Was für ein Fest! Von Freitag bis Sonntag überraschte das 52. Landestreffen der historischen Bürgerwehren und Stadtgarten aus Württemberg-Hohenzollern die Menschen in der Stadt immer wieder mit Erkenntnissen, wie viel Unterschiedliches in Schwäbisch Hall möglich ist und passt. Ob es das Streetball-Turnier am Freitagnachmittag war, bei dem der Haalplatz eine Frischzellenkur bekam und urplötzlich die Ausstrahlung eines jungen, urbanen Treffpunkts bekam.

Historie in Hall Landestreffen der Stadtgarden und Bürgewehren

Oder der Sonntagmorgen, als mit Trommelschlag und Musik die Uniformierten aus allen Richtungen zum Gottesdienst in St. Michael marschierten. Der Rhythmus und die Musik ließen die Stadt vibrieren. Eine besondere Atmosphäre im Gottesdienst – aus voller Kehle sangen und beteten die vielen hundert Besucher mit – das ist nicht einmal beim Heiligabend-Gottesdienst in dieser Kraft wahrzunehmen. Spontanen Beifall erhielten die Sieder für ihren Beitrag „Jesus Christ Superstar“. Und der katholische Dekan Thomas Hertlein gab den Besuchern die Anerkennung mit auf den Weg, die auch Verpflichtung sein soll: „Ihr seid das Salz der Erde, das Licht der Welt.“ Ein wundervoller Auftakt für einen grandiosen Festtag.

Drei Zentren in der Stadt

Neben dem Gottesdienst gab es drei publikumsträchtige Höhepunkte. Erstens, der Zapfenstreich am Samstagabend, beobachtet von gut 3000 Bürgern. Der militärische Ritus, die hunderte Vertreter der mehr als 30 Bürgerwehren im Land und die Musik des Stadtorchesters ergaben eine Melange, die würdevoll und ergreifend war. Zweitens, der Festumzug. Tausende säumten die Route. Bei der Aufstellung des Festzugs in der Gelbinger Gasse zeigten die Anwohner, was Haller Gastfreundschaft ist und holten Kistenweise Getränke. Überhaupt: die Gastfreundschaft und die gute Organisation wurde vielfach von den Gästen gelobt.

Der Festzug hatte einen etwas zu schnellen Schritt, bei manchen Uniformen hätte man gerne noch länger geschaut. Und manchmal überschnitten sich die Musikbeiträge. Doch am Haalplatz konnten die Umzugsbesucher mit den Uniformierten ins Gespräch kommen und sich die Details erklären lassen. Der Haalplatz war der dritte Publikumsmagnet. Bei den Parties am Abend verlegten zwar einige die Begegnungen nach draußen, aber das ist halt so in lauen Sommernächten. Auch Stefan Eberts, der Erste Hofbursche, ist gestern Abend im Glück: „Der Umzug war sehr, sehr gut, der Zapfenstreich bombastisch.“

Das könnte dich auch interessieren:

Anita Röger: „Einen Umzug haben alle. Das Kuchen und Brunnenfest nur wir.“


Die Sieder sind die Organisatoren des Landestreffens. Vier Fragen an den ersten Hofburschen Stefan Eberts und Tänzerin Anita Röger.
Seit wann sind Sie heute schon auf den Beinen?
Eberts: Um halb vier bin ich ins Bett. Seit kurz nach Sieben bin ich unterwegs.
Röger: Seit halb acht.
Was ist Ihnen bei diesem Fest wichtig?
Eberts: Wir wollen gute Gastgeber sein, die Stadt zeigen und repräsentieren. Wir wollen den Kameraden die Geschichte der Stadt und der Sieder vermitteln. Wir waren ja nicht für die Stadtverteidigung zuständig wie die Bürgerwehren. Wir sind die Exoten beim Landesverband. Über die Schützenkompanie sind wir Mitglied im Verband.
Was kostet das Ganze?
Eberts: Über Geld spricht man nicht. Von anderen wissen wir, was dieses Fest kosten kann. Wir sind jetzt in Vorleistung gegangen und hoffen, dass wir über die Bewirtung mit den Kosten rauskommen. Der Landesverband gibt einen geringen Zuschuss. Aber wir haben viele Sponsoren mit Geld und Sachspenden. Das hilft uns enorm. Wir müssen abwarten, ob und was am Ende übrig bleibt.
Rund alle 17 Jahre gibt es in Hall ein Fest mit Umzug. Ist das zu wenig?
Eberts:
So ein Festumzug ist etwas Besonderes, das sollte nicht alle fünf oder zehn Jahre stattfinden.
Röger: Einen Umzug haben alle. Aber das Kuchen- und Brunnenfest haben nur wir.