Braunsbach / Norbert Acker  Uhr
Ein Teilstück der L 1036 von Braunsbach in Richtung Orlach ist immer noch halbseitig gesperrt. Dort ist es zu einer Böschungsrutschung gekommen. Das RP will im Frühjahr sanieren.

Über zwei Jahre mussten Orlacher und Braunsbacher warten, bis die L 1036 fertig saniert und wieder für den Verkehr freigegeben werden konnte. Am 12. September war es dann endlich so weit. Das war in Braunsbach auch wieder Anlass für ein großes Fest. Doch direkt im Anschluss ist ein Teil der Landesstraße erneut halbseitig gesperrt und mit einer mobilen Ampelanlage versehen worden.

Braunsbach Straße zwischen Braunsbach und Orlach ist wieder offen

Bei den Schäden, die die weitere Sperrung verursacht haben, handelt es sich nicht um eine direkte Folge der Sturzflut vom 29. Mai 2016, wie manch einer vermuten mag.

Andere Geologie

„Zu Beginn dieses Jahres hat sich in dem halbseitig gesperrten Bereich eine Böschungsrutschung eingestellt“, erklärt auf Nachfrage Katja Lumpp, Pressesprecherin des für die Landesstraße zuständigen Regierungspräsidiums (RP) Stuttgart. „Die Geologie in diesem Bereich ist jeweils eine andere als die direkt im Bereich vor Orlach.“

Beim Unwetter am 29. Mai 2016 hat sich eine gigantische Lawine aus Schlamm und Geröll durch Braunsbach geschoben und große Teile der Ortschaft zerstört.

Zur Schadenserkundung mussten daher zunächst Baugrunduntersuchungen durchgeführt werden, auf deren Grundlage eine Planung zur Beseitigung der Rutschung erstellt wurde. „Diese liegt nun vor“, sagt Lumpp und erklärt: „Damit der vorhandene Rutschungsbereich nicht direkt am Fahrbahnrand den Erschütterungen von Lastwagen ausgesetzt ist, was unter Umständen zu einer Verstärkung der Rutschung führen könnte und damit die gesamte Fahrbahn gefährdet würde, wurde die Straße in diesem Bereich halbseitig gesperrt.“

Lesen Sie hier alle Artikel zur Unwetterkatastrophe in Braunsbach am 29. Mai 2016.

Der sichtbar vorhandene Erdrutsch erstreckt sich über rund 30 Meter. Bei den Untersuchungen sei jedoch festgestellt worden, dass in Richtung Braunsbach bereits ein weiterer Abschnitt von rund 40 Metern gefährdet ist. Dieser müsse nun mit saniert werden. „Zur Sicherung der ­Böschung sollen sogenannte ­Mikrobohrpfähle zum Einsatz kommen“, ergänzt die Sprecherin. Diese Pfähle hätten einen Außendurchmesser von 22 Zentimetern und stehen in einem Abstand von 75 Zentimetern. Sie sollen das Erdreich und dadurch auch die Straße stabilisieren.

Ausschreibung im Winter

Das RP will die Bauarbeiten über den Winter ausschreiben. Im Frühjahr kommenden Jahres soll mit dem Bau begonnen werden. Man geht von einer Gesamtbauzeit von rund acht Wochen aus. „Die Arbeiten können nur unter Vollsperrung erfolgen, die sich über die gesamte Bauzeit erstreckt“, teilt Lumpp mit.

Die Rutschung ist nicht direkt mit den Starkregenereignissen vom 29. Mai 2016 entstanden. „Durch diese wurde aber das Bachbett des Orlacher Baches verändert, sodass es sich bei dieser Rutschung um eine Spätfolge handeln kann“, erklärt die Sprecherin. Das habe ihr das Baureferat des RP mitgeteilt. Über die Baukosten, die das Land Baden-Württemberg zu tragen hat, könne man aber noch keine abschließenden Aussagen treffen. Man warte noch eine genaue Kostenberechnung ab, die zurzeit erstellt werde. Ähnliche Maßnahmen im Bereich der Orlacher Steige lagen in der Vergangenheit aber immer im sechsstelligen Bereich.

Zu lange Ampelphasen

Einige Verkehrsteilnehmer beschweren sich über die langen Ampelphasen der Baustellenampel, heißt es. Das kann Braunsbachs Bürgermeister Frank Harsch allerdings nicht bestätigen. „Dazu haben wir nicht viele Anrufe bekommen. Die Leute haben sich daran gewöhnt“, sagt er auf Nachfrage. Bei einem Bürgergespräch in Orlach (siehe Kasten unten) ist daher im Zusammenhang mit dem Zustand der Landesstraße Kritik in ganz anderer Richtung geäußert worden.

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Unmut über die Vorgehensweise

Am vergangenen Montagabend sind Anwohner aus Orlach und Elzhausen auf Einladung von Gemeinderat Gerhard Bosch und Ortsobmann Mattias Bauer im Alten Schulhaus in Orlach zu einer Bürgerversammlung zusammengekommen. Auch dort wurde die Ampel auf der Orlacher Steige zum Thema. Nicht die Wartezeit bei Rotlicht, aber die lange Wartezeit bis zur Sanierung des Straßenstücks stieß sauer auf. „Das ist ja schon lange so und nicht erst seit der Flut. Das hätte man doch gleich bei der Sanierung mitmachen können“, echauffierte sich ein Mann. Es wurde bemängelt, dass bei der Straßensanierung „Stückwerk“ gemacht und nicht die gesamte Asphaltdecke auf dem Abschnitt gerichtet wurde. „Dann sollen sie doch lieber Tempo 30 ansetzen, wenn es dort wirklich zu rutschig sein sollte, und nicht ein Jahr lang weiter eine Ampel stehen lassen“, meinte ein anderer Herr. fär