Kriminalität Schüsse auf Traktoren in Großaltdorf

Ein Einschussloch am Tank zeugt von dem ersten Vorfall.
Ein Einschussloch am Tank zeugt von dem ersten Vorfall. © Foto: privat
Großaltdorf / Sigrid Bauer 13.07.2018
Schüsse auf einen fahrenden Traktor? In Großaltdorf gab es das im November 2017 und im April/Mai 2018.

„Ich war damals auf dem Traktor unterwegs zu meinem Acker, als ich in der Mitte des Dorfes einen lauten Knall hörte und mir erst nichts dabei dachte. Später beim Tanken stellte ich eine undichte Stelle am Dieseltank fest, dachte dabei aber nicht an einen Einschuss“, berichtet der Landwirt von dem Vorfall im November 2017. Abends hat er mit einem Bekannten den Tank genauer angeschaut und auf der Seite gegenüber des Lochs eine Beule entdeckt. Er verständigte die Polizei, weil er einen Zusammenhang mit dem Knall vermutete. In Absprache mit der Polizei ließ er den Tank ausbauen und fand ein Projektil.

Bei dem Gedanken, die Kugel hätte ihn oder seine kleine Tochter, die ebenfalls auf dem Traktor saß, treffen können, erschrickt der Landwirt immer noch. Erstaunt war er, als die Haller Polizei nichts weiter unternahm. „Sie sagten, sie seien nicht mehr zuständig, sondern die Polizei in Bühlertann“, erinnert er sich. Aber von dort hat sich zunächst keiner gemeldet. Erst als er aktiv wurde, sei der Fall weiter bearbeitet worden, berichtet er. Informationen zum Stand der Ermittlungen bekam er bisher keine. „Da tut sich nichts bei der Polizei. Ich fühle mich nicht ernst genommen. Ein Schuss auf ein fahrendes Fahrzeug ist doch keine Bagatelle“, schimpft er.

Der zweite Fall ereignete sich am 30. April 2018 an gleicher Stelle, als dort in der Dorfmitte gerade der Maibaum aufgestellt wurde. „Mein Vater fuhr mit dem Traktor, als es plötzlich knallte. Daheim hat er vorn rechts einen Platten entdeckt“, berichtet ein anderer Landwirt aus Großaltdorf. Erst abends im Gespräch mit dem befreundeten Berufskollegen aus dem ersten Fall seien sie auf einen Schuss als Knallursache gekommen. Tatsächlich fand die Polizei ein Kleinkaliberprojektil im Reifen. Am 2. Mai sei wieder auf den Traktor seines Vaters geschossen worden. Der Schuss hinterließ am Achstrichter eine Prellmarke. Ein Projektil fand man nicht. „Da hätte nicht viel gefehlt und mein Vater wäre getroffen worden. Oder der Querschläger hätte einen der Jugendlichen beim Maibaum erwischt“, meint der Landwirt. Die Polizei wollte nichts unternehmen. Erst als er den Verdacht äußerte, wer der Übeltäter sei, habe sie den Mann aufgesucht. Er frage sich außerdem, warum dort keine Hausdurchsuchung stattfand.

Holger Bienert von der Presseabteilung des Polizeipräsidiums schildert die Situation auf Anfrage dieser Zeitung so: Der Tatverdächtige habe eingeräumt, ein Gewehr und Munition zu besitzen, und beides freiwillig herausgegeben. Ohne belastbare Anhaltspunkte, dass der Mann noch weitere Schusswaffen besitzt, habe keine rechtliche Möglichkeit zur Hausdurchsuchung bestanden. „Die sichergestellte Waffe wurde samt Munition zur Untersuchung an das Landeskriminalamt geschickt. Das Ergebnis steht noch aus“, führt er weiter aus.

Der Landwirt findet, die Polizei hätte schneller reagieren müssen. „Vielleicht hätte sie dann Schmauchspuren festgestellt“, meint er. Auch er fühlt sich von der Polizei nicht ernst genommen.

Die Polizei widerspricht

Bienert widerspricht dem Vorwurf. Er schreibt: „Die Polizei trifft ihre Maßnahmen nach Recht und Gesetz. In den dargestellten Fällen wurden diejenigen Maßnahmen getroffen, die rechtlich möglich und für die Ermittlungen notwendig waren.“

Großaltdorfs Ortsvorsteherin Andrea Binder hat Verständnis für den Unmut der beiden Landwirte. Sie habe ähnliche Erfahrungen mit der Polizei gemacht. In ihrem Betrieb im Talheimer Gewerbegebiet sei mehrfach eingebrochen worden. Als die Polizei einmal kurz darauf einen Verdächtigen gefasst hat, habe sie den Mann als Beteiligten erkannt. „Aber der Beamte meinte, er kann meine Aussage nicht werten, das würde sich mein Gehirn so zurechtlegen“, berichtet Binder. Selbst als die Polizisten Einbruchswerkzeug in seinem Rucksack finden, glauben sie ihm, dass er zu seiner Oma in Hessental unterwegs war, um etwas zu reparieren. „Nachts um halb zehn!“, entrüstet sie sich und berichtet über einen weiteren Diebstahl, den sie der Polizei gemeldet hat. „Da gab es sogar einen Fußabdruck, aber das interessierte die Polizei nicht“, ärgert sie sich.

Keine Erwähnung in der Kriminalstatistik

Im Gemeinderat stellte Ute Zoll die polizeiliche Kriminalstatistik 2017 für Vellberg vor. Der Haller Revierleiter Thomas Heiner erwähnt darin die Schussvorfälle in Großaltdorf nicht. Laut Zoll habe sie von ihm die Auskunft bekommen, man arbeite mit Nachdruck an den Fällen. siba

Schüsse aus CO2-Waffen konnten aufgeklärt werden

Erst im April ist es im Bühlertal zu Sachbeschädigungen durch CO2-Waffen gekommen. Die Gemeinde Obersontheim, wo die meisten Vorfälle zu verzeichnen waren, hatte sogar  2000 Euro für Hinweise ausgesetzt. In Bühlertann und auf der L 1060 wurde auch geschossen. Die Polizei konnte nach Hinweisen aus der Bevölkerung zwei junge Männer als Tatverdächtige ermitteln. Insgesamt ist ein Schaden in Höhe von rund 25 000 Euro entstanden. Unter anderem hatten die Schützen auf fahrende Busse, Bushaltestellen und Privatgebäude geschossen. Menschen sind nicht zu Schaden gekommen. noa

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