Halbzeit. Seit 13 Wochen bereits laufen nun die Teilnehmer von Lauf geht’s und trainieren, um Ende September in Ulm am Wettkampf teilzunehmen. Der Halbmarathon ist für die meisten das Ziel, ein Teil visiert die Zehn-Kilometer-Strecke an. War der Auftakt von Regen, Schnee und Hagel begleitet, stöhnen in diesen Wochen die Läufer unter der Hitze. Doch es macht Spaß. Auf dem Papier gibt es drei Gruppen: Latte Macchiato (Anfänger, die seit Jahrzehnten sportlich nichts gemacht haben), Cappuccino (Gelegenheitsläufer und sportliche Laufanfänger) und Espresso (die Sportskanonen).

Tatsächlich gehen die Gruppen teilweise ineinander über, denn die Leistungsunterschiede sind sehr groß. Einige haben inzwischen bereits eine Abteilung „Schokolade“ aufgemacht: Wem die Anforderungen der Macchia­to-­Gruppe zu hoch sind, macht einfach noch langsamer. Die Steigerungen von Woche zu Woche haben es in sich. Zu Beginn standen bei der Macchiato-Gruppe 40 Minuten Walken auf dem Programm, bei der Cappuccino-­Gruppe zwei Mal zehn Minuten Joggen und bei der Espresso-­Gruppe 45 Minuten Joggen. Am heutigen Mittwoch nun joggt die Macchiato-Gruppe bereits 50 Minuten und die Cappuccino- wie auch die Espresso-Gruppen sollen 90 Minuten laufen. Wegen der für heute angesagten Hitze ist geboten, Getränke mitzunehmen. Wer das Training am Abend ausfallen lässt, sollte den langen Lauf selbst absolvieren – vielleicht die Kühle am Morgen nutzen.

Schon fit für den Wettkampf

Wie geht es den Läufern? Vergangenen Mittwoch ist Andrea Malich (60) mal wieder dabei. Mal wieder – denn oft hatte sie zuletzt keine Zeit, am Mittwochstraining teilzunehmen. „Zu wissen, die anderen laufen jetzt“, motiviere sie, von sich aus zu dem Zeitpunkt zu laufen, an dem es für sie passt.

Die Sozialarbeiterin spielt Tennis und läuft schon lange. Das merkt man ihr an. Sie ist bei den Schnellen in der mittleren Leistungsgruppe. Lange sei sie mit einer Freundin gelaufen, „doch zuletzt hatte ich keinen Spaß mehr daran“. Der Grund: Ihre Laufpartnerin war sehr fit. „Ich bin immer gehechelt und habe mich überfordert. Hier habe ich gelernt, in meiner Geschwindigkeit zu laufen.“ Besonders habe sie von den Tempoläufen und dem Tabata-Training profitiert. Dank diesem Training laufe sie nun deutlich schneller und auch ausdauernder. „Das ständige Sich-Steigern hilft. Das hätte ich von mir aus nicht gemacht – auch weil ich’s nicht gewusst habe, wie das geht. Sonst bin ich immer eine Stunde gelaufen, jetzt könnte ich gut zwei Stunden durchhalten.“ Bei dem Tempo, das Andrea Malich vorlegt, kann sie also jetzt schon einen Halbmarathon (21,1 Kilometer) absolvieren.

Mit 73 Jahren gehört Gunter König zu den älteren Teilnehmern der Haller Laufgruppe. Was auffällt: Wo er unterwegs ist, sind die Leute am Lachen. „Das ist meine alte Methode“, erklärt der Psychologe, „lachend locker laufen – lalola.“ Indem er mit den anderen scherzt, falle es ihm und auch den anderen leichter, durchzuhalten. „Ich sehe Fortschritte, auch wenn ich mal eine ganze Woche nicht gelaufen bin. Ich merke, dass ich trotzdem beschwingt und beschleunigt laufen kann.“ König nimmt sich die Freiheit, die Lauf-geht’s-Initiator Wolfgang Grandjean stets empfiehlt: „Ich laufe, so weit ich kann. Nicht abquälen, sondern laufen, solange es Freude macht.“

Keine Medikamente mehr nötig

Anlass, bei Lauf geht’s mitzumachen, war für König die Erfahrung, dass er mit regelmäßigem Ausdauersport seinen Bluthochdruck selbst so weit senken kann, dass er keine Medikamente nehmen muss. Das hatte König schon vor einem Jahr erlebt. Doch die Selbstdisziplin hatte nach einer Weile nachgelassen. „Dank des Lauf-geht’s-Angebots nötige ich mich, regelmäßig zu laufen. Und das Schöne daran: Meine Frau hat sich auch entschieden, mitzumachen.“ Königs Blutdruck-Werte sind mittlerweile ohne Medikamente wieder im Normalbereich. Was er bedauert: Beim Gewicht hat sich das Training bislang nicht ausgewirkt.

„Reiten, klettern.“ Das sind Sportarten, die Leonie Moschinsky (27) ausübt. Seit April nun auch Joggen. „Ich wollte sowieso mit Laufen anfangen – in der Gruppe geht es besser.“ Die Studentin läuft in der mittleren Leistungsgruppe. „Das Tempo war am Anfang zu schnell. Eigentlich immer noch“, berichtet sie. Noch übt sie, unbeeindruckt von den anderen, den schnelleren Läufern, in langsamem Tempo zu traben. Was sie bei der Stange hält: „Es macht Spaß. Es ist total cool. Auch der Sonntagslauf. Oder das Tabata-Training. Auch wenn das manchmal hart ist.“

Zum Sonntagslauf haben sich Leonie Moschinsky und andere Läufer verabredet. Sonntags, 8 Uhr, treffen sie sich am Einkorn. Leo, wie sie in der Gruppe genannt wird, hat Ausdauer. Schon vor einigen Wochen, als ein so langer Lauf noch nicht auf dem Plan stand, joggte sie 80 Minuten. Deshalb kann sie zuversichtlich sein: „Den Halbmarathon schaffe ich.“

Sechs Kilos sind nun weg

Und scheinbar ganz nebenbei hat Leonie Moschinsky sechs Kilos abgenommen. Dank des Trainings und der konsequenten Umsetzung der Ernährungstipps: keine Zwischenmahlzeiten, nur zwei Mahlzeiten am Tag. Statt kohlenhydratreichen Lebensmitteln kommen Gemüse und Salate auf den Tisch sowie eiweißreiche Gerichte, dazu stoffwechselaktivierende Gewürze. Sie bekennt: „Das fällt mir immer noch schwer. Ich liebe Nudeln.“ „Für mich hat sich die Teilnahme auf jeden Fall gelohnt“, lautet Moschinskys Fazit. Auch Head-Trainer Erich Quenzer (64) macht die Sache Freude. „Ich gehe mittwochs gerne hierher. Die Leute sind motiviert. Die Teilnehmer haben einen guten Einsatz.“

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