Schwäbisch Hall / Kerstin Vlcek  Uhr

Für 56 Euro möchte eine ­junge Kassiererin in einem Supermarkt einer Frau drei Bananen und einen Joghurt verkaufen. Ein Gefühl dafür, dass der Preis nicht stimmen kann, hat sie nicht. Diese Geschichte ­erzählt Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) bei der Po­diumsdiskussion mit Moderator Marcel Miara von der Haller Volkshochschule im Musiksaal der VHS. Mit dieser Erzählung möchte die Ministerin deutlich machen, wie wichtig die Kernkompetenzen Rechnen, Schreiben und Lesen sind. Und damit ist sie mittendrin im Thema des Abends „Bildung im 21. Jahrhundert“.

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123 Nationen in Hall

Der Saal ist fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Unter den Zuhörern sind Schulrektoren und Politiker aus dem Landkreis. Sie nicken gelegentlich bei Aussagen von Eisenmann wie „ich finde es nicht schlimm, mal ein Diktat zu schreiben“. Fragen an sie haben sie in der anschließenden Diskussionsrunde aber nicht. Dabei werden im Landkreis Themen wie eine gymnasiale Oberstufe für die Gemeinschaftsschule im Schulzentrum West oder Inklusion und Integration in den Schulen oft und hitzig diskutiert. Immerhin seien in der Stadt 123 Nationen vertreten, die sich auch in den Schulen wiederfinden, wie Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim in seiner Begrüßungsrede sagt. Daher möchte Miara von der Ministerin auch wissen, wie sie sich die Bildung der Zukunft vorstellt. „Bildung setzt sich für mich aus Kopf, Herz und Hand zusammen“, so Eisenmann und zitiert den Bildungsbegriff von Pestalozzi. Es werde eine Mischung sein aus Wissen, Persönlichkeitsbildung, sozialer Verantwortung und Umgang mit technologischen Herausforderungen. Ethik, Normen und Werte fließen auch noch mit ein.

Bildergalerie Kultusministerin Susanne Eisenmann besucht Rulamanschule

Für wichtig hält die Ministerin Studien wie Pisa und Iglu. Vor rund zehn Jahren haben die Schüler in Baden-Württemberg noch geglänzt, heute sprechen die Studien eine andere Sprache und diese müsse man sich auch ohne Panik anschauen. „Entgegen anders lautender Gerüchte hängen sie aber nicht bei mir über dem Bett“, ergänzt Eisenmann. Deutschland sei aber ein Bildungsland. „Baden-Württemberg investiert seit diesem Jahr jeden fünften Euro des Haushalts in Bildung“, so die Ministerin. Insgesamt habe sie einen Etat in Höhe von 11,6 Milliarden Euro jährlich. „Das ist viel Geld“ und es müsse richtig eingesetzt werden.

Oft Konfliktpolitik

Schulpolitik war in den vergangenen Jahren oft Konfliktpolitik, zum Beispiel bei G8/G9 und der Gemeinschaftsschule. „Da bleibt Baden-Württemberg stur bei G8“, formuliert es Miara spitz. „Wir sind konsequent“, entgegnet Eisenmann. Anders als viele ihrer Parteikollegen verteidigt die Ministerin auch die Gemeinschaftsschule. Außerdem plädiert sie für einheitliche Bildungsabschlüsse an den verschiedenen Schulen.

Wie Eisenmann die Herausforderungen bei Inklusion und Integration sieht, möchte Miara wissen. „Integration von jungen Menschen läuft vor allem über die Schulen“, so Eisenmann. Viele Kinder brauchen Förderung und die momentanen Abläufe müssen ein stückweit überarbeitet werden. Bespielsweise muss die Sprachförderung länger angelegt werden und individueller und differenzierter gefördert werden. „Da haben wir Nachholbedarf.“ Ebenso bei der Inklusion, vor allem bei der Regelinklusion. „Nicht jedes Kind ist dort bestmöglich aufgehoben.“ Wobei Gruppeninklusion besser sei, als wenn ein Kind im Regelunterricht mit seinem Betreuer abseits sitze. Es brauche auch mehr Sonderpädagogen.

Fehlen darf auch das Thema Digitalisierung nicht. Susanne Eisenmann ist davon überzeugt, dass der Einsatz digitaler Medien nur ergänzend funktionieren kann. Zusätzlich zu Lesen, Schreiben, Rechnen, macht sie noch einmal deutlich. 150 Millionen Euro soll in die digitale Ausstattung der Schulen gesteckt werden. „Kinder sollen die Technik beherrschen, sich aber nicht von ihr beherrschen lassen.“ Vereinzelt werden in der abschließenden Diskussionsrunde noch einmal Fragen zu Digitalisierung, Bildungsplänen und Ethik gestellt, für deren Beantwortung sich Eisenmann nach gut einer Stunde noch einmal rund 30 Minuten Zeit nimmt.

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Mehrere Millionen Euro für Schulsanierungen

In Hall gibt es mit der Stadt als Schulträger neun Grundschulen, zwei Gemeinschaftsschulen, eine bestehende und eine ehemalige Realschule, zwei Gymnasien und eine Vielzahl von freien Trägern, sagt OB Hermann-Josef Pelgrim im Vorfeld der Diskussionsrunde.

Auf der Agenda steht momentan auch die Sanierung des Schulzentrum West. Die bisherigen Kosten belaufen sich auf 25 Millionen Euro und „es ist immer noch im Werden“, so Pelgrim. Die Kosten der Sanierung des Gymnasiums bei St. Michael belaufen sich derzeit auf rund neun Millionen Euro. Auch für Grundschulsanierungen und -erweiterungen stehen Investitionen an. kv