Kirchberg Künstler an einem lebendigen Ort

Fünf der neun verbliebenen Schlosskünstler (von links): Dieter Rehberger, Sonja Streng, Ulrike Willens-Eppinger, Susanne Neuner und Bettina Brand-Albrecht.
Fünf der neun verbliebenen Schlosskünstler (von links): Dieter Rehberger, Sonja Streng, Ulrike Willens-Eppinger, Susanne Neuner und Bettina Brand-Albrecht. © Foto: Ralf Snurawa
Kirchberg / Ralf Snurawa 06.06.2018
Einst hatten 69 Künstler ihre Ateliers im Schloss. Nun sind noch neun übrig. Die Gründe sind vielfältig.

Sonja Streng ist eine der verbliebenen Künstlerinnen. Sie meint, dass viele gegangen sind, weil sich seither auch viel verändert habe. Dazu gehörte etwa der Schlossverkauf der Evangelischen Heimstiftung an die Stiftung „Haus der Bauern“. Bettina Brand-Albrecht findet, dass da etliche aus Gründen der Unsicherheit mit Blick auf die Mietkosten das Schloss verlassen hatten. Sonja Streng begleitet das mit einem Kopfschütteln: „Ich kann es nicht verstehen, warum manche zu diesem Zeitpunkt Hals über Kopf weg sind.“

Susanne Neuner ist der Auffassung, dass es eben Künstler gab, die es mit ihrer Kunst nicht so ernst gemeint hätten wie andere: „Der harte Kern, der es ernsthaft betrieben hat, ist noch da.“ Das sind neben den drei genannten Künstlerinnen noch Hartmut Volk, Ulrike Wilkens-Eppinger, Uwe Ingo Steinorth, Dieter Rehberger, Michael Glass und Henrik Dellbrügge. Vier von ihnen haben ihre Ateliers im Innenhof des Schlosses, vier im Marstallgebäude und Michael Glass besitzt noch eines im zweiten Stockwerk des Schlosses.

Ein lebendiger Ort

Und sie nehmen auch heute noch rege am Schlossleben teil. Sonja Streng nennt das Schloss „einen lebendigen Ort“. Dieter Rehberger bringt es auf den Punkt: „Früher habe ich gerufen: Das Schloss lebt – als niemand da war. Jetzt lebt es tatsächlich.“

Allerdings gehen die Künstler schon seit 2010 an die Öffentlichkeit. In jenem Jahr fand die erste „Lange Kunstnacht“ statt. Ziel war es dabei auch, die Putten im Schlosspark mit dem Erlös aus der Kunstnacht renovieren zu lassen.

Im Jahr darauf gründete sich nach der zweiten Kunstnacht der Verein „Aufgeschlossen“ unter der Schirmherrschaft der Heimstiftungsleiterin Dorothea Bohn. Ziel war es, Veranstaltungen eine rechtliche Grundlage zu geben. Doch schon 2013 wurde der Verein zudem Pächter des Schlosses. In eigener Regie wurden Vermietungen, Schlossquartier oder Energiekosten geregelt. Sonja Streng und Ulrike Wilkens-Eppinger sind der Meinung, dass es mit ein Verdienst des Vereins war, dass das Schloss heute noch so erhalten ist.

2016 wurde das Schloss dann an die Stiftung „Haus der Bauern“ verkauft. Als Folge daraus löste sich der Verein „Aufgeschlossen“ im Mai 2017 auf. Viele Mitglieder zogen erst damals aus dem Schloss aus, weitere nach dem Beginn der Renovierungsarbeiten im Hauptbau. Umzüge von Ateliers gehörten auch dazu.

Gutes Verhältnis zur Stiftung

Mit Rudolf Bühler und der Stiftung komme man gut klar, hält Dieter Rehberger fest. Nicht nur, dass den Künstlern „Sondermietpreise“ für ihre Ateliers angeboten wurden; die Künstler würden ebenso bei den wöchentlichen Sitzungen angehört. „Wir können uns bei den Planungen einbringen“, ergänzt Sonja Streng.

Im Jagdsaal und in der Schlosskapelle gab es seither etwa die gemeinsame Ausstellung „Es werde Licht“. Im Treppenhaus zum Rittersaal des Schlosses finden keine Ausstellungen mehr statt. Die Betreiber des Schlosscafés zeigen sich offen und lassen die Künstler ihre Bilder dort hängen.

Eine Kunstnacht hat es seit dem Schlossverkauf nicht mehr gegeben. Für nächstes Jahr ist aber wieder eine angedacht. Als Nächstes werden sich die Künstler am Buchmarkt beteiligen.

Da sind nicht nur alle Ateliers zwischen 14 und 17 Uhr offen zur Besichtigung; Susanne Neuner zeigt darüber hinaus japanische Buchbindung. Außerdem lesen Wildis Streng aus ihrem „Muswiese“-Krimi und Eliz Simon aus „Versorge dich selbst“. Im Oktober wird es bei der Akademie Schloss Kirchberg Workshops mit den Schlosskünstlern geben: Aktzeichnen und -malen mit Sonja Streng sowie Kaltnadelradierung mit Dieter Rehberger.

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