Rosengarten/Heilbronn Kriminelles Trio bricht Schweigen

© Foto: Alain Jocard/afp
Rosengarten/Heilbronn / ELEONORE HEYDEL 10.11.2014
Die drei jungen Männer aus Westheim, die vor dem Heilbronner Landgericht unter anderem wegen bandenmäßigen Drogenhandels angeklagt sind, haben die Vorwürfe teilweise eingeräumt.

Die drei Angeklagten im Alter von 20, 21 und 22 Jahren geben inzwischen zu, dass sie ab 2012 mit Haschisch gehandelt haben. Als Bande möchten sie aber nicht gesehen werden. "Wir waren wie Brüder", sagen die drei langjährigen Freunde.

Auch einen weiteren schweren Vorwurf räumen sie ein: Sie haben am 23. März 2013 einen jüngeren Bekannten aus der Haschisch-Szene zwingen wollen, ihnen das Versteck von 1800 Euro zu verraten. Dieses Geld soll der Bekannte vorher aus der Westheimer Wohnung des 21-jährigen Angeklagten gestohlen haben. Das Drogengeld war in einer Sofaritze versteckt.

Die "Lektion", die man dem vermeintlichem Dieb erteilen wollte, sah so aus: Der vorbestrafte Jüngste der Westheimer Trios hielt dem Jugendlichen im Auto einen täuschend echten Schreckschussrevolver an die Schläfe und drückte ab, ohne dass sich ein Schuss löste. Er habe zwar "so getan", räumte der 20-Jährige vor Gericht ein, als lade er den Revolver. In Wirklichkeit sei keine Patrone darin gewesen. Später fuhren die drei mit ihrem Opfer in den Wald und vermittelten ihm, er könne jetzt sein Grab schaufeln. Als der völlig verunsicherte Jugendliche tiefer in den Wald wegrannte, ließen sie ihn laufen.

Von den drei Freunden ist nur der 22-jährige älteste in Haft genommen worden. Laut Anklage ist er in den Banküberfall auf die VR-Bank in Westheim am 17. Januar dieses Jahres verwickelt. Der Überfall wurde im März aufgeklärt: Ein 16-Jähriger war der Täter. Pikant: Dieser Junge ist der Bruder des 20-jährigen Westheimers, der sich jetzt mit seinen zwei Freunden vor der Heilbronner Jugendkammer verantworten muss.

In dieser Konstellation sind Fragen offen. Der junge Täter des Banküberfalls hat ausgesagt, er sei vor der Tat von dem ältesten der angeklagten Dealer mit einer Waffe bedroht worden. An ihn habe er 6000 Euro aus der Beute abliefern müssen. Der beschuldigte 22-jährige Angeklagte weist im Heilbronner Prozess diese Vorwürfe zurück. Bisher gibt es keinen Beweis. Sollte aber tatsächlich der Löwenanteil der Beute an ihn gegangen sein, so drängt sich die Frage auf: Hat er das Geld dann für sich allein genommen?

Die drei Angeklagten belasten sich nicht gegenseitig. Dem ältesten jedoch droht nicht nur wegen der möglichen Verwicklung in den Westheimer Banküberfall die höchste Strafe. Er soll in der "Westheimer Gruppe" tonangebend gewesen sein. Er soll auch das Haschisch besorgt haben, das mit erheblichem Gewinn weiterverkauft wurde.

Im Gegensatz zum jüngsten Angeklagten ist der älteste strafrechtlich nur wenig vorbelastet. Der 22-Jährige ist auch der Einzige, dessen Angehörige regelmäßig als Zuhörer am Prozess teilnehmen. Von einer psychiatrischen Gutachterin wurde er auf seinen Missbrauch von Substanzen (Alkohol und Drogen) hin untersucht.

Die Gutachterin stellte bei ihm eine ausgeprägte ADHS-Störung fest. Durch den Konsum von Cannabis habe der 22-Jährige eine "Selbstmedikation" vorgenommen - er sei dadurch ruhiger geworden. Er benötige jetzt eine umfassende Therapie. Ein anderes Thema ist seine berufliche Zukunft. Er war im dritten Lehrjahr, als er vor acht Monaten inhaftiert wurde. Die bisherige Lehrzeit scheint verloren.

Der Prozess wird erst Ende November fortgesetzt.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel