Lucas Wagner (21), Sebastian Ruchti (23) und Silas Noller (23) freuen sich. Als sie am Freitag durch den Schnee stapfen, erfahren die Studenten, dass die Landesregierung den Hochschulstandort für mindestens weitere zehn Jahre erhalten will. „Prima. Der Campus ist auch wirklich gut“, urteilt Lucas Wagner, der aus Honhardt stammt und somit in der Nähe studieren kann. Nach Informationen des Stuttgarter Büros dieser Zeitung will die Landesregierung in ihrer Kabinettssitzung am Dienstag in der Villa Reitzenstein die Zukunft der Haller Fakultät der Hochschule Heilbronn bis 2034 sichern. Grund zum Jubeln?

Weitermachen wie bisher

Die Entscheidung hat zwei Haken. Zum Expansionskurs steht in der Kabinettsvorlage: „Es kann keine Entscheidung über den weiteren Ausbau des Campus Schwäbisch Hall getroffen werden.“ Bei der Finanzierung bleibt alles beim Alten. Weiterhin zahlt das Land 1,9 Millionen Euro jährlich, die Raumschaft bringt 660 000 Euro für den Hochschulbetrieb auf sowie 682 000 Euro für die genutzten Gebäude.

„Das ist genau das, was wir nicht gewollt haben“, urteilt IHK-Präsident Prof. Dr. Harald Unkelbach. Der stellvertretende Vorsitzende der Hochschule Heilbronn und Geschäftsführer der Adolf-Würth-KG lässt sich als positive Bewertung lediglich den Kommentar abringen: „Das ist nur ein kleines Mosaiksteinchen.“ Denn eigentlich lag die Latte höher. „Wir hätten erwartet, dass die Landesregierung den Campus Schwäbisch Hall in die Regelfinanzierung nimmt und dauerhaft aus dem Landeshaushalt bezahlt.“ Davon ist auch der Schwäbisch Haller Oberbürgermeister ausgegangen. „Die Aufnahme in die Staatsfinanzen und die Verbreiterung des Angebots waren das Ziel. Ich hoffe, dass die Landes­regierung das erfüllt“, sagt Hermann-­Josef Pelgrim.

Mit dieser Vorgabe seien über das Jahr 2018 hinweg verschiedene Firmen gebeten worden, eine Förderzusage zu geben. Springen die nun ab? Diese Möglichkeit sieht Unkelbach auch. „Ich gehe aber nicht davon aus, dass jemand das macht.“

Der Campus Hall wurde vor zehn Jahren eröffnet, um die vielen Schulabsolventen des Doppeljahrgangs 2012 aufzunehmen. Durch die Verkürzung der Schulzeit von neun auf acht Jahre am Gymnasium drängten viele Schüler an die Hochschulen. Heute zählt der Campus 1043 Studenten.

Nachverhandeln ist möglich

„Es ist nun mehr oder weniger das festgeschrieben worden, was bisher schon war“, klagt Unkelbach. Und genau darin sieht er zwei Gefahren. „Suchen Sie mal einen Professor und sagen Sie ihm, dass man den Bestand der Hochschule nur für einen Zeitraum von zehn Jahren garantieren kann.“ Und wie soll der Ausbau des Campus forciert werden, wenn dem eine Bestandsgarantie über eine Dekade hinaus fehlt? „Ein klares Bekenntnis zum Campus Hall sieht anders aus.“ Unkelbach will aber weiter für Hall kämpfen.

Dennoch enthält die Kabinettsvorlage auch Chancen. Aufgenommen wurde eine „Sprechklausel“, also die Zusage, einen Punkt erneut zu verhandeln. Sollte es am Campus Hall gut laufen, könnte man erneut über die Ausbaupläne reden. Unkelbach: „Das ist besser als nichts, aber nicht das, was wir wollten.“

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Braunsbach/Orlach