Sieder Kuchen- und Brunnenfest: Wohl wegen Hitze weniger Besucher als 2013

Gänsehaut garantiert: Die Tänzer des Großen Siedershofes führen am Samstagabend ihren Fackeltanz auf dem Marktplatz auf. Wie gebannt beobachten die Zuschauer das Geschehen unter dem malerischen Halbmond.
Gänsehaut garantiert: Die Tänzer des Großen Siedershofes führen am Samstagabend ihren Fackeltanz auf dem Marktplatz auf. Wie gebannt beobachten die Zuschauer das Geschehen unter dem malerischen Halbmond. © Foto: Ufuk Arslan
Schwäbisch Hall / OLGA POSSEWNIN 10.06.2014
Es ist, als würde sich eine Kuppel über Hall legen, wenn die Sieder ihr alljährliches Kuchen- und Brunnenfest feiern - Ausnahmezustand pur. Wieder gab es einiges zu staunen, zu lachen und zu honorieren.

Nachdem beim vergangenen Kuchen- und Brunnenfest nicht nur Asche und Zeitungspapier vom Himmel runterkamen, sondern vor allem viel Regen, meint es Petrus dieses Mal gut mit den Siedern. Zu gut. Denn das ganze Pfingstwochenende lang schwitzen diese unter ihren historischen Trachten bei Temperaturen wie in der Sahara. Ein Umstand, der auch für weniger Besucher sorgte als 2013. "Es sind schätzungsweise 17.000 bis 18.000 Menschen da gewesen", informiert Robert Spoden, der für die Organisation des Festes verantwortlich ist.

Viele entschieden sich bei der Hitze eher fürs Freibad. Nichtsdestotrotz bieten der Kleine und Große Siedershof, die Musikgruppe Haalgschrey, die Schauspieler von Haalunkel und alle Helfer ein kurzweiliges und abwechslungsreiches Programm.

Hoolgaaschtschreck: Kanone funktioniert nach Rohraustausch

Den Auftakt feiern die Sieder diesmal - nach einer Pause von 13 Jahren - in Weckrieden. Denn jedes Jahr wird das Fest in einem anderen Teilort Halls eröffnet. Die Sieder werden von den Einwohnern und vor allem den Landfrauen, die für sie ein Plakat angefertigt haben, freudig empfangen. Sie stehen oben auf einem Balkon und klatschen zur Musik.

Am Samstag werden die Mühlenschiffchen, ein süßes Gebäck, in den Altenheimen und Pflegestiften Halls verteilt. Auf der Busfahrt dorthin herrscht ausgelassene Stimmung. Es wird musiziert, gelacht und herumgealbert. Die Einkerkerungsszene von Delinquenten in den Sulferturm am Haalplatz sorgt für "Ohs", "Ahs" und auch das ein oder andere Schmunzeln.

Eine Gänsehaut verschafft am lauen Samstagabend der Fackeltanz auf dem Marktplatz. Als dann der Hoolgaascht auftritt - in eher lustiger als gruseliger Verkleidung - schwingt die Stimmung der Zuschauer von besinnlich in heiter um. Bis kurz vor Beginn des Kuchen- und Brunnenfestes blieb ungewiss, ob die Kanone, der sogenannte Hoolgaaschtschreck, zum Einsatz kommt, weil es Probleme mit dem Rohr gab. Der Tüv versagte zunächst die Genehmigung. Doch es geht alles gut und die Kanone kann mit ohrenbetäubendem Lärm abgefeuert werden.

Die mittelalterlichen Gerichtsszenen am Sonntagmorgen ermüden bei der Hitze eher, als dass sie unterhalten. Wenigstens bekommen die Jungsieder eine kleine Abkühlung, als sie durch die Taufe in den Großen Siedershof aufgenommen werden. Spektakulär ist der nachgestellte Mühlenbrand auf dem Grasbödele, der dank mit Spezialeffekten erzeugtem Rauch wie echt wirkt. Viele Besucher staunen.

Doch wer denkt, dass die Sieder nur mittelalterliche Programmpunkte zu bieten haben, der täuscht sich. Das beweisen sie am Sonntagabend beim musikalischen Abschluss des Kuchen- und Brunnenfestes auf dem Marktplatz. Besonders die modernen Stücke wie "Ich war noch niemals in New York" ernten frenetischen Applaus.

Nachdem alles überstanden ist, kann man viele Sieder in den Armen ihrer Liebsten beobachten, denen die Freude darüber anzusehen ist, ihre Partner oder Kinder wiederzuhaben. Erleichterte Gesichter, wohin das Auge reicht. Nun kehren alle in die Normalität zurück - zumindest für ein Jahr, bis alles wieder von vorne anfängt.

Fest der Superlative - Polizei meldet Positives

Wasser statt Wein 60 Kisten à zwölf Flaschen Wasser wurden im Laufe des Wochenendes von Siedern, Spielleuten und Helfern getrunken.

Schwergewicht Stolze 110 Kilo brachte der Siederskuchen auf die Waage. Der untere Stock hatte einen Umfang von vier, der mittlere von zwei und der obere von einem Meter. Fünf Tage haben Bäckermeister Stefan Renner und seine beiden Mitarbeiter Stefan Ebert und Anke Klemmer an der Herstellung des aus 958 Schnecken bestehenden Kuchens gearbeitet.

Wenig Vorfälle Laut Polizeiführer vom Dienst der Polizeidirektion Aalen, Thomas Bort, gab es bis auf kleinere Auseinandersetzungen keine Vorfälle beim Kuchen- und Brunnenfest.

SWP