Schwäbisch Hall Fachtag im Diak: Krankheit Parkinson im Fokus

Schwäbisch Hall / Manuela Giesel 06.11.2018
Bei einem Fachtag in Schwäbisch Hall sind die neuesten Erkenntnisse und Methoden bei der Behandlung von Parkinson vorgestellt worden.

Für die Patienten und ihre Angehörigen ist diese Diagnose oftmals ein Schock: Parkinson. Rund 150 Besucher informierten sich kürzlich in der Bausparkasse Schwäbisch Hall über die Therapie-Entwicklungen der Krankheit Parkinson. Die Schwerpunkte lagen bei der Behandlung von Schmerzen, die durch Morbus Parkinson verursacht werden und bei den Forschungsergebnissen von mentalen Beeinträchtigungen, die durch die Erkrankung entstehen.

Zum vierten Mal begrüßte die Neurologische Klinik am Diak Betroffene, Angehörige, Ärzte und Besucher zum Fachtag. Zum Auftakt stimmten die Sängerinnen und Sänger des Parkinsonchores unter der Leitung von Andrea Laun die Besucher mit fröhlichen Versen ein. Der Austausch Betroffener untereinander und die Impulse, die durch die Informationen und Workshops gewonnen werden, seien extrem wichtig für die Erhaltung und Steigerung der Lebensfreude. Dies betonte Oberärztin Dr. Simone van de Loo in ihrer Begrüßung.

Schmerzskalen wichtig

„Wir haben die Hoffnung und den unbedingten Wunsch, die Parkinsonerkrankung so früh wie möglich zu erkennen und so zu behandeln, dass wir den Verlauf der Krankheit in einem frühen Stadium verzögern oder aufhalten können“, so Professor Heinz Reichmann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus der TU Dresden. Mittlerweile gibt es sichere Methoden, um Parkinson zu diagnostizieren: über Ultraschall, DAT-Scan  und umfangreiche Untersuchungen wie zum Beispiel Riechtests. In seinem Vortrag erläuterte Reichmann Schwerpunkte der momentanen Behandlungsformen. Heute gelinge es oft durch schnelle und gut eingeleitete Medikation in enger Abstimmung mit den Patienten, dass Symptome zunächst für eine längere Zeit sehr gut unterdrückt werden könnten.

In einem späteren Stadium können mit der Apomorphinpumpe oder einer gezielten Pumpentherapie über den Dünndarm (Duodopa) wirkungsvolle Medikamente in den Körper eingebracht werden. Nach Meinung des Neurologen verstärke das die Wirkung, aber auch oft die Nebenwirkungen einer Therapie. Deshalb sei die enge Abstimmung mit den Patienten und dessen Angehörigen besonders wichtig. Schmerz und Parkinson kann unterschiedlichste Kombinationen und Ausprägungen annehmen. Deshalb sind für den Therapeuten sogenannte Schmerzskalen wichtig, um gemeinsam mit dem Patient die Therapie möglichst individuell festzulegen.

Professorin Elke Kalbe, Leiterin der Medizinischen Psychologie, Neuropsychologie und Gender Studies an der Uniklinik Köln, berichtete von den Ergebnissen ihrer Forschungen zum Thema Demenz und Parkinson. Demenzielle Erkrankungen beeinflussen die Lebensqualität der Betroffenen, aber auch die der Angehörigen stark. Professorin Kalbe geht mit ihrem Team in Studien aktiv an die Fragen heran: Kann man mit gezieltem Training die Defizite wie Beweglichkeit, Gedächtnisstörungen und Sprachstörungen verbessern? Ihre Erkenntnisse stimmen positiv: Mit gezieltem neurologisch fundiertem Training lassen sich langfristig gute Ergebnisse für die Betroffenen erreichen.

In drei Workshops konnte man dann die Therapieansätze kennenlernen. Mit einem praktischen Mix aus dem Bereich der kognitiven Therapien befasste sich Ann-Kristin Folkerts aus dem Team rund um Professorin Elke Kalbe von der Uniklinik Köln. Sie zeigte neue Methoden und Anregungen für Übungen, die zur Verbesserung des Gedächtnisses oder der Konzentration unkompliziert zu Hause selbst angewendet werden können.

Physiotherapeutin Barbara Gostmann von der Scola Bildungsakademie in Waldenburg vermittelte einer weiteren Gruppe Tai-Chi-Wissen und die entsprechenden Techniken für die langsamen und fließenden Bewegungen. Denn Tai-Chi ist Meditation in Bewegung, meinte die Physiotherapeutin, obwohl Tai-Chi eine ursprünglich in China entwickelte Kampfkunst sei.

Im dritten Workshop des Tages konnte man rhythmische Tangoklänge vernehmen. Zahlreiche Teilnehmer tanzten alleine oder zu zweit im Takt der Musik. „Tanzen macht Spaß und beeinflusst die motorischen Fähigkeiten von Menschen mit Parkinson“, erklärt Cornelia Winter, Tanz- und Ausdruckstherapeutin im Zentrum für psychische Gesundheit Schwäbisch Hall. Die Teilnehmer lernen Strategien zu nutzen, um Bewegungsabläufe zu erlernen.

Info Ab dem 19. November bietet die Neurologische Klinik des Diaks Tanzabende für Parkinsonpatienten an. Kontakt: Nicole Scheuenstuhl, Telefon 07 91 / 7 53 46 71 oder E-Mail nicole.scheuenstuhl@dasdiak.de. Die Autorin Manuela Giesel leitet die Öffentlichkeitsarbeit am Diak.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel