Gastronomie Kultiger Ort zum Wohlfühlen

Kirchberg / Nina Piorr 08.12.2018

Die Linde stand früher häufig in der Mitte von Ortschaften als Treffpunkt und Begegnungsort“, weiß Elke Kühn. Anknüpfend an diese Tradition möchte die gebürtige Crailsheimerin die schon über 100 Jahre alte Dorfwirtschaft „Zur Lindenau“ in Mistlau bei Kirchberg an der Jagst zu einem ebensolchen Begegnungsraum gestalten.

Mit ihrem Sohn Sascha, der gelernter Koch ist, führt die Hotelfach- und Industriekauffrau seit 1. Mai dieses Jahres das Gasthaus in der Wanderstraße 5. Auch das lindenblättrige Logo auf ihren dunkelbraunen Westen und Kochjacken spielt auf die Linden-Tradition an. „Das herzförmige Blatt soll zeigen, dass uns Herzlichkeit wichtig ist.“ So begeistert Elke Kühn, die hauptberuflich in der kaufmännischen Leitung des Mistlauer Seminarhauses „Quellhof“ tätig ist, besonders der Umgang mit ihren Gästen. „Das sind immer tolle Begegnungen“, freut sie sich.

Auch Familienfeiern möglich

Geöffnet ist die Gaststätte immer mittwochs von 17 bis 19 Uhr zum Stammtisch sowie samstags von 14 bis 22 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr. Gerne bewirten Elke und Sascha Kühn auch Gruppen, etwa bei Weihnachts- oder Familienfeiern. Obwohl sie die „Lindenau“ erst seit wenigen Monaten betreiben, sind sie an den Wochenenden in der Regel ausgebucht. „Reservierungen, etwa über unsere Homepage www.gasthauszurlindenau.de, sind daher empfehlenswert“, schmunzelt Sascha Kühn.

Platz für 35 Gäste

Die Gaststube, die seine Mutter und er bis auf kleinere Renovierungen im originalen Zustand belassen haben, bietet lediglich 35 Gästen Platz. Im Sommer dagegen kann man es sich auch im 60 Sitzplätze umfassenden Biergarten hinter dem Haus mit Blick auf die sanft dahinfließende Jagst gemütlich machen. Darüber hinaus laden ein Doppel- und ein Einzelzimmer, die auch als Ferienwohnung gebucht werden können, zum längeren Verweilen in der „Lindenau“ ein.

„Die Arbeit als Koch ist hart“, erklärt Sascha Kühn, der bereits in der Küche eines Fünf-Sterne-­Hotels in Österreich gearbeitet hat. Daher hatte er seinem Beruf schon mehrfach abgeschworen. In der „Lindenau“ ist der in einer Metzgerei Teilzeit-Beschäftigte jedoch sein eigener Chef: „Hier kann ich kochen, was ich möchte.“ Regionale Zutaten und frische Zubereitung sind ihm dabei besonders wichtig.

Sonntags „Kühnen Küche“

Samstags können die Gäste von einer kleinen Karte bestellen, sonntags wartet der Küchenchef mit seiner „Kühnen Küche“ auf. Darunter sind aktuell etwa Fränkische Schweinefiletmedaillons an Kräuterkruste, Spätzle und Steinpilzrahmsoße für 14,50 Euro oder Hohenloher Käsespätzle mit zweierlei Zwiebeln und gemischtem Salat für 11,50 Euro. „Unser Flaggschiff ist jedoch das ‚Zur Lindenau Spezial‘“, schmunzelt Kühn. Hinter dem Namen versteckt sich ein Burger vom fränkischen Angus-Rind, überbacken mit in Rot am See geräuchertem Speck und Emmentaler. Dazu reicht Kühn hauseigene Sauce und Farmhouse-Fries in der Zeitungstüte. Diese stellen eine Reminiszenz an Elke Kühns einjährigen Aufenthalt in Großbritannien dar, wo sie nach ihrer Gastronomieausbildung in einem Schnellimbiss Fish and Chips verkaufte.

Sascha Kühn erinnert sich, dass seine Mutter schon lange der Wunsch nach einem eigenen Café umtrieb.

Plötzlich war die Chance da

Als sich im März dieses Jahres überraschend die Möglichkeit ergab, die urige Dorfwirtschaft in Mistlau zu kaufen, hat Elke Kühn nicht lange gezögert. „Die Lage gefällt mir total gut“, schwärmt sie, „das Dorf ist einer der schönsten Orte hier in der Gegend.“ Und die Uhren würden in Mistlau anders ticken, wie jüngst ein Gast festgestellt habe.

Entschleugigt ohne Handy

Der fehlende Handyempfang trage zur Entschleunigung bei. Bewusst verzichten die Kühns auch auf die Bereitstellung von Wlan. „Hier muss man noch miteinander reden“, erklärt Elke Kühn mit einem Schmunzeln auf dem Gesicht. Darüber hinaus liegt es ihr am Herzen, auch die Kultur mit einzubinden. Zum Jahresabschluss am 30. Dezember, vor der dreimonatigen Winter- und Umbaupause, wird etwa Rainer Hofmann aus Wittenweiler in der „Lindenau“ mit eigenen Mundartgedichten auftreten.

Das viel diskutierte Gaststättensterben schüchtert ihren Sohn und sie nicht ein. Da sie beide hauptberuflich anderweitig beschäftigt sind, können sie die „Lindenau“ als Hobby und Leidenschaft betrachten. Es sei zwar anstrengend an den Wochenenden zu arbeiten, und in der Anfangszeit mussten sie sich einige Nächte zwecks Vorbereitungen um die Ohren schlagen. „Das ist aber ein positiver Stress“, lenkt Sascha Kühn ein. Zudem erhalten die Betreiber der „Lindenau“ auch Aushilfe von Schülern aus dem Ort. „Es ist schön, junge Leute im Team zu haben“, findet Elke Kühn, „zu zweit ist es sonntags nicht mehr machbar.“ Denn seien es Radfahrer auf dem Kocher-Jagst-Radweg, Wanderer, Reiter oder kulinarische Genießer – sonntagmittags ist die schlichte, aber gemütlich dekorierte Gaststube stets gut gefüllt. „Dieses Wirtshaus hat das Zeug zu einem kultigen Ort, an dem man sich wohlfühlt und gerne hinkommt“, resümiert so ein Besucher im Gästebuch.

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