Schwäbisch Hall Krumme Geschäfte mit dem Tod Bestatter aus Schwäbisch Hall steht ab heute vor Gericht in Heilbronn

Ein Sarg in der Brennkammer eines Krematoriums. Foto: Kay Nietfeld/dpa
Ein Sarg in der Brennkammer eines Krematoriums. Foto: Kay Nietfeld/dpa
THUMILAN SELVAKUMARAN 16.01.2014
Ein Haller Bestatter, dem pietätloses Verhalten vorgeworfen wird, steht ab heute in Heilbronn vor Gericht. Es geht in diesem Verfahren zunächst nur um den Vorwurf des Betrugs bei Vorsorgeverträgen.

Die mit 30 Minuten recht kurz geplante Verhandlungsdauer vor dem Landgericht Heilbronn spricht dafür, dass der Fall, der sich um einen sechsstelligen Betrag dreht, recht eindeutig ist. Letztlich hatte der Beschuldigte, ein Haller Bestatter, einige Vorwürfe eingeräumt, wie er über seinen Haller Verteidiger Michael Fust erklären ließ.

Mit manchen seiner Kunden vereinbarte der 32-Jährige Vorsorgeverträge. Die Kunden legten mehrere Tausend Euro bei ihm an, um für die eigene Bestattung finanziell vorzusorgen. Das Geld sollte auf Treuhandkonten gezahlt werden.

"Manche wurden treuhänderisch angelegt, eine Vielzahl aber nicht", sagt Fust über die Arbeitsweise seines Mandanten. Statt auf dem Treuhandkonto landeten die Beträge von rund 50 Kunden zum Teil auf dem Privatkonto des Bestatters - und sind nun verschwunden. Der 32-Jährige wurde bereits im Frühjahr wegen Insolvenzverschleppung verurteilt. Geld sei keines mehr da, erklärt sein Verteidiger auf Nachfrage. Sein Mandant biete aber den Betroffenen die Durchführung der Bestattung über Dritte an.

Für den Haller Rechtsanwalt Elko Röhrich, der mehrere Betroffene vertritt, klingt das wie blanker Hohn. "Wer will sich von jemandem bestatten lassen, dem Pietätlosigkeit vorgeworfen wird?" Der Bestatter hatte nämlich teure Särge verkauft und die Leichen später in billige Särge umgebettet. Die Asche in Urnen wurde ebenfalls vertauscht. Beides hat der Angeklagte über seinen Anwalt bestätigt - allerdings handle es sich bei Letzterem nicht um Vorsatz.

In diesen Fällen wurden die Ermittlungen in den vergangenen Tagen abgeschlossen. Bis zur Anklageerhebung kann es sich aufgrund der Masse an Dokumenten noch Wochen hinziehen.