Schwäbisch Hall Landschaft in Musik getaucht

Vorne spielen die Saloniker Musikstücke, die vom Wasser handeln, hinten zieht ein später Schwimmer seine Bahn.
Vorne spielen die Saloniker Musikstücke, die vom Wasser handeln, hinten zieht ein später Schwimmer seine Bahn. © Foto: Ufuk Arslan
SONJA ALEXA SCHMITZ 23.07.2014
Patrick Siben ist mit seinen Stuttgarter Salonikern zum zweiten Mal nach Hall gekommen um den Steg am Starkholzbacher See zur Bühne werden zu lassen. Rund 50 Menschen wollen das sehen und hören.

18.30 Uhr: Ein Ratespiel: Wer ist wer? Menschen mit Bikini und Sektglas. Badegast oder Konzertbesucher? Noch ist alles möglich. 18.45 Uhr: Einige Badegäste gehen heim. 18.52 Uhr: Die erste Reihe, gleich am Seeufer, ist besetzt. Auf Stühlen und Decken sitzen Menschen mit erwartungsvollem Blick zum Steg. Dort stehen Stühle, Pauken, ein Klavier, wie stehen gelassen an einem falschen Ort. 18.55 Uhr: Der Korken einer Sektflasche ploppt auf. Menschen holen Salate und Brezeln aus ihren Picknickkörben. 19 Uhr: Zwei Männer mit schwarzer Hose und weißem Hemd tragen Musikinstrumente zum Steg. Die Klarinettistin in schwarzem Top geht barfuß über die Wiese, getigerte Stöckelschuhe in der Hand. 19.10 Uhr: Der Bass streicht ein paar tiefe Töne. Das Zeichen für ein paar Schwimmer, aus dem Wasser zu kommen.

19.12 Uhr: Patrick Siben in Frack, schwarzer, beschmutzter Jeans und weißen Plastikschuhen geht über die Liegewiese. "Habet ihr Kärtle?" Wer zuhören möchte, muss 30 Euro bezahlen, wer nicht, soll bitte sein Handtuch auf einem anderen Teil der Wiese ausrollen. 19.14 Uhr: Drei Jungs machen einen Köpper vom Steg. Wer jetzt badet, hat Publikum. 19.30 Uhr: Zackig geht es los. "Funiculì, Funiculà". Ein bisschen Italien am Starki. 19.38 Uhr: Von vorne kommen nun Emile Waldteufels "Strandidyllen", von hinten der Duft von Grillwürstle. 19.45 Uhr: Die Musik solle Elfen und Feen, Nymphen und Faune hervorlocken, hieß es in der Ankündigung. Immer wieder tauchen planschende Kinderköpfe auf der Wasseroberfläche auf. Eines macht einen Spafeur, es hält ein Bein mit einer Hand hoch und dreht sich zur Musik. Sind das die kleinen Elfen? 19.58 Uhr: "Die Matrosen" von Flotow werden gespielt. Man könne sogar den Mief in den Kajüten riechen, kündigt Siben an.

20.01 Uhr: Ein kleines Mädchen läuft auf die Bühne, die vor kurzem noch Badesteg war. Die Mutter hinterher. 20.08 Uhr: "A bissel Venedig ist schon hier, oder? Venedig sehen und sterben, oder?", sagt Siben. "Neapel!", rufen Zuschauer. Es folgen venezianische Gondellieder. 20.20 Uhr: Pause. Siben hockt sich zu den Gästen. "Na ihr!", sagt er und bekommt hier Sekt, da Brie und Baguette. "Das ist einfach schön!", sagt ein Gast. Eine Frau murrt: Die Badegäste machen zu viel Lärm. Man könne sich nicht auf die Musik einlassen. 20.51 Uhr: Die Musiker starten mit der "Wassermusik" von "George Frederic Handel". Siben spaßt: "Whatermusic - what a music!" 21.15 Uhr: Die letzten Schwimmer steigen aus dem Wasser. Sie stehen am Rand und lauschen der Musik, die an diesem außergewöhnlich schönen Sommerabend weit über den See hallt.

Info Ein weiteres Open-Air-Konzert der Saloniker findet am Mittwoch, 30. Juli, im Kocherfreibad Künzelsau statt. Beginn ist um 19 Uhr.