Hohenlohe R.Stahl: langsam wieder im Aufwind

Nach lang anhaltender Krise legt der Konzern mit Hauptsitz in Waldenburg wieder leicht zu – die umfangreiche Restrukturierung steht aber erst am Anfang.
Nach lang anhaltender Krise legt der Konzern mit Hauptsitz in Waldenburg wieder leicht zu – die umfangreiche Restrukturierung steht aber erst am Anfang. © Foto: Foto: R. Stahl
Hohenlohe / flu/pm 10.08.2018
70,5 Millionen Euro Umsatz hat Explosionsschützer R. Stahl in den vergangenen drei Monaten erwirtschaftet – 5,6 Prozent mehr als vor einem Jahr. Auch das Effizienzprogramm „R. Stahl 2020“ zeigt erste Erfolge.

Zahlreiche Negativschlagzeilen hatte R. Stahl in den letzten Monaten und Jahren gemacht: Erst brach die Nachfrage aus der Öl- und Gasbranche ein und brachte den Explosionsschutzexperten in Bedrängnis. Dann trennte sich der Aufsichtsrat Ende letzten Jahres von Vorstandschef Martin Schomaker; im Februar nahm Finanzvorstand Bernd Marx überraschend seinen Hut. Und im März wurde bekannt, dass die Waldenburger einen zusätzlichen Verlust von elf Millionen Euro für 2017 in Kauf nehmen müssen, da die Verlustvorträge neu bewertet wurden – insgesamt machte R. Stahl 21,2 Millionen Euro Verlust.

Moderate Steigerung

Keine guten Vorzeichen für die gestrige Bekanntgabe der Ergebnisse des zweiten Jahresquartals. Doch hatte schon das erste Quartal mit einer Umsatzsteigerung von 0,4 Prozent und einem von 4 auf 2,3 Millionen gesunkenen Verlust wieder Hoffnung gemacht, verkündete der neue Finanzvorstand Volker Walprecht gestern: „Die Entwicklung in 2018 ist auf dem richtigen Weg.“ Mit dem seit Jahresanfang umgesetztem Effizienzprogramm „R. Stahl 2020“ zur weltweiten Neuausrichtung des Konzerns liege R. Stahl größtenteils im Plan. Eine globale Organisation mit einheitlichen Prozessen als Teil des Programms sei Anfang April implementiert worden. Und nicht zuletzt: „Die neue Führungsmannschaft wurde mit meiner Berufung komplettiert.“

Die Zahlen des nach eigenen Angaben führenden Anbieters von Produkten und Systemen für den Explosionsschutz steigen langsam wieder an: So hat R. Stahl im abgelaufenen Quartal einen Umsatz von 70,5 Millionen Euro erzielt, 5,6 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Jedoch verlief die Entwicklung in den verschiedenen Regionen recht uneinheitlich. Ein großer Umsatztreiber ist der deutsche Markt: Hier legte das Unternehmen um fast 37 Prozent auf 19 Millionen Euro zu. „Hierzu trugen vor allem wesentliche Fertigstellungen und Auslieferungen zu einem Großauftrag über Schaltschränke für einen petrochemischen Anlagenkomplex in Osteuropa bei“, schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Der Umsatz in der sogenannten Zentralregion – Afrika und Europa ohne Deutschland – ging dagegen leicht um 2,3 Prozent auf 29,5 Millionen Euro zurück. Besser lief das Geschäft in Amerika: Hier steigerte R. Stahl den Umsatz im Vorjahresvergleich um sechs Prozent auf fast acht Millionen Euro. „Das ist unser erster Zuwachs nach elf Quartalen mit abnehmenden Umsätzen“, berichtete Walprecht. Neben einer Erholung des Öl- und Gasmarkts sei der Umschwung vor allem auf Restrukturierungsmaßnahmen am US-amerikanischen Standort in Houston zurückzuführen. Dieser habe seit kurzer Zeit ein neues Management mit einem bereits sehr erfahrenen Mann an der Spitze. Nicht zufrieden zeigte sich Walprecht dagegen mit der Entwicklung auf dem asiatischen Markt: Dort ging der Umsatz gegenüber dem Vorjahresquartal um 7,5 Prozent auf gut 14 Millionen Euro zurück. Doch auch hier sei ein neuer, sehr erfahrener Manager gefunden worden und ein Aufschwung mittelfristig zu erwarten.

Der Auftragseingang von über 67 Millionen Euro fällt zwar deutlich niedriger aus als im Vorjahresquartal (76 Millionen Euro), liegt aber fast auf dem Niveau der ersten drei Monate des Jahres (68 Millionen Euro) und wird vom Unternehmen als stabil eingeschätzt. Der Auftragsbestand liegt leicht unter dem Wert vom 31. März (92,5 Millionen Euro), ist mit über 89 Millionen Euro aber weiterhin hoch.

Die Gesamtleistung hat ­
R. Stahl im zweiten Quartal um 3,4 Prozent auf fast 70 Millionen Euro gesteigert. Mit 35,6 Prozent blieb die Materialaufwandsquote nahezu auf Vorjahresniveau, während der Personalaufwand deutlich um über vier Prozent auf 30 Millionen Euro zurückging. Hier macht sich bemerkbar, dass R. Stahl die Mitarbeiterzahl gegenüber Ende Juni 2017 von 1775 auf 1722 Personen verringert hat.

Optimistische Prognose

Unter dem Strich steht trotzdem noch ein Nachsteuerverlust von fast 1,5 Millionen Euro. Nur wenn das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) berücksichtigt wird, ergibt sich ein  Gewinn von 4,2 Millionen Euro. R. Stahl will das EBITDA künftig stärker betonen, da es die Ertragskraft stärker verdeutliche.

 „Der in den ersten sechs Monaten des Jahres 2018 im Vorjahresvergleich leicht gestiegene Umsatz bestätigt die von uns erwartete Erholung im Markt für Explosionsschutzprodukte“, resümiert das Unternehmen. Auch zeige das Effizienz­programm „R. Stahl 2020“ erste Erfolge. Und so fällt die Prognose für den Rest des Jahres optimistisch aus: R. Stahl rechnet für 2018 mit einem „Anstieg des EBITDA vor Sondereinflüssen im hohen zweistelligen Prozentbereich und damit in der oberen Hälfte unseres bisherigen Prognosekorridors“.

40

Prozent der Aufträge bekommt
R. Stahl von seinen Kunden im Gassektor. 30 Prozent macht die Chemiebranche aus, ebenfalls 30 Prozent die Pharmabranche.

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