Eine dichte Rauchsäule stieg am Waldfriedhof meterhoch in den Nachthimmel. Etwas mehr als ein halbes Jahr ist es nun her, dass es im Haller Humankrematorium brannte. Das Feuer brach in einer von zwei Verbrennungseinheiten aus. Ermittler gingen von einem technischen Defekt aus. Der Schaden summierte sich auf 1,5 Millionen Euro. Die Brandschutztüren, die nachts immer geschlossen sind, haben ein Übergreifen der Flammen auf die anderen Räume verhindert, sagte damals Sandra Lutz. Sie betreibt zusammen mit ihrem Ehemann Jochen das Humankrematorium und in einem Gebäude nebenan ein Tierkrematorium.

Brand im Krematorium Brand im Krematorium Schwäbisch Hall am 13. März 2019

Versicherung erstattet Schaden

Heute läuft der Betrieb im Haller Westen wieder normal, wie Jochen Lutz auf Nachfrage erklärt. Der beschädigte Gebäudeteil sei abgerissen und neu aufgebaut worden. „Versicherung und Handwerker haben sehr gut mitgespielt.“ Die Schadensumme sei vollständig erstattet worden. „Wir wurden von keinem hängen gelassen.“ Die Zeit seit dem Brand sei „sehr intensiv“ gewesen, habe „Nerven und Gesundheit“ gekostet, meint Lutz. Aber da die Betriebe alle „ordentlich angepackt“ hätten, sei bereits im Juni, also drei Monate nach dem Feuer, das Objekt wieder gestanden. „Wir wollten keine Kunden oder Bestatter verlieren und haben mit mehr Mitarbeitern unsere eigentliche Arbeit gestemmt.“ Da eine Verbrennungseinheit unbeschädigt geblieben war, habe niemand abgewiesen werden müssen.

Neuer Abschiedsraum geplant

Nun stehe das Gebäude zwar, auch die zweite Verbrennungseinheit laufe wieder – „aber wir wollen die Situation nutzen, um ein paar Dinge anders zu machen“. Das 2009 eröffnete Haus soll einen neuen Abschiedsraum bekommen, außerdem farblich neu gestaltet werden.

Schwäbisch Hall

Das ist aber nicht das einzige Projekt der tüchtigen Unternehmerfamilie, die unter anderem das Smartino-Hotel im Solpark betreibt, außerdem noch ein Humankrematorium in Schwäbisch Gmünd und ein Tierkrematorium in Oedheim.

Eine Gesetzesänderung hatte den Betrieb des Pferdekrematoriums ermöglicht. Die 2017 eröffnete Anlage in Hall ist bundesweit die einzige dieser Art – aber nicht mehr lange. Derzeit lässt Familie Lutz ein ähnliches Projekt in Blender im Kreis Verden in Niedersachsen für 2,2 Millionen Euro realisieren. Baustart war im Mai. „Bis Dezember wollen wir fertig sein und im Frühjahr eröffnen“, meint Jochen Lutz.

Anfangs gab es dort Widerstand aus der Bevölkerung. Der hat sich zwischenzeitlich gelegt. Nun freut sich unter anderem der Blender Bürgermeister Andreas Meyer über die Entwicklung im dortigen Baugebiet Holtum-­Marsch. „Die Bevölkerung war am Anfang zum Teil sehr skeptisch“, wird Mayer im „Achimer Kurier“ zitiert. Das Ehepaar Lutz sei aber „immer sehr offen mit ihren Plänen umgegangen“. Und weiter: „Dass Sie hier nun bauen, ist ein schöner Start für das neue Gewerbegebiet.“

Es werden nur Pferde kremiert

Anders als in Hall würden in Blender nicht generell Tiere, sondern nur Pferde kremiert. „Das hat Gründe im Genehmigungsverfahren“, erklärt Jochen Lutz. Diese Verfahren seien, wenn alle Tiere feuerbestattet werden sollen, sehr aufwendig und zögen sich in die Länge. „Daher haben wir uns im pferdereichsten Bundesland für dieses Konzept entschieden.“ Lutz rechnet mit einer großen Nachfrage.

Der Markt für Pferdekremierungen müsse sich allerdings insgesamt noch entwickeln. Bis zur Gesetzesänderung wurden Pferde in Tierkörperbeseitigungsanlagen verbrannt. Das sei pietätlos, so Lutz. Bislang beherrscht sein Betrieb den Markt alleine. „Das ändert sich aber“, weiß auch der Rosengartener. „In München wurde einem Unternehmer eine Genehmigung für ein Pferdekrematorium erteilt.“ Weitere Pferdekrematorien werden kommen – „nicht nur von uns“.

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Im Tierkrematorium werden täglich 15 bis 20 Haustiere feuerbestattet, berichtet Betreiber Jochen Lutz. Dabei handle es sich vorwiegend um Hunde und Katzen. Bei Pferden liege die Zahl bei drei bis fünf pro Woche. Die Firma holt die Pferde bundesweit ab. Die Kremierung kostet für einen Hamster 50 Euro, für einen Hund rund 300 und für ein großes Pferd 3500 Euro. Die Kremierung eines Pferds dauert bei einer Temperatur von 850 Grad rund acht Stunden. Etwa 25 Kilo Asche bleiben übrig.

Familie Lutz beschäftigt nach eigenen Angaben sieben Personen im Humankrematorium und fünf Personen im Tierkrematorium. In der neuen Anlage in Blender sollen drei Vollzeitkräfte eingestellt werden. „Danach werden wir schauen, ob wir die Mitarbeiterzahl noch erhöhen“, so Sandra Lutz.

Hall hat seit Ende 2018 einen eigenen Tierfriedhof. Auf einem separaten Grabfeld am Rande des Waldfriedhofs können Haustiere wie Hunde, Katzen, Hamster, Kaninchen und Vögel bis zu einem Maximalgewicht von 30 Kilogramm bestattet oder per Urne beigesetzt werden. Das geht in Rasengräbern, Reihen-, Wahlgräbern sowie in anonymen Gräbern. 25 000 Euro hat die Stadt für die Erstellung investiert. thumi