Fichtenberg Krankenkasse hart bei Kopfschmerzattacken

Peter Braun besucht ein Seminar für Leiter von Selbsthilfegruppen.
Peter Braun besucht ein Seminar für Leiter von Selbsthilfegruppen. © Foto: Cornelia Kaufhold
Fichtenberg / Cornelia Kaufhold 19.06.2018
Peter Braun aus Fichtenberg will Selbsthilfegruppe Cluster-Kopfschmerz gründen.

Seit 25 Jahren leidet Peter Braun an Kopfschmerzattacken, die manche seiner Leidensgenossen in den Selbstmord treiben. Der 57-jährige gelernte KFZ-Meister kann wegen einer Herzerkrankung nicht die für Cluster-Patienten angezeigten Medikamente nehmen.

Um die Dauer der Schmerzattacken von zwei, drei Stunden zu mindern, empfehlen Schmerzärzte, hochkonzentrierten Sauerstoff einzuatmen. Aber dieses schleimhautreizende Gas muss Braun bereits wegen einer schweren Schlafapnoe während der Nacht in seine Lungen pressen. Der zweifache Vater hat in Schmerzzentren in Würzburg und Kassel das Gamma-Core-­Gerät entdeckt. Mit dem elektrischen Gerät stimuliert er den Vagusnerv am Hals. „Wenn ich es rechtzeitig einsetze, kann ich damit die Schmerzattacke erheblich verkürzen und mindern“, sagt Peter Braun. 350 Euro zahle er für das Gerät, es hält circa vier Wochen. „Das kann ich mir auf Dauer nicht leisten“, erklärt der Patient aus Fichtenberg. Er ist nur noch eingeschränkt erwerbsfähig. Seine Krankenkasse verweigert jedoch die Kostenübernahme.

„Die Herstellerfirma hat bis heute keine Zulassung für das Gamma-Core-Gerät beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) beantragt“, argumentiert die AOK Heilbronn-Franken. Dies sei aber notwendig, damit der G-BA eine positive Empfehlung zum diagnostischen und therapeutischen Nutzen der Methode abgeben und die AOK den Antrag des Patienten genehmigen kann. „Das wird auch noch einige Jahre dauern“, sagt Günther Halfar, der den Vertrieb von Gamma-Core in Deutschland für die amerikanische Herstellerfirma managt.

Peter Braun kann nicht nachvollziehen, dass die AOK Hessen nach einer Einzelfallprüfung durch den Medizinischen Dienst (MDK) einem Cluster-Patienten das Gamma-Core-Gerät bezahlt. Auf Anfrage argumentiert der MDK, bei Peter Braun liege weder eine lebensbedrohliche oder regelmäßig tödliche Erkrankung vor, bei der keine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung zur Verfügung steht.

Brauns Schmerzärztin ist da anderer Ansicht als ihre Kollegen vom MDK. Der meint, das Gamma-Core-Gerät biete weder eine Aussicht auf Heilung noch eine spürbar positive Wirkung auf den Krankheitsverlauf. Hier ist der Patient anderer Ansicht. Doch das hilft ihm nicht weiter. Er will eine Selbsthilfegruppe gründen und hat das Angebot der AOK für ein Seminar für Leiter von Selbsthilfegruppen angenommen. Danach will Peter Braun eine Gruppe gründen, in der sich Cluster-Patienten Tipps geben und gegenseitig beistehen können.

Fall fürs Sozialgericht

Außerdem hat der Fichtenberger Klage vor dem Heilbronner Sozialgericht erhoben. Wann dort eine Entscheidung fällt, ist noch offen. Bislang hat das Gericht noch keinen Prozesstermin anberaumt. Cornelia Kaufhold

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