Club Alpha 60 Lärmproblem nicht gelöst

Besucher drängen sich am Freitag an die neue Bar im Veranstaltungssaal des Club Alpha 60.
Besucher drängen sich am Freitag an die neue Bar im Veranstaltungssaal des Club Alpha 60. © Foto: xxx
Schwäbisch Hall / Seit dem Umzug in die Spitalmühlenstraße 13/2 ist ein halbes Jahr vergangen. Der Bass der Anlage bereitet Anwohnern schlaflose Nächste. 18.01.2018

Die Flächen im Eingangsbereich sind mit kleinformatigen Sprüchen kunstvoll gestaltet. An den Wänden des Veranstaltungssaals hängen Protestbanner, die aufmerksame Haller vom Masten des einstigen Löwenkellers an der Stuttgarter Straße kennen. Der soziokulturelle Club scheint am Anwesen in der Spitalmühlenstraße 13/2 angekommen zu sein. Darauf deuten regelmäßig ausverkaufte Events wie der Poetry-Slam sowie gut besuchte Partyreihen wie Beating und Musikalische Späterziehung hin.

Der Betrieb laufe gut an. Zahlreiche Events habe es bereits gegeben.  Unterm Strich sei es die richtige Entscheidung gewesen, in die Spitalmühlenstraße zu ziehen, sagt Angie Sebek. Das Projekt hat rund eine Million Euro gekostet, ein großer Teil durch Zuschüsse von Land und Stadt gedeckt. Ehrenamtliche vom Club haben mit Muskelkraft zum Gelingen beigetragen – und freuen sich über ein neues Club-Domizil nahe der Auwiese.

Allerdings sind dort ein halbes Jahr nach der Eröffnung nicht alle so positiv gestimmt. Das größte Problem stellt die Lärmdiskussion dar. Direkt hinter der Loca­tion stehen im dortigen Gewerbegebiet mehrere Wohnhäuser.  Die Anwohner hatten schon bei der Vorstellung der Pläne 2014 auf nächtliche Ruhestörungen durch laute Musik im Club und grölende Partygänger auf dem Heimweg hingewiesen. Genau diese Problematik hatte kurz zuvor das Aus für den nahegelegenen Club Schwerpunkt Glück bedeutet.

Die Außenwand scheppert

Und nun? Milan Kuzmanovic, direkter Anlieger, berichtet, dass die Problematik mit den Besucherströmen nicht so gravierend sei. „Zumindest kann ich am Wochenende gelegentlich damit leben.“ Laute Passanten kämen aber nicht nur vom Club, sondern auch von Veranstaltungen im Optima Sportpark. Kuzmanovics Hauptproblem sei aber die Musik im Club. „Wenn aufgedreht ist, scheppert die Außenwand.“ Bei einer Party seien alle Personen in der Nachbarschaft aufgewacht.

Dem Club war auferlegt worden, mit dem Umbau eine Lärmschutzwand in Richtung Kocher und dahinterliegender Neumäuerstraße zu errichten. In die andere Richtung, wo Kuzmanovics leben, wurde in die Außenwand laut Architekt Hansjörg Stein eine Schallschutzvorsatzschale integriert. „Sie funktioniert wie geplant, sogar etwas besser“, so Stein, der selbst Club-Mitglied ist.

Um das rechtlich sicherzustellen, sei ein Schallgutachten vom Haller Büro RW Bauphysik erstellt worden, in dem bei laufendem Konzertbetrieb in einem Wohngebäude gemessen wurde. „Das Problem war der Bass, den wir direkt reduziert haben, bis die Werte passten“, so Stein. Club-Mitglied Frieder Simpfendörfer spricht von einer „Verplombung in der Technik“, um ein künftiges Überschreiten auszuschließen.

Aber auch die Clubler wissen: Es gibt eine Differenz zwischen gemessenen Werten, die den Richtlinien entsprechen, und der subjektiven Wahrnehmung. „Keiner hat ein Interesse, die Nachbarn zu nerven“, meint Stein. Simpfendörfer ergänzt: „Wir dürfen uns nicht auf dem Messergebnis ausruhen, wenn der Nachbar nicht schlafen kann.“

Zusätzliche Schallschutzwand

Hintergrund sind Beschwerden Kuzmanovics – auch nach der Anpassung im Mischpult. „Es hat sich bei der Messung gezeigt, dass im Club der Bass so heruntergedreht werden müsste, dass die Soundqualität zu sehr leidet.“ Das, so sieht er ein, könne nicht im Sinne des Clubs sein. Achteten die Veranstalter auf eine partytaugliche Abmischung, lägen Spitzen über dem erlaubten Wert.

Kuzmanovic zeigt Verständnis für die Club-Mitglieder. „Das Bemühen ist da, ich habe hohe Achtung für deren Einsatz.“ Letztlich müsste seine Familie aber „lebenslang“ mit nächtlichen Einschränkungen klarkommen. Sein Vorschlag ist eine weitere Lärmschutzwand: auf einer schmalen Grünfläche zwischen Club und Häusern. „In die andere Richtung hat die Stadt investiert, wieso nicht auch auf unserer Seite?“

Die Stadt muss ohnehin noch ran: Die Wege sind nur aus einer Richtung beleuchtet: von der Friedensbrücke kommend, am Kocher entlang. Auf der anderen Seite, am Parkplatz, „ist es nachts stockdunkel“, sagt Stein. Auch fehle noch eine sichere Abgrenzung, ergänzt Simpfendörfer. „Die Besucher gehen wie die Motten zum Licht. Zum Glück ist noch keiner in den Kocher gefallen.“

Zumindest die Wegbeleuchtung wird nun gelöst, teilt Thorsten Hauck, persönlicher Referent des Oberbürgermeisters mit. Werkhofmitarbeiter installierten gerade sieben LED-Lampen. In zwei Wochen sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Schnee, Regen und Sturm hätten eine frühere Fertigstellung verhindert. Der Club indes will nun Kosten für spezielle Bass-Absorber prüfen. „Es geht um den Frequenzbereich um 62 Hertz“, erläutert Rainer Fendt vom Club-Vorstand.

Café, Künstler und Veranstaltungsraum

Der Club Alpha 60 hat im Gebäude auf der ersten Etage Atelierräume vermietet. Dort werden noch Untermieter gesucht. Unstimmigkeiten gibt es wegen den verpachteten Räumen im Untergeschoss, wo eigentlich eine Tagesbar angedacht war. Diese hat mittlerweile aber nur an Wochenenden geöffnet. „Wir stehen derzeit in Verhandlungen, wie es weitergeht“, sagt Frieder Simpfendöfer. Ungeachtet dessen bietet der Club Alpha im eignenen Veranstaltungssaal Konzerte, Partys, Kabarett, Bar-Abende und andere Events. Dafür sind ausschließlich Ehrenamtliche im Einsatz. thumi