Kunst Kunst reist von Halle über Hall nach New York

Schwäbisch Hall / Hans Kumpf 07.11.2018
Die Galerie Cyprian Brenner präsentiert fantasiereiche Werke von Moritz Götze und Rüdiger Giebler.

Schon im Frühling des Jahres zeigte die Galerie Cyprian Brenner in der Gemeinschaftsausstellung „The Spirit of Art“ von Moritz Götze skurrile Werke, die Assoziationen zum Jugendstil und zum elitären Comic-Maler Roy Lichtenstein aufkommen ließen. Nun sind in der Langen Straße 32 weitaus mehr Zeugnisse seines vielfältigen Schaffens zu sehen. Zusammen mit dem ebenfalls aus Halle an der Saale stammenden Künstlerkollegen Rüdiger Giebler begibt er sich als „Kulturbotschafter Sachsen-Anhalts“ auf eine „Grand Tour“. Der Start der ausgedehnten Kunstreise fand in Brüssel statt, weitere Stationen waren bislang unter anderem London und Neuseeland. Und von Schwäbisch Hall, dem „Nabel der Kunstwelt“, so Galerist Brenner stolz und humorvoll zugleich, solle es dann direkt nach New York gehen.

In der Kocherstadt gibt es nun, nur wenige Schritte von der Johanniterkirche entfernt, eine weitere „Schutzmantelmadonna“ zu bestaunen. Doch Götzes erst 2018 geschaffene Pop-Art-Emaillemalerei kostet nur 6000 Euro – und keine 60 Millionen, auf die die Holbein-Madonna der Sammlung Würth geschätzt wird. An den alteingesessenen Haller Automaten-Künstler Bernhard Deutsch fühlt man sich dagegen beim lustvoll garnierten Flipper „Lady Hamilton“ erinnert. Der 54-jährige Götze arbeitet ansonsten gerne mit Öl auf Leinwand, fertigt raffinierte Radierungen und Zeichnungen auf Bütten oder Rostocker Pappe und sogar in Vinyl.

Die so dekorierte Langspielplatte mit Beiblatt heißt „Schön – gepresste Lieder & Pflanzen“. Hintersinnig und die scheinbare Idylle zerstörend gestaltete Moritz Götze seinen 140 auf 260 Zentimeter großen Triptychon „Ahrenshoop“: Am rechten Rande tauchen da unüberwindbare Grenzzäune und drohende DDR-Wachtürme auf.

Bei der gutbesuchten Vernissage, zu der sich viele namhafte Vertreter der hiesigen Kunstszene eingefunden hatten, erläuterte in einer ausformulierten Rede kurzweilig Rüdiger Giebler seine eigene Vorgehensweise: „Die Bilder entstehen in vielen Schichten, aus überlagerten Skizzen, Farbpfützen und klar konturierten Korrekturen. Das ist ein knuddeliger Kubismus in Kavaliersperspektive.“

Typisch für Giebler sind seine vom Expressionismus inspirierten farbintensiven Gemälde, bei denen man das Gegenständliche oft erraten muss. So etwa beim derben „Chirurg“ (Öl auf Leinwand). Weitaus filigraner gestaltete Rüdiger Giebler, der einst bei Moritz Götzes Mutter Inge Götze studiert hat, andere und kleinere Arbeiten in Kreide, Aquarell, Gouache, Tusche und Grafit.

Die 60 Exponate von Rüdiger Giebler und Moritz Götze weilen noch bis 16. Dezember in der Galerie Cyprian Brenner in der Haller Langen Straße. Dann geht es ab in die USA.

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