Nachruf Chefarzt Prof. Dr. Volker Lenner gestorben

Prägende Chefarzt-Persönlichkeit am Schwäbisch Haller Diak: Professor Dr. Volker Lenner (rechts im Bild) war mit Leib und Seele Mediziner.
Prägende Chefarzt-Persönlichkeit am Schwäbisch Haller Diak: Professor Dr. Volker Lenner (rechts im Bild) war mit Leib und Seele Mediziner. © Foto: Archiv/Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / Bettina Lober 30.08.2018
21 Jahre lang war Professor Dr. Volker Lenner Chefarzt im Haller Diak. Am Sonntag starb er im Alter von 77 Jahren.

Die Medizin war ihm seit jeher eine Herzenssache. Und vermutlich ist Professor Dr. Volker Lenner der Arztberuf schon in die Wiege gelegt worden: Am 13. Juni 1941 hat er in Mainz das Licht der Welt erblickt – gemeinsam mit zwei Schwestern. Volker Lenner war ein Drillingskind. Erst die Flucht zu den Großeltern nach Ostpreußen, und nach dem Krieg ist die Familie im thüringischen Nördlingen zu Hause, wo der Vater Chefarzt im Krankenhaus war. Volker Lenner wuchs mit sechs Geschwistern auf. Er wusste von klein auf, was es heißt, Arzt zu sein – und wurde selbst ein leidenschaftlicher Mediziner.

In Erlangen, Berlin, Wien und Mainz hat er studiert, erzählt seine Witwe Beate Lenner. Sie ist ebenfalls Ärztin, mit ihr war Volker Lenner seit 1970 verheiratet. Das Paar hat drei Kinder. 1980 habilitierte er, 1983 wurde Volker Lenner zum Professor ernannt. 1985 kam er nach Schwäbisch Hall. Gemeinsam mit seinem Kollegen Professor Dr. Hartmut Siebert hatte Lenner am 1. April 1985 die chirurgische Abteilung im Diak übernommen. Damals wurde sie in Viszeral-, Gefäß- und Thoraxchirurgie unter der Leitung Lenners und in die Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie unter der Leitung Sieberts aufgeteilt. Während der 21 Jahre, die Volker Lenner als Chirurg im Haller Diak tätig war, behandelte er 21 343 Patienten, wie bei seiner Verabschiedung 2006 vorgerechnet wurde.

Ganzheitliche Sichtweise

Mit seiner ruhigen, überlegten und konzentrierten Art strahlte Lenner stets Gelassenheit aus. Für ihn waren es Menschen, denen geholfen werden musste, und keine „Werkstücke“, wie er es einmal selbst ausdrückte. Lenner sprach ganz bewusst vom „Menschen“ und nicht vom Patienten. Denn dieser ist für den Arzt in erster Linie ein „ganzheitlicher Mensch, ein Individuum mit Sorgen und Nöten.“ Natürlich ist es wichtig, die Technik zu beherrschen. Doch ein Chirurg muss nicht nur eine ruhige Hand haben, sondern auch die richtigen Worte finden, so Lenners Überzeugung.

„Er war ein leidenschaftlicher Arzt, mit ganzem Herzen für die Patienten da, auch nachts und am Wochenende – ein starker Charakter“, sagt Dr. Hans-Peter Klostermann traurig. Er war als Internist nicht nur beruflich, sondern auch freundschaftlich mit Lenner verbunden.

Beruf als Berufung

Mediziner zu sein, war Lenners Berufung. Beim Abschied aus dem Diak bezeichnete ihn Schwester Luise Binder, die 20 Jahre zuvor von ihm operiert worden war, als „Arzt mit Leib und Seele“. Das legt auch die damalige Beschreibung seines Weggefährten Siebert nahe: „Jeden Morgen stand er pünktlich um 7.05 Uhr auf der ‚Klinik-Matte‘, um das Diak erst spät abends, nach einer minutiös getakteten und zuweilen recht nervenaufreibenden Tätigkeit wieder zu verlassen“.

In Lenners „unglaublich großen und unglaublich geschulten Händen“ lag das gerade geborene, 900 Gramm leichte Baby mit offenem Rücken genauso wie der junge Mann, der sich durch eine versehentlich getrunkene Säure die Speiseröhre ruiniert hatte. Oder der Obdachlose, dem er durch eine mehrstündige schwierige Operation in der Nacht das Leben gerettet hat. „Sie lagen wirklich nicht nur unter seinen Händen, sondern darin“, schreibt das Haller Diak in seinem Nachruf.

Lenner hat an der Klinik die Gefäßchirurgie aufgebaut, und er war maßgeblich daran beteiligt, dass sich die Viszeralchirurgie durch die Einführung minimalinvasiver Eingriffe („Schlüsselloch-Methode“) erfolgreich entwickelte.

Doch stets war der Mensch im Mittelpunkt von Lenners Arbeit: Deshalb registrierte er die Veränderungen im Gesundheitswesen zuweilen mit großer Sorge: „Ich habe mich immer dagegen gewehrt, dass der Patient zum Kunden wird“ oder zum streng durchdeklinierten Fall.

Außerhalb der Klinik hat sich Lenner im Haller Lions-Club eingebracht, war von 2006 bis 2007 Präsident. Im Ruhestand fand er Zeit für seine Kunstgeschichte-Passion und besuchte Vorlesungen an der Universität seiner Heimatstadt Mainz. Seit jeher verwirklichte sich der handwerklich geschickte Arzt gemeinsam mit seiner Frau in seinem geliebten Garten. Und seine fünf Enkelkindern war er ein liebevoller Großvater.

Bis zu seiner Pensionierung 2006 hat sich Volker Lenner viele Jahre lang auch als Vorsitzender des Haller Krebsvereins engagiert – noch so eine Herzenssache. Der Kampf gegen den Krebs sei eine tägliche Herausforderung, die Arzt und Patient gemeinsam bewältigen müssen, erklärte er. Lenner wusste das nur zu gut. Er kannte beide Seiten: 2003 wurde bei ihm selbst Krebs diagnostiziert. „Dann war zehn Jahre Ruhe, bis vor vier Jahren. Es war ein zermürbender Leidensweg“, berichtet Beate Lenner von der letzten Zeit.

„Wir verlieren einen unheimlich treuen, lieben und zuverlässigen Freund“, sagt Dr. Hans-Peter Klostermann – und spricht damit vielen Weggefährten aus dem Herzen.

Info

Die Trauerfeier für Professor Dr. Volker Lenner ist am Mittwoch, 5. September, um 13 Uhr in der Haller Katharinenkirche.

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