Verkehr Krach steht auf dem Prüfstand

Beatrice Schnelle und Norbert Acker 20.01.2018

Die Europäische Union will ihre Bürger vor Lärm schützen. Dafür hat die EU-Kommission schon im Jahr 2012 eine Umgebungslärmrichtlinie herausgegeben. In Deutschland sind die darin enthaltenen Auflagen im Bundesimmissionsschutzgesetz festgehalten. Unter anderem wird die ­Erstellung von sogenannten Lärm­aktionsplänen verlangt, in denen „Ziele, Strategien und Maßnahmen zur Minderung des Straßenverkehrslärms zum Schutz ruhiger Gebiete“ zu formulieren sind.

In Baden-Württemberg obliegt die Umsetzung den Kommunen. Die erste flächendeckende Kartierung wurde unmittelbar nach Inkrafttreten der EU-Richtlinie vorgenommen. Die zweite Runde hätte eigentlich bis 30. Juli 2017 abgeschlossen sein sollen. Allerdings haben bisher erst 43 Prozent der Kommunen ihre Hausaufgaben gemacht. Um die Eröffnung eines EU-Vertragsverletzungsverfahrens zu vermeiden, sind die säumigen Verwaltungen nun vom Verkehrsministerium ermahnt worden, ihren rechtlichen Verpflichtung nachzukommen. Die gesetzliche Kartierung betrifft ausschließlich Bundes- und Landesstraßen, auf denen binnen 24 Stunden mehr als 8200 Kraftfahrzeuge unterwegs sind.

Rosengarten gehört zu den Gemeinden, in denen die Erfüllung der Richtlinie noch aussteht. Dort ist es die B 19, die den Lärmaktionsplan notwendig macht. Um Ressourcen zu bündeln, Kosten zu reduzieren und die laut Planwerk erforderlichen Lärmschutzmaßnahmen untereinander besser abstimmen zu können, hat man sich mit den ebenfalls in Verzug befindlichen Behörden in Michelfeld und Schwäbisch Hall zusammengetan: „Die Bundesstraße hört schließlich nicht am Ortsausgang Rosengarten auf“, erklärt Bürgermeister Jürgen König.

Sein Rathausteam wurde von den Partnern damit betraut, Angebote zur Erarbeitung eines Lärm­aktionsplans auf den drei Gemarkungen einzuholen. Der Auftrag wurde mittlerweile an die Beratungsfirma für Verkehrsplanung Rapp Trans in Freiburg vergeben. Der Anteil der Kosten an den Messungen, wie laut es zu welchen Tages- und Nachtzeiten entlang der Durchgangsstraßen wird, beträgt für die Gemeinde Rosengarten rund 8000 Euro. Im Haushaltsplan wurden dafür sicherheitshalber 10 000 Euro bereitgestellt. In sechs bis zwölf Monaten sollen die Ergebnisse vorliegen: „Je nachdem, wie gut die Koordinierung zwischen den Partnern funktioniert.“ König hält gemeinsame Sitzungen der drei Gremien für sinnvoll. Auch eine gemeinsame Auftaktveranstaltung sei denkbar.

Mit welchen Maßnahmen der Verkehrslärm auf der stark befahrenen B 19 in Rosengarten zu reduzieren sei, würde eruiert, sobald die Daten bekannt sind. Dann werde man in die Planung einsteigen. „Es kommt zum Beispiel die Einrichtung von Tempo-30-Zonen zu bestimmten Zeiten in Frage oder das Aufbringen lärmmindernder Fahrbahnbeläge.“ Sollten bauliche Veränderungen vorgenommen werden müssen, hofft der Rathauschef dafür auf Fördergelder.

Schallschutzfenster eingebaut

Die letzten Investitionen in den Lärmschutz der Gemeinde liegen schon eine Weile zurück: Zwischen 2006 und 2008 wurden in zwanzig Wohngebäude entlang der B 19 in Uttenhofen und West­heim Schallschutzfenster eingebaut. Die Investition von rund 122 000 Euro bezuschusste das Regierungspräsidium Stuttgart mit 77 000 Euro. Zwischen 2009 und 2010 war für die Genehmigung des Baugebiets Häusles­äcker in Uttenhofen die Errichtung einer Lärmschutzwand notwendig geworden. Im Lärmaktionsplan von 2012 lagen die Dezibelwerte der Bundesstraße auf Gemarkung Rosengarten am Tag bei über 75 und in mittelbarer Umgebung bei 55 bis 65. Während der Nacht sanken sie auf unter 70, beziehungsweise 45 bis 55.

Genaue Termine für gemeinsame Sitzungen der Gremien der drei beteiligten Kommunen stehen noch nicht fest. Man habe vorerst einen „groben Zeitplan durchs Jahr“ vereinbart, sagt Michelfelds Bürgermeister Wolfgang Binnig. „Jetzt haben wir den Startschuss gegeben. Wir warten mal die ersten groben Untersuchungsergebnisse ab.“

Um eventuelle Maßnahmen planen zu können, müsse man wissen, wo in den Gemeinden Werte überschritten werden. Was dann gemacht werden kann, das sei noch völlig offen und ein komplizierter Prozess.

„Die Hauptlärmquelle bei uns ist sicherlich die B 14, die durch den Ort führt“, erklärt Binnig. Hier sei der Bund der Baulastträger. So einfach ließen sich erwünschte Maßnahmen auch nicht umsetzen. Beispiel: Die Gemeinde habe beantragt, die Höchstgeschwindigkeit in der Ortsdurchfahrt auf 30 Stundenkilometer zu beschränken. „Das Landratsamt hat uns dann mitgeteilt, dass wir erst einmal nachweisen müssten, dass die Belastung so hoch ist, dass diese Beschränkung Sinn macht“, so Binnig. Er steht der interkommunalen Zusammenarbeit mit Rosengarten und Hall positiv gegenüber. „Wir sind ja ein gemeinsamer Verkehrsraum. Ich bin mir sicher, dass wir durch eine gemeinsame Lärmaktionsplanung Synergien schaffen können, von denen alle Partner profitieren können“.

Sobald Ergebnisse vorliegen, werde man auch die Öffentlichkeit einbinden und informieren. Es gebe beispielsweise auch Zuschüsse für Lärmschutzfenster, die Privatleute beantragen könnten. Über dies wolle man informieren und darüber diskutieren, was wo an Lärmschutzmaßnahmen realisierbar sei. Er geht davon aus, dass die Lärmaktionsplanung noch in diesem Jahr abgeschlossen sein wird.

Unterschiedliche Geräuschpegel

Laut Expertenangaben verursacht bereits der Atem eines Menschen einen Geräuschpegel von zehn Dezibel. Mit 70 Dezibel trifft ein Staubsauger im Betrieb auf das Trommelfell. 65 Dezibel gelten bei TV-Geräten als Zimmerlautstärke. Richtig laut wird es, wenn eine Motorsäge mit ihren 110 Dezibel losknattert. Etwas mehr Unterhaltungswert bekommt die selbe Lautstärke bei Rockkonzerten. cito

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