"Ich war als junger Mann öfters in Griechenland mit dem Rucksack unterwegs - Inselhopping. Es ist ein wunderschönes Land - Natur und Kultur, da stimmt alles. Ich habe dort auch eine großartige und einzigartige Gastfreundschaft erlebt. Da wollte ich etwas zurückgeben", antwortet Gerhard Bauer auf die Frage nach der Motivation für sein Griechenland-Engagement.

Ein Dorn im Auge sind dem 55-Jährigen riesige Müllberge, wie beispielsweise auf der Insel Naxos. Der droht ins Mittelmeer zu stürzen. Andere Insel, ähnliches Problem: An den Stränden von Ikaria stinken Deponien, die gemäß EU-Recht sogar illegal seien. Es gibt keine passende Mühlgebühr, es fehlen Strategien zur Müllvermeidung, Mülltrennung und intelligenter Müllverwertung. Bauer bringt ein Beispiel: Während im Landkreis Hall rund 190.000 Einwohner 20000 Tonnen Restmüll pro Jahr produzieren, bringen auf Naxos 20.000 Menschen rund dieselbe Menge zusammen. Insgesamt erinnere die aktuelle Situation in Griechenland an die Zeit vor über 30 Jahren in Deutschland, als noch jede Gemeinde ihre eigene Mülldeponie hatte, bevor die Zuständigkeit an die Landkreise überging und zentralisiert wurde. Zudem hätten heute viele Griechen, wie damals viele Deutsche Angst vor giftigem Rauch aus Müllverbrennungsanlagen. "Was würde ein deutscher Landrat da tun?", lautet eine Frage an Gerhard Bauer. Der Landrat antwortet mit Blick nach vorne, indem er Wissenstransfer über Verwaltungsaufgaben und zu technischen Fragen in die Wege leitet, einen Austausch durch viele Praxisbeispiele bei einem Workshop in Hall befördert, ein Expertenteam zusammenstellt, das konkrete Lösungsvorschläge erarbeitet. Mit dabei: Werner Schmidt, zuständiger Dezernent für die Abfallwirtschaft am Landratsamt Hall; Eckhard Haubrich, der für den Landkreis Hall tätige Deponieexperte; Roland March, der für den Landkreis Hall tätige Entsorgungsexperte. Kontakte entstehen, ein Netzwerk wächst. Infos fließen, dass beispielsweise Deponierung von Restmüll viel umweltschädlicher als die kontrollierte Müllverbrennung sei, bei der keine Giftstoffe mehr entstünden.

Weitere Kooperationen ergeben sich

Was folgt, sind konkrete Vorschläge zur Sanierung und Sicherung der Deponien wie beispielsweise des instabilen Müllbergs auf Naxos und die Erarbeitung von Alternativen. Über 400 überzählige Mülltonnen des Landkreises Hall stehen bereit, die demnächst abgeholt werden, um auf Naxos mit der Trennung von Müll zu beginnen. Sechs von sieben Deponien auf der Insel seien bereits geschlossen worden. Doch wohin mit dem Müll? Zentraler Vorschlag: Restmüll in Kleinverbrennungsanlagen auf den Inseln verwerten, die heute dieselben Umweltstandards wie Großanlagen erfüllten. "Sie können nicht nur Müllmengen von 4000 bis 100000 Tonnen pro Jahr problemlos entsorgen. Diese Anlagen gewinnen zudem Strom durch Verbrennung, erzeugen Kälte oder Wärme oder entsalzen sogar Meerwasser - für Griechenland und seine Inseln geradezu ideal", so Bauer. Konkret passe das für Naxos - geschätzte Kosten für die Anlage: sechs bis sieben Millionen Euro - und etwas kleiner für Ikaria, wo es 6000 Tonnen Restmüll pro Jahr sind (vier bis fünf Millionen Euro).

Für die Finanzierung der Anlagen sei es wichtig, dass diese in den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung aufgenommen und gefördert werden (Efre). Gerhard Bauer will dafür in den nächsten Tagen Kontakt mit Verantwortlichen im Umwelt- und im Innenministerium in Athen aufnehmen und hat vor, sich noch im November vor Ort persönlich dafür zu stark zu machen.

"Ich wäre glücklich, wenn ich irgendwann zur Eröffnung der ersten kommunalen Kleinverbrennungsanlage auf Ikaria oder Naxos eingeladen werde. Ich bin zuversichtlich, dass es so kommen wird. Wenn es nicht gelingen sollte, dann habe ich wenigstens mein Bestes getan", sagt Gerhard Bauer. Sein Engagement hat sich mittlerweile herumgesprochen. "Sie sind doch der mit dem Müll?" wurde er schon öfters gefragt. Weitere Kooperationen mit Kommunen in Griechenland ergeben sich derzeit.

Seit über einem Jahr Engagement gegen das Müllproblem