Schwäbisch Hall Land entwickelt neues Bahn-Konzept

Schwäbisch Hall / NORBERT ACKER 04.11.2014
Die Landesregierung will den Schienennahverkehr ausbauen. Darüber ist bei einem Runden Tisch zur Lage im Kreis Schwäbisch Hall und im Hohenlohekreis informiert worden. Fazit: Es braucht einen langen Atem.

Zum zweiten Mal haben sich Vertreter von Verwaltungen, Institutionen und Organisationen auf Einladung der SPD-Bundestagsabgeordneten Annette Sawade zu einem Runden Tisch "Verkehrliche Infrastruktur in Schwäbisch Hall-Hohenlohe" getroffen. Dieses Mal stand die bevorstehende Neuausschreibung des Regionalverkehrs auf der Schiene im Fokus der Diskussion.

Gisela Splett, Staatssekretärin im Landesministerium für Verkehr und Infrastruktur, stellte das "Zielkonzept 2015 für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Baden-Württemberg" vor. Sie wollte ihre Präsentation als Anregung für die kommenden Regionalkonferenzen ihres Ministeriums verstanden wissen und bat um Verständnis dafür, dass sie aus Wettbewerbsgründen keine Ausschreibungsdetails nennen könne.

Nachdem die Nachfrage für den SPNV gestiegen sei, will ihn das Land attraktiver machen. Ein wichtiges Stichwort hierbei ist eine "engere Taktung" der Züge. Wichtig für das Projekts sei eine "erfolgreiche Revision der Regionalisierungsmittel" - also des Geldes, das die Länder vom Bund für den Ausbau des SPNV bekommen. Hierbei sieht sich Baden-Württemberg benachteiligt, werde doch nach einem veralteten Schlüssel verteilt. Über acht Milliarden Euro benötigten die Länder, es gebe aber nur Zusagen über 7,3 Milliarden. Enorme Investitionen in die Schieneninfrastruktur seien nötig.

Das Ziel sei eine "homogene Angebotsentwicklung im Land". "Fest steht: Es wird keine Streckenstilllegungen geben", so Splett. Das Konzept soll bis 2025 ein "landesweites Grundangebot als Mobilitätsgarantie" sicherstellen, inklusive einiger "Expresslinien", die die Mittel- und Oberzentren miteinander verbinden. Das gesamte Angebot soll um 20 Prozent ausgeweitet werden. Allerdings warnte die Staatssekretärin: Wie üblich bei Verkehrsthemen sei ein "langer Atem" vonnöten, es ließe sich nur schrittweise umsetzen. "Ein ambitioniertes Ziel, aber schwierige Rahmenbedingungen", so Splett abschließend.

In der folgenden Diskussion wurden unter anderem Probleme der Hohenlohebahn, der Frankenbahn und der Murr-Bahn angesprochen. Insbesondere Halls schlechte Anbindung wurde kritisiert. Erwin Tiroke vom Landratsamt Schwäbisch Hall sprach davon, dass man gerade hier vor Ort seit Jahren beim Thema "vertröstet" werde. Man verlange klare Aussagen und mehr Transparenz. "Entscheidend ist das Angebot", hier müsse nachgebessert werden. Halls Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim stieß ins selbe Horn, stellte aber auch fest: "Wir fühlen uns in der Region infrastrukturell benachteiligt." Dabei sei "dieser ländliche Raum ein wichtiger Wirtschaftsfaktor". Man müsse die Leistungskraft in der Region stärken. Hierbei sei die Neuausschreibung eine wichtige Weichenstellung, da sie dann auch wieder prägend sei für die nächsten 20 Jahre. Auch das Thema Fernverkehr dürfe man nicht aus den Augen verlieren. "Diese Anregungen nehmen wir mit", sagte Splett, die den Vorwurf von fehlender Transparenz zurückwies.

Harald Ebner, Bundestagsabgeordneter der Grünen, wies darauf hin, dass Schiene und Straße in den Haushalten weiterhin konkurrierten. Gerade bei der Bahn gebe es einen "Investitionsschatten".

Weitere Themen waren die Probleme bei der Barrierefreiheit, die Eingleisigkeit und fehlende Elektrifizierung auf manchen Bahnstrecken der Region, der Bundesverkehrswegeplan und vor allem die Anbindung der Region an die Oberzentren Heilbronn und Stuttgart.

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