Hohenlohe / Bettina Lober  Uhr
Der aus Künzelsau stammende Raketenpionier Walter Häussermann (1914 – 2010) half in Huntsville mit, die Astronauten zum Erdtrabanten zu bringen.

Der kühne Griff nach den Sternen geglückt: Menschen sind auf dem Mond“, ist in der Zeitungsausgabe vom 21. Juli 1969 auf der Titelseite zu lesen. Auch in Hall, Hohenlohe und dem Limpurger Land blickten die Menschen wie gebannt auf die Bildschirme. Rudolf Weihbrecht etwa, der früher am Haller Gymnasium bei St. Michael unter anderem eine Astronomie-AG leitete und gemeinsam mit seinem Kollegen Traugott Hald die Schulsternwarte auf den Weg brachte, erinnert sich durchaus noch an das große Fernsehereignis: „Ich war damals 15 Jahre alt, es war spannend.“ Seine Entscheidung, später Physik zu studieren, habe das aber nicht unbedingt beeinflusst, räumt er ein. Dass er in den 80er-Jahren anfing, an der Schule auch Astronomie-Kurse anzubieten, hatte eher mit den astronomiebegeisterten Schülern zu tun.

Zuständig für die Steuerung

Dass die amerikanische Rakete Apollo 11 mit der Landefähre „Eagle“ am 21. Juli 1969 um 3.54 Uhr mitteleuropäischer Zeit auf dem Mond landete, ist zu einem guten Teil auch das Verdienst von Walter Häussermann (1914–2010). Der gebürtige Künzelsauer und Raketenpionier war ein enger Mitarbeiter von Wernher von Braun im US-Raumfahrtprogramm und als Abteilungsdirektor für Steuerung und Navigation der Mondrakete zuständig.

Die Mondlandung vor 50 Jahren zog auch die Hohenloher in ihren Bann – und vor die TV-Geräte.

Geboren wurde Walter Häussermann am 2. März 1914 als Sohn des Eisenwarenhändlers Otto Häussermann in Künzelsau. Bereits während seiner Schulzeit sei er vom Antrieb eines Fahrzeugs durch Raketen fasziniert gewesen, wie er einst erzählte. Er baute einen kleinen Wagen mit Teilen aus einem Märklin-Baukasten, an dem er kleine Weinberg-Raketen anbrachte. Den – allerdings vergeblichen – Startversuch führte er am Künzelsauer Sportplatz aus. „Ich habe mich dann darauf beschränkt, Bücher über Raketen zu lesen“, erzählte er in einem Zeitungsinterview.

Von 1928 bis 1932 besuchte Häussermann die Oberrealschule in Schwäbisch Hall. Sein damaliger Physiklehrer Dr. Keller, mit dem er zusammen die praktischen Versuche für den nächsten Tag vorbereitete, muss ihn sehr geprägt haben, wie sein bereits 2010 verstorbener Neffe Gert Häussermann aus Künzelsau einst berichtete. Er war für seinen Onkel quasi die Verbindung in die alte Heimat.

Bei Bosch in Feuerbach hat Walter Häussermann ein Praktikum absolviert und studierte dann Elektrotechnik in Stuttgart und Darmstadt. Nach Kriegsausbruch wurde er 1939 zur Heeresversuchsanstalt Peenemünde dienstverpflichtet. Unter der Leitung von Wernher von Braun wurde dort die Entwicklung der „A“-Raketenserie vorangetrieben – Vernichtungswaffen des Naziregimes. 1942 verließ Häussermann Peenemünde, um wieder am Institut für Technische Physik an der TH Darmstadt zu arbeiten. Der Russlandfeldzug hatte ihn veranlasst, sich nach Westen abzusetzen – „ich hatte keine Hoffnung, dass das gut ausgehen könnte“.

50 Jahre ist die Apollo11-Mission her. Am 20. Juli 1969 verfolgten 650 Millionen Menschen die erste Mondlandung. Die Bilder lieferte Technik aus Oberkochen.

Nach Kriegsende übernahmen die USA viele deutsche Raketeningenieure. So kam Häussermann im Januar 1948 in die USA. Zunächst in Fort Bliss, später in Huntsville war er für die Entwicklung und Verbesserung der Raketensteuerung zuständig, machte dabei auch entscheidende Erfindungen und entwickelte das Kreiselkompass-System. An sämtlichen Mondflügen war er beteiligt und gehörte zum NASA-Team am Weltraumbahnhof Cape Canaveral. Er hat auch die Raumstation Spacelab mitentwickelt.

Ob es ihn nicht gereizt habe, selbst einmal ins All zu fliegen, wurde Häussermann kurz vor seinem 96. Geburtstag gefragt. „Nein, ich bin ja schließlich Ingenieur“, seine knappe Antwort. Noch bis ins hohe Alter hat sich Häussermann mit der Raumfahrt beschäftigt. Am 8. Dezember 2010 ist er in Huntsville im US-Bundesstaat Alabama gestorben.

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Noch ein Hohenloher im Apollo-Team von Huntsville

Mit Ernst Stuhlinger war ein weiterer Hohenloher im Mondmissions-Team bei Wernher von Braun aktiv. Stuhlinger wurde am 19. Dezember 1913 in Niederrimbach bei Creglingen geboren. In Tübingen besuchte er die Oberrealschule. Später studierte er Physik, Mathematik und Zoologie. Ab 1939 war er in die deutsche Atomenergie­forschung involviert. Von 1943 an arbeitete er in Peenemünde in von Brauns Raketenprogramm mit. Zwischen den Wissenschaftlern bildete sich eine herzliche Freundschaft. Stuhlinger war sowohl in Deutschland als auch später in den USA einer der führenden Köpfe in von Brauns Team. Ernst Stuhlinger starb am 25. Mai 2008 in Huntsville.