Führt Digitalisierung automatisch zu besserer Bildung?

Susanne Eisenmann: Nein, das haben mehrere wissenschaftliche Studien bewiesen. Für mich muss die Technik ganz klar der Pädagogik folgen und nicht umgekehrt. Digitalisierung ist kein Allheilmittel, und mit ihr löse ich kein Qualitätsproblem. Engagierte Lehrer sind immer noch das Wichtigste für den Erfolg in der Schule.

Whiteboards, Tablets, WLAN und Co.: Wie sieht das Klassenzimmer der Zukunft aus?

Technische Geräte wie Tablets werden immer mehr zur Ausstattung der Klassenräume gehören. Wir haben dazu an mehreren Schulen Versuche gestartet. Die Rückmeldung von Lehrern und Schülern dazu ist eindeutig: auf die Mischung kommt es an. Ich glaube, dass das Klassenzimmer der Zukunft nicht viel anders aussehen wird als heute. Einfach nur das Buch durch den Laptop zu ersetzen, greift zu kurz. Auch in Zukunft werden die Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen unverzichtbar sein.

Was können Lehrer und Schulleitungen dafür tun, dass die Digitalisierung vorangetrieben wird?

Ich ermuntere die Lehrer, die Fortbildungsangebote zur Nutzung digitaler Technik und Medien in der Schule wahrzunehmen. Außerdem überweisen wir den Städten und Kommunen dieses Jahr 75 Millionen Euro für Digitalisierungsmaßnahmen an Schulen. Die Entscheidung, wie das Geld ausgegeben wird, treffen Schulträger und Schulen auf individueller Ebene. Viele haben bereits ein Digitalisierungskonzept entworfen. Für Schulen, die das noch nicht getan haben, wird es nun Zeit.

Wie bereitet Digitalisierung Schüler auf die Arbeitswelt vor?

Im Unterricht wird zum Beispiel der Umgang mit digitalen Medien gelehrt. Zudem wird der Informatikunterricht ausgebaut, Berufe mit diesem Schwerpunkt haben ein großes Zukunftspotenzial. Um den Bedarf an Fachkräften im Bereich Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik sicherzustellen, setzen wir einen besonderen Schwerpunkt auf die Förderung dieser Fächer.

Gestaltet sich die Digitalisierung auf dem Land schwieriger als in Städten?

Wir wollen überall in Baden-Württemberg die notwendige digitale Infrastruktur bereitstellen und die Digitalisierung fördern. In den ländlichen Gegenden ist aktuell eher die Versorgung mit Lehrern komplizierter.

Wie steht Baden-Württemberg in puncto Digitalisierung im bundesweiten Vergleich da?

Bei der Versorgung mit Breitband ist Baden-Württemberg vom Mittelfeld ins Spitzenfeld vorgerückt. Wir haben 2018 mehr als 112 Millionen Euro in den Ausbau gesteckt. Bis 2021 wird eine Milliarde Euro für Digitalisierungsaktivitäten investiert, etwa die Hälfte davon in das schnelle Internet. Speziell für den Landkreis Hall wurden 2018 rund 838 000 Euro an Fördermitteln vom Innenministerium bewilligt.

Die Fragen stellten Kerstin Vlcek und Verena Köger