Es war eine herbe Klatsche für Widderns amtierenden Bürgermeister Jürgen Olma und ein überwältigender Sieg für Kevin Kopf: Mit ganzen 63,1 Prozent der Wählerstimmen hat der 32-Jährige den unbeliebten Olma aus dem Rathaus gefegt – trotz seines gebrochenen Wahlversprechens, im Fall einer Niederlage bei der Kupferzeller Bürgermeisterwahl am 5. Mai „nirgendwo anders“ kandidieren zu wollen.

„Ich bin mehr als glücklich über dieses Wahnsinns-Ergebnis. Ein Traum wird wahr“, sagt Kopf nach der Wahl in Widdern am 2. Juni. Doch was sagen denn die Kupferzeller zu seinem Erfolg – und damit auch zu seinem Weggang als Kämmerer aus der Kommune? „Als Kämmerer war er gut“, resümiert Eberhard Bader, der aber dennoch ein deutliches Urteil hinsichtlich der Zuverlässigkeit des künftigen Widderner Bürgermeisters fällt: „Ich habe Herrn Kopf persönlich bei einer Wahlveranstaltung gefragt, ob er in jedem Fall in Kupferzell bleibt – was er bejaht hat. Außerdem hat er sich im Wahlkampf nicht um die Teilorte gekümmert“, so Bader, der in Beltersrot wohnt. Sein Resümee: „Ich weiß nicht, ob er das Zeug zum Bürgermeister hat.“

Versöhnlicher zeigt sich hingegen Andrea Abel aus Westernach: „Ich habe davon gehört, dass er nun in Widdern gewählt wurde, und ich finde es okay, er hat halt einfach Blut geleckt. Ich glaube, er wäre auch hier in Kupferzell ein guter Bürgermeister geworden“, sagt Abel – wenngleich sie selbst nach „langer Unentschlossenheit“ letztlich ihr Kreuzchen bei Kopf-Konkurrent Christoph Spieles gemacht hat, wie sie freimütig zugibt.

Herbert Necker indes ist da ganz anderer Meinung: „Kevin Kopf hätte ehrlich sein müssen. Wer sagt, er werde bleiben, der muss dann auch bleiben“, findet er. Verständnis für Kopfs Entscheidung und Verhalten zeigt Gemeinderat Manfred Bellingrath-Palesch, der versichert: „Ich freue mich für ihn und habe heute schon persönlich zum Wahlsieg gratuliert. Ich bin nicht böse, dass er sein Versprechen gebrochen hat.“ Denn – da ist der Kommunalpolitiker eben auch ganz Realpolitiker.

Bauernverband Schwäbisch-Hall-Hohenlohe-­Rems Jürgen Maurer: Grünes Herz und Unternehmergeist

Kupferzell

„Ich freue mich für Kevin Kopf“, betont denn auch Kupferzells Noch-Rathauschef Joachim Schaaf. „Das eindeutige Wahlergebnis ist ein guter Rückenwind für den Start, aber jetzt gilt es, Bürgernähe und Vertrauen aufzubauen, um die Vorschusslorbeeren des Wählervotums zu rechtfertigen“, so der langjährige Bürgermeister Kupferzells. Und: „Wir verlieren jetzt einen guten Kämmerer.“ Sein Ratschlag an den jungen Neu-Verwaltungschef? „Es mit der nötigen Ruhe und Gelassenheit angehen lassen.“

Für ebendiesen ist jedenfalls eines klar: „Ich habe aus meinem Fehler gelernt und bin offen damit umgegangen, diese Ehrlichkeit kam bei den Wählern gut an“, ist sich Kevin Kopf sicher. Mit „einem lachenden und einem weinenden Auge“ verlasse er im August dann Kupferzell, um endgültig Einzug ins Widderner Bürgermeister-Amtszimmer zu halten. Und bei aller Freude über den eigenen Wahlsieg – „Von der Höhe war ich selbst überrascht“ – übt sich der neue Widderner Bürgermeister in Demut: „Ich kann nachvollziehen, wie sich Jürgen Olma nach der Niederlage jetzt fühlen wird. Denn ich habe es vor wenigen Wochen bei der Wahl in Kupferzell ja selbst auch erleben müssen.“

Das könnte dich auch interessieren: