Schwäbisch Hall Kunst, die unter die Haut geht

LENA FREY 05.10.2015
Der 16-jährige Gymnasiast Maximilian Konstantinov hat sich vor einigen Monaten tätowieren lassen. Wie schlimm waren die Schmerzen? Wieso ein Tiger? Und was sagt sein Tätowierer Chris Bucher aus Hall?

Wer kann sich nicht mehr an die kunterbunten Abziehtattoos aus dem Kaugummiautomaten oder der Lieblingszeitschrift erinnern? An nahezu jeder Kinderhand waren die verspielten Motive zu finden. Diesen Sommer erlebten die temporären Tattoos ihr Comeback und wurden in kürzester Zeit zum modischen Trendaccessoire eines jeden Mädchens. Anders als zu Kinderzeiten bestechen die so genannten Flash-Tattoos mit metallischer Optik und filigranen Motiven (siehe Artikel unten).

Der 16-jährige Maximilian Konstantinov hat sich im Mai dieses Jahres für die dauerhafte Variante eines gestochenen Tattoos entschieden. Seine Entscheidung bereut er bisher keineswegs. "Tattoos haben mich schon immer begeistert. Sie sehen toll aus. Es ist Kunst, die man immer mit sich trägt", meint der Gymnasiast mit Blick auf seinen Unterarm. Dort prangt auf der Innenseite etwa vom Handgelenk bis zur Armbeuge das Motiv eines Tigers (siehe Bild rechts).

Auf die Frage, warum er sich ausgerechnet für dieses Tattoo entschieden hat, antwortet Maximilian, dass sich das Motiv auf sein Geburtsdatum bezieht. In der chinesischen Astrologie gilt sein Geburtsjahr als das Jahr des Tigers und da er im Herbst 1998 geboren wurde, hat er sich nach gründlichem Überlegen für einen Tiger entschieden. "Die Schmerzen sind Kopfsache, nur die letzten Stiche sind schmerzhaft, weil die Haut dann schon angeschwollen ist", erzählt der Schüler.

Maximilian hat sich sein Tattoo bei "CRIBU's Tattoo Circus" in der Gelbinger Gasse stechen lassen. Was sagt man dort zum Thema Schmerzen? "Grundsätzlich kann man sagen, dass jeder Schmerzen anders empfindet und dass es sich je nach Körperstelle unterscheidet", erklärt die 28-jährige Kris, die eine Ausbildung im Tattoostudio macht. "Beispielsweise sind die Schmerzen in der Kniekehle stärker als am Oberarm."

Inhaber Christian Bucher führt das Tattoostudio seit etwa zehn Jahren. Er selbst hat um die 40 Motive unter der Haut. "Viele Frauen vergleichen die Schmerzen mit denen des Epilierens, andere empfinden ein Brennen, das ist sehr unterschiedlich", weiß der Tätowierer.

Dass die Kunden fit und ausgeschlafen zum Termin kommen, ist wichtig, da das Stechen eines Tattoos für den Körper sehr anstrengend sein kann. Auch die richtige Pflege nach der Prozedur ist nicht zu unterschätzen. Das weiß auch Maximilian: "Ich durfte vier bis sechs Wochen nicht schwimmen gehen", erinnert er sich.

Die Auszubildende Kris hat sich für ihren Beruf entschieden, weil sie schon immer gerne gezeichnet hat und sie Tattoos als ein Stück Selbstverwirklichung betrachtet. "Andere hängen sich Kunst an ihre Wände, ich trage sie unter der Haut", meint sie lächelnd. Ein Großteil ihrer Motive hat Kris selbst gezeichnet und sich eines sogar selbst gestochen.

Im Tattoostudio in der Gelbinger Gasse kommen nur Volljährige unter die Nadel - aus rechtlichen Gründen. "Die meisten Kunden sind zwischen 25 und 30 Jahren alt", schätzt Kris.

Betritt man das Tattoostudio in der Gelbinger Gasse, stechen die vielen Zeichnungen an den Wänden sofort ins Auge. Ordner voll mit Motiven finden sich, viele davon hat Christian Bucher selbst auf Papier gebracht. Auf die Wünsche der Kunden geht er gerne ein, denn: "Uns ist wichtig, dass nicht jeder Zweite mit demselben Motiv herumläuft."

Welches Motiv ist das ausgefallenste, das er je gestochen hat? Der 39-jährige Geschäftsführer überlegt einen Moment. "Das waren so viele . . .". Doch dann fällt ihm etwas ein. "Es war ein Bettlaken mit Rosen. Das war mit Sicherheit eines der speziellsten Motive."

Grundsätzlich ist es mit einem gewissen gesundheitlichen Risiko verbunden, sich tätowieren zu lassen - selbst wenn alle Hygienevorschriften eingehalten werden. Deshalb sollte man sich gut überlegen, ob man zu diesem Schritt bereit ist - darin sind sich der Schüler und der Profi einig. Denn: Kunst, die einmal unter der Haut ist, bleibt für immer.