Dumme Fehler, ja Deppenfehler passieren, sagt der Erfinder des Lauf-geht’s-Konzeptes, Wolfgang Grandjean, bei seinem Motivationsvortrag in Wolpertshausen. Er sagt das ziemlich unbefangen, ganz ohne Angst, Gefühle zu verletzen. Denn er selbst, zählt er auf, habe jeden einzelnen dieser Fehler gemacht und nun die Hoffnung, andere davor zu bewahren.

Bevor er aber einsteigt in die Sportwissenschaft, outet er sich als Genießer. Dass nicht nur im Glas Rotwein, sondern auch in Gurken, Zucchini und rotem Traubensaft das Spurenelement Bor enthalten ist, dem schmerzsenkende Eigenschaften nachgesagt werden, könne er sich nicht merken, behauptet er: Allein bei Bordeaux(-Wein) sei er sich des Gleichklangs wegen sicher.

Nicht ungenießbar werden

Immer wieder bringt Grandjean die angehenden Halbmarathon-­Bezwinger zum Lachen. Ernst ist es ihm mit seinem Aufruf: „Seid keine Spaßbremsen!“ Bei aller Bestätigung der von Ernährungswissenschaftler Dr. Wolfgang Feil im ersten Vortrag vorgestellten und am Montag wiederholten Ernährungsregeln in Sachen Kohlen­hydrate, Eiweiß, „fettschlauer“ Wahl oder Ingwer setzte sein Partner Wolfgang Grandjean doch andere Schwerpunkte. Wer eingeladen sei, solle freudig mitessen, es dann eben am Tag danach langsamer angehen lassen. Denn wer nicht genieße, werde ungenießbar.

Lauf geht’s Das Gesundheitskonzept von Lauf geht’s 2019 wird vorgestellt.

„Von einem, der auszog, das Laufen zu lieben“, berichtete Grandjean, und sein gesamter Vortrag war darauf ausgerichtet, Lust zu machen aufs Laufen, Mut, anstehende Herausforderungen anzugehen und Gelassenheit, mit Rückschlägen umzugehen. In seiner eigenen Läuferkarriere hat er wohl gleich zu Anfang drei Wochen nicht trainiert, dann „drei Tage wie ein Depp“, mit der Folge, dass ihn eine Sportverletzung außer Gefecht gesetzt hat. Zu viel zu trainieren sei so schlecht wie nicht zu trainieren. Die Folgen seien nämlich gravierend:

  • Jede Erkältung wird mitgenommen.
  • Anfälligkeit für Infekte und Verletzungen
  • (Trainings-)Lustlosigkeit bis Depression
  • Man fühlt sich chronisch müde.
  • Hoher Ausgangspuls – der freilich auch von der Feier am Vorabend herrühren kann.

Organe im Beschwerdemodus

Ältere Otto-Fans kennen den Song vom menschlichen Körper: „Großhirn an Kleinhirn“. In einer ganz passablen Imitation spielte der Referent die Trainingssituation nach – „Muskel an Großhirn“ –, um das Ganze dann in den Fachjargon zu übersetzen. Von Superkompensation und überschießender Wiederherstellung ist die Rede, wenn der Körper lernt, auf die höhere Belastung zu reagieren. Der Leistungszuwachs funktioniert freilich nur, wenn die Regenerationszeit stimmt: „Nichtstun gehört zum Programm.“ Die längste Ruhezeit benötigen Bänder und Sehnen, und wer sich nicht an diesem schwächsten Glied der Kette orientiert, büßt das langfristig.

In sechs Monaten zum Halbmarathon Lauf geht’s: So werden die Trainer trainiert

Grandjean nutzt durchweg Methoden aus dem Profisport: Im Wesentlichen ging er auf den – erstaunlich niedrigen – Trainingspuls bei den langen Ausdauerläufen ein und darauf, wie er zu bestimmen ist. Zudem auf die „von allen gehassten“ Tabata-Einheiten, die in kürzester Zeit den Puls hochjagen. Mit dieser Kombination werde nach derzeitigem Erkenntnisstand der beste Trainingseffekt erzielt. Mobilisations- und Stabilisationseinheiten sollen helfen, Verletzungen zu vermeiden: Sie ließen sich ohne Weiteres als Routine-Übung in den Alltag integrieren.

Seitenstechen und PECH

Bei Seitenstechen aufhören zu laufen, vorbeugen, Zwerchfell massieren: Alles andere sei „dumm“. Bewährt habe sich die PECH-Strategie bei Verletzungen – Pausieren, Eis, Compression und Hochlegen – auch das dürfte bei vielen im Publikum hängen bleiben. Dass sich das Laufen auch mal durch Schwimmen oder Radfahren ersetzen lässt, dass Krankheiten oder Urlaubspausen im Konzept angelegt sind und was das sogenannte Lauf-ABC bewirkt, war an diesem Abend ebenso Thema wie Tipps für die Faszien, die „Marathonschnürung“ der Schuhe, Tabata-Apps, läufergerechte Musik, Kompressionsstrümpfe und jede Menge anderer Alltagsfragen, die nach dem Vortrag auch in persönlichen Gesprächen geklärt wurden.

Wolfgang Grandjeans Abschiedswunsch, „von ganzem Herzen“, für die Lauf-geht’s-Teilnehmer: high zu sein vom sagenhaften Runner’s High, dem Glücksgefühl der Läufer. Das Laufen lieben zu lernen, so seine Botschaft, ist gar nicht so schwer.

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Große Fortschritte in den ersten vier Wochen


„Einige Kilometer in den Beinen“ haben die 316 Teilnehmer, die Anfang April angetreten sind, um im September einen Halbmarathon zu laufen – das sagte Peer Ley, Lesermarkt- und Marketingleiter der Südwest Presse Hohenlohe (SHO) und blickte zurück auf die ersten Wochen, in denen fast 20 Prozent des Programms gestemmt wurden.

Ley sprach von „Regen, Schnee und Hagel“ bei der Haller Premiere und von einem Crailsheimer Abend, der nicht wesentlich besser war. Davon, dass die Einsteigergruppe „Latte macchiato“ mittlerweile in Fünf-Minuten-Abschnitten eine halbe Stunde gelaufen ist, die Cappuccino-Gruppe zum ersten Mal eine ganze Stunde. Fast immer seien alle anwesend und hoch motiviert, und den Rückmeldungen zufolge sei die Stimmung bestens. bt