"Glückwunsch zur Wahl", sagt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim und streckt seine Hand Damiana Koch (Bündnis 90/Die Grünen) entgegen. Die neue Stadträtin, die bislang vor allem als brasilianische Sambatänzerin öffentlich aufgetreten ist, strahlt. Die ausgestreckte Hand ignoriert sie. Küsschen links, Küsschen rechts. Pelgrim ist erst etwas überrascht über diese stürmische Begrüßung, strahlt aber dann auch. "Hier erhalten Sie die Gemeindeordnung. Die müssen Sie dann auswendig lernen", sagt er im Scherz und überreicht ein dickes Buch.

Am Mittwoch werden die 34 neuen Stadträte verpflichtet 28 von ihnen gehörten bereits dem vorangegangen Rat an, vier sind völlige Neulinge, zwei waren schon mal in der Vergangenheit eine Zeitlang im Rat vertreten (Bericht folgt). Der öffentliche Teil der Sitzung ist am Mittwoch recht kurz. Die alten Räte stellen fest, dass für die Verpflichtung der neuen keine Hinderungsgründe vorliegen. Die Neulinge erhalten eine Anstecknadel, die sie als Gemeinderatsmitglieder auszeichnet. Sie unterschreiben ein Gelöbnis, in dem sie sich dem Wohl der Bürger der Stadt verpflichten.

"Wir sind unwesentlich jünger geworden", sagt Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim. Der Altersdurchschnitt des alten Rates habe am Ende der Legislaturperiode 59 Jahre betragen. Die neuen Räte sind im Durchschnitt 55,17 Jahre alt. "Am Ende der Periode wird der neue Gemeinderat dann aber auch so alt sein, wie vorangegangene", sagt Pelgrim.

Er kündigt schon mal an: "Es gibt viel zu tun." Pelgrim nennt die Begleitung des Diak-Neubaus samt "Umplanung des gesamten Diak-Bergs". Die Reaktivierung des Bahnhofsgeländes, die Aufwertung der Innenstadt durch die Umgestaltung des Haalplatzes, ein Nachfolgegebäude fürs Globe-Theater, der Polizei-Neubau sowie Entscheidungen im Bildungsbereich stünden an.

Nach der Verpflichtung der Räte geht es zur Sache. Wie sollen die Ausschüsse zugeschnitten werden? "Wir hatten ein Vorgespräch. Durch die Verringerung der Anzahl der Stadträte sollten auch die Größen der Ausschüsse angepasst werden", erläutert Pelgrim. Er schlägt daher vor, drei der fünf Ausschüsse, in denen Beschlüsse getroffen werden, zu verkleinern (siehe Infobox).

Die Stadträte, die in Kontrollgremien entsandt werden, sollten sich erhöhen - von elf auf zwölf bei der Grundstücks- und Wohnungsbaugesellschaft sowie bei den Stadtwerken. Grund: Das Verhältnis der Fraktionen würden damit besser abgebildet. Die CDU ist dagegen: "Wir verkleinern den Rat und vergrößern die Aufsichtsräte - das konterkariert alles", sagt Thomas Weber (CDU). Doch die anderen Fraktionen sind sich einige, die Vorschlägen der Verwaltung anzunehmen, wobei die Vergrößerung der Aufsichtsräte formal erst später erfolgt.

In der nichtöffentlichen Sitzung steht für die neuen Räte eine große Entscheidung an. Unter drei Bewerbern wählen sie den neuen Fachbereichsleiter Planen und Bauen - den Nachfolger von Eberhard Neumann - aus (siehe Artikel unten).

144 Positionen besetzt

Änderung Verwaltungs- und Finanzausschuss 16 Stadträte (bisher 18); Bau- und Planungsausschuss 18 Stadträte (bisher 21); Personal- und Organisationsausschuss 12 Stadträte (bisher 12); Hospitalausschuss 12 Stadträte (bisher 12); Umlegungsausschuss 10 Stadträte (bisher 11). Beirat: Verkehr/Flugplatz 8 (bisher 7).

Besetzung Wie sich die Stadträte auf 144 zu vergebende Posten verteilen, steht im Internet auf www.hallertagblatt.de

SWP