Vertraute Musik wirkt auf Menschen, die ihrer Heimat fern sind, umso intensiver. In den Dolan Barracks wollte man die Soldaten unterhalten,  Heimweh lindern oder Patriotismus nähren, indem man ihnen Musiker aus der Heimat präsentierte. Im NCO-Club (der Name bedeutet non-commissioned officers club, also Unteroffiziersklub) auf dem Gelände der Dolan Barracks machten die Wilburn Brothers 1973 den Auftakt. Ein Deutscher, der davon erfuhr, war Hauke Strübing.

Schwäbisch Hall

Seine Liebe zur Countrymusik hält zu diesem Zeitpunkt schon gut zwanzig Jahre lang an. Angefangen hat sie, als er 15 Jahre alt war. Damals lebte er in Gießen. Im Nachbarhaus, dort wohnte eine amerikanische Familie, dröhnte immer wieder und wieder dieses Lied: „Bimbo, Bimbo, where you gonna go“. Über dieses ihn beeindruckende Lied fand er zum Radiosender AFN (American Forces Network, der „Soldatensender“) und las dort im Programm „Grand Ole Opry“. Weil er dank seiner Großmutter ein – wenn auch noch jung an Jahren – großer Opernfan war, vermutete er hinter diesem Titel etwas mit Oper und hörte rein.

Musik haut voll rein

Klassische Musik wurde dort allerdings nicht gespielt, stattdessen Countrymusik. Und die schlug bei dem Teenager voll ein. Er hörte Namen, die der 80-Jährige heute noch der Reihe nach aufsagen kann. Terry Fell, Hank Locklin, Hank Snow und Anita Carter. Und so weiter und so weiter. Der Mann, der in einem Hochhaus im Hagenbacher Ring wohnt, wirft mit Namen, Daten, Hintergründen nur so um sich. Sein kleines Büro hat Einbauschränke mit unzähligen Platten und CDs.

Umzugshelfer für die US-Army in Hall Dolan Barracks: Backofen als Zusatzheizung

Schwäbisch Hall

Über all die Jahre beschäftigte sich der geborene Glücksburger mit der US-Musik. Er begann, Radiosendungen zu moderieren. In all den Jahren kommt er auf 850 Sendungen auf verschiedenen Kanälen. Um seine Countrymusik-Liebe zu nähren, ging er mit seiner Frau Monika zum Squaredance, der zu Beginn der 70er-Jahre im NCO-Club angeboten wurde. „Während unsere Kinder im Club herumtobten, versuchten wir uns an den Figuren. Caller war ein US-GI, der uns in die Geheimnisse des Squaredance einführte: kein Alkohol, die Arme bedeckt und immer sittsam sein“, schreibt Strübing in seinen Aufzeichnungen.

Und eben dort erfuhr er einige Jahre später vom Auftritt der Wilburn Brothers am 16. September 1973. „Das war für mich so ähnlich wie Weihnachten und Neujahr an einem Tag mit Brunch am Ostersonntag.“ Das brüderliche Gesangsduo habe damals zu den Topstars der Countrymusik gezählt. Über das Konzert schrieb der Beamte, der bei der Telekom in der Presseabteilung arbeitete, in einem Bericht für die Zeitschrift „Country Corner“: „Knappe 60 Minuten dauerte der Zauber, dann war er vorbei. Was bleibt, ist das Erlebnis, die durch die Wilburn Brothers personifizierte Vergangenheit gesehen und gehört zu haben.“

Eintritt mit Gesichtskontrolle

Für die Haller allerdings blieb der NCO-Club damals noch geschlossen. Erst 1975, zum Konzert von Del Reeves & His Good Time Charlies, hatte auch das deutsche Publikum Zutritt. In der Ankündigung im Haller Tagblatt vom 11. Juni 1975 stehen die Eintrittspreise in Dollar und Deutscher Mark – 5 Dollar oder 12 DM. Um auf das Gelände zu kommen, musste am Eingang der Ausweis hinterlegt werden und es gab eine Gesichtskontrolle, berichtet Strübing.

Wer, und wie viele im Publikum waren, ob auch viele Haller dort waren, auch Frauen oder vorwiegend Soldaten, daran erinnert sich der Musikfan kaum noch. Für ihn gab es nur seine Idole auf der Bühne. Und die Musik, die ihn durch ihren Melodienreichtum so dermaßen beeindruckt. Bei jedem der sieben Konzerte, die es in den vier Jahren in den Dolan Barracks gab, nahm Strübing Kontakt zu den Musikern auf. Manchmal hatte der Musiksammler auch alte Platten dabei, über die sich die Künstler freuten und wunderten.

Schwäbisch Hall

NCO-Clubs gab es in allen amerikanischen Kasernen, so Strübing. Die regionale Verwaltung habe ihren Sitz in Stuttgart gehabt, lokal wurde der Betrieb von angestellten Offizieren gemanagt. Ab Herbst 1979 brachte ein neuer Manager Schwung in den NCO-Club, der in „Community Club“  umbenannt wurde. Mit einem attraktiven Programm wollte William Paul Smith vor allem die Kontakte zwischen Deutschen und Amerikanern fördern.

Mit dem Ende der Dolan Barracks brach dann der Vor-Ort-Kontakt zu den Country-Stars für Hauke Strübing ab. Statt der gebotenen Heimspiele ging er nun auf Reisen. 29 Mal war er in Amerika – immer auf den Spuren von Elvis, Johnny Cash, Hank Williams und wie sie alle heißen.

Info Diese und viele weitere Geschichten sind Teil des 68-seitigen Magazins „Dolan Barracks – vor 25 Jahren zogen die Amerikaner aus Schwäbisch Hall ab“. Mittlerweile ist eine zweite Auflage erschienen, die in den Shops der Zeitung in Hall und Gaildorf erhältlich ist.