Obersontheim So üben Feuerwehrleute den Ernstfall

Der Obersontheimer Jonas Philipp bei der Freiwilligen Feuerwehr in Hamburg-Rothenburgsort/Veddel.
Der Obersontheimer Jonas Philipp bei der Freiwilligen Feuerwehr in Hamburg-Rothenburgsort/Veddel. © Foto: privat
Obersontheim / Sigrid Bauer 16.08.2018
Jonas Philipp landet bei einem Wettbewerb zur technischen Unfallrettung in seiner Wertung auf dem 1. Platz.

„Ich habe schon als kleiner Junge davon geträumt, zur Feuerwehr zu gehen“, erinnert sich der 25-Jährige. Dabei ist es geblieben. Bis vor einem Jahr war er Mitglied der Obersontheimer Feuerwehr, jetzt studiert Philipp in Hamburg „Gefahrenabwehr/Hazard Control“ und ist auch dort wieder ehrenamtlich bei der Feuerwehr. Das reicht ihm aber nicht: Zusätzlich hat er zum zweiten Mal mit Studienkollegen und Freunden aus der Feuerwehr an der „Rescue Challenge“ teilgenommen.

Bei dem Wettbewerb geht es darum, im Sechser-Team unter realistischen Bedingungen einen Verletzten aus einem Fahrzeug zu retten. „Sechs bis acht Ausbilder bewerten uns. Ihnen entgeht nichts“, berichtet der junge Mann. Im Zentrum stehe dabei weniger der Vergleich der Teams als vielmehr voneinander und auch durch die detaillierten  Nachbesprechungen zu lernen.

Rund sechs Monate Training

Gut ein halbes Jahr vor der Veranstaltung in Thüringen mit 18 Teams aus Deutschland und den Nachbarländern haben er und seine Freunde mit dem Training begonnen. „Da ich zurzeit ein Praxissemester bei der Feuerwehr Waiblingen mache, bin ich dafür extra mehrmals nach Hamburg gefahren. Wir haben auf einem Schrottplatz mit technischen Rettungsgeräten an Autos geübt, die vorher mit einem Bagger möglichst realitätsnah demoliert wurden. Für das Training konnten wir ein Löschfahrzeug mit allen nötigen Geräten nutzen“, berichtet der Feuerwehrmann.

Im Gegensatz zu früher, sei es heute oft nicht mehr möglich, bei jedem Verkehrsunfall das Dach des Fahrzeugs komplett zu entfernen. Die modernen Autos seien so stabil, dass das zu zeitaufwendig wäre. „Da kommen die Rettungsgeräte an ihre Grenzen“, so Philipp. Sie müssten die Rettungstaktik immer an den aktuellen Verkehrsunfall anpassen, um den Patienten möglichst schnell und sicher zu retten.

Beim Wettbewerbsszenario hatte sein Team einen Pkw, auf den ein Baum gestürzt ist. Den verletzten Fahrer retteten sie durch den Kofferraum. „Natürlich haben wir auch immer einen Plan B und C, falls A doch nicht funktioniert, und einen Notfallplan, wenn das Fahrzeug anfängt zu brennen oder sich der Zustand des Patienten massiv verschlechtert. Dann hätten wir den Mann durch die Seitenscheibe gerettet“, erklärt er.

Theoretische Vorbereitung für Feuerwehrleute

Ihren Sieg hätten sie aber nicht nur dem ausgiebigen Training zu verdanken, sondern auch der professionellen Theorie-Vorbereitung. „Wir haben uns ein Stufenkonzept erarbeitet, nach dem wir vorgehen, aber selbstverständlich müssen wir es immer an den aktuellen Einsatz anpassen“, erklärt er. Die erste Phase nennt sich „Erkundung“. Es geht darum, Gefahren wie auslaufendes Benzin, eine Gasflasche im Kofferraum oder einen Stromkasten hinter dem Auto zu erkennen. „Erst wenn keine Gefahr besteht, gehen wir ans Auto heran“, schildert Philipp.

Dann kommt die Fahrzeugsicherung. Es muss mit Keilen an den Rädern und Unterbauklötzen stabilisiert werden, damit es während der Bergungsarbeiten nicht wegrollt oder abrutscht. So früh wie möglich kümmert sich der sogenannte Medic um den Patienten und überwacht ihn medizinisch. „In unserem Team ist das ein Medizinstudent, der auch bei der Feuerwehr ist“, ergänzt Philipp. Um den Patienten zu versorgen, muss oft eine Versorgungs- und Zugangsöffnung geschaffen werden, zur Rettung des Patienten eine große Befreiungsöffnung. Der letzte Schritt ist die eigentliche Bergung.

Ausführliche Nachbesprechung

„Meine Aufgabe war die Koordination der technischen Rettung. Während der Übung informieren wir uns ständig gegenseitig, was wir gerade machen. Inzwischen sind wir ein perfekt eingespieltes Team und können uns voll aufeinander verlassen“, schildert der Feuerwehrmann. Die Übungen haben sie immer ausführlich nachbesprochen, um es das nächste Mal möglichst noch besser zu machen, auch das sicher ein Grund für ihr tolles Abschneiden.

Ein zweiter Einsatz war ein Szenario, wo sie nur zehn Minuten Zeit zur Rettung hatten, weil sich der Zustand des „Patienten“ schnell verschlechtert hat und lebensbedrohlich wurde. „Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass ich durch das viele Training für solche Einsätze optimal vorbereitet bin“, so der junge Lebensretter, der später auch beruflich Führungsaufgaben bei einer Feuerwehr übernehmen will.

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