen Stimmen. Sein selbst gestecktes Ziel von zehn Prozent hatte er verfehlt und trat dann im zweiten Wahlgang nicht mehr an. Der spätere Wahlsieger Kurt Leibbrandt trat im Zuge einer Wahlanfechtung zurück und Hermann-Josef Pelgrim wurde nach einer Übergangszeit als Amtsverweser im Juni 1998 offiziell Binder-Nachfolger.

Andrea Herrmann,  Fraktionsvorsitzende der Grünen im Haller Gemeinderat, erinnert sich noch gut an die gemeinsame Zeit von 1994 bis 1999 mit Georg Lang im Haller Rat. „Er war eines der wenigen Originale, die ich kenne. Politik hat er aus dem Bauch heraus gemacht. Und lag dabei aus grüner Sicht nicht falsch.“

Lang war nie verheiratet, hat aber aus zwei „eheähnlichen Lebensgemeinschaften“, wie er es nannte, vier Kinder. Nach dem  Tod seiner Eltern im Jahr 1998 hatte sich Georg Lang aus gesundheitlichen Gründen aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Zu seiner Familie hatte er bis zuletzt engen Kontakt. Die Beisetzung ist am Dienstag, 20. September, um 11 Uhr auf dem Waldfriedhof.

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