Winterforum Leben mit allen Höhen und Tiefen als Gabe verstehen

Prof. Wilfried Härle zeigt beim Winterforum den „Kleinen Katechismus“, den Luther 1529 geschrieben hat.
Prof. Wilfried Härle zeigt beim Winterforum den „Kleinen Katechismus“, den Luther 1529 geschrieben hat. © Foto: Ute Schäfer
Ilshofen / Ute Schäfer 13.02.2018

Die Themen des Winterforums sind breit gefächert und lassen weit über den Tellerrand blicken. Dies wurde besonders beim jüngsten Vortrag deutlich mit dem Titel „Wovon wir leben“.

„Der Mensch lebt nicht von Brot allein“, sagte der Referent, Dr. Wilfried Härle, emeritierter Theologieprofessor aus Heidelberg, denn das Bibelwort (5. Mose 8,3) geht bei Luther so weiter: „...sondern von allem, das aus dem Mund des Herrn geht“, womit Gottes Wort gemeint ist. Deshalb bezieht sich Professor Härle nicht auf schnöden Hunger und Durst, sondern vielmehr auf das, was das Leben ausmacht.

Auf den Sinn des Lebens also, ohne den, wenn man so will, das Abendvesper auf Dauer nicht bekommt. Dazu hat Härle ein Buch geschrieben. „Worauf es ankommt“ heißt es und ist ein Katechismus für Erwachsene, also ein Handbuch zu Glaubensfragen. Es ist nicht das erste seiner Art. Seit dem Mittelalter hat es unzählige gegeben. Denn weil sich die Gesellschaft und die theologische Herangehensweise an die Fragen aller Fragen immer wieder ändern, können auch die Glaubensfragen und -antworten immer wieder neu formuliert werden.

Professor Härle leitet den Leser mit diesen Glaubensfragen durch sein Werk – 174 sind es insgesamt. Die erste lautet: „Worauf kommt es im Leben an?“ Die Antwort: „Es kommt darauf an, unser Leben mit all seinen Höhen und Tiefen als Gabe zu verstehen und anzunehmen.“ – „Ich rede hier bewusst nicht von Geschenk“, sagt Härle. „Denn das Leben ist nicht für jeden ein Geschenk.“ Für manche sei es eine Last und kaum zu meistern, „aber gegeben ist es“. Deshalb schließt sich die nächste Frage gleich an: „Wieso als Gabe?“ Antwort: „Niemand hat sich sein Leben selbst gegeben. Wir alle haben unser Leben ungefragt erhalten.“ Erhalten von Gott, natürlich, der jeden einzelnen Menschen gewollt hat. Dies gibt jedem einzelnen die Daseinsberechtigung, seine Menschenwürde also, die unantastbar ist.

Im Gemeindesaal in Eckartshausen lauschten die vielen Zuhörer gebannt, diskutierten hinterher rege und bedauerten, dass der Härle‘sche Katechismus erst im April erscheint.

„Landwirtschaft heute“ ist das Thema

„Landwirtschaft heute“ lautet das Thema des ökumenischen Winterforums. Beim ersten Abend ging es um „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“. Beim zweiten Abend lautete das Thema „Wovon wir leben“, und am letzten Abend, am 21. Februar, 20 Uhr, im Gemeindehaus Obersteinach, diskutieren junge Landwirte über „Was uns motiviert“.

Das ökumenische Winterforum wird organisiert von den Kirchengemeinden der Ilshofener Ebene, vom katholischen Landvolk Hall und vom evangelischen Bauernwerk Hohebuch. uts