Unbekannte Käfer Krabbelnde und fliegende Schönheiten rund um Hall

Ein Totengräber ist mit einer Kröte beschäftigt. Der Käfer ist räuberisch und lebt vor allem von Fliegen- und Mückenlarven.
Ein Totengräber ist mit einer Kröte beschäftigt. Der Käfer ist räuberisch und lebt vor allem von Fliegen- und Mückenlarven. © Foto: Andreas Scholz
Schwäbisch Hall / Andreas Scholz 23.08.2018
Marienkäfer, Mistkäfer, Borkenkäfer und Maikäfer kennt fast jeder. Jetzt im Sommer krabbeln und fliegen aber auch Käferarten bei Hall umher, die exotisch anmuten und zum Teil auch selten sind.

Die Käfer (Coleoptera) stellen mit mehr als 400.000 Arten die zahlenmäßig größte Klasse in der Welt der Insekten dar. Neben nützlichen Käfern wie dem Marienkäfer – einem ausgesprochenen Blattlausvertilger – gibt es in Schwäbisch Hall mit dem Borkenkäfer auch einen Schädling, der in der Forstwirtschaft nicht gerne gesehen wird.

Trotz des trockenen Sommers spielt der Borkenkäfer in diesem Jahr in den Haller Stadtwäldern aber kaum eine Rolle, wie Dr. Andreas Wickel vom Forstamt Schwäbisch Hall bestätigt. „Im Hospitalforst gibt es mit dem Kupferstecher und dem Buchdrucker zwei Forstschädlinge, aber unsere Revierförster und Waldarbeiter haben die befallenen Bäume stets im Blick“, erklärt der Forstamtsleiter.

Da im Hospitalforst die Fichte nur noch 30 Prozent des gesamten Baumbestands ausmache, würden sich die Schäden im Wald aber stark in Grenzen halten. „In den Wäldern bei Oberrot sieht es dagegen schon wieder ein bisschen anders aus, da liegt der Anteil der Fichte viel höher“, weiß Dr. Andreas Wickel. Buchdrucker und Kupferstecher befallen mit Vorliebe die Fichte. Die Namen der beiden Borkenkäfer beziehen sich auf das auffällige Muster der Fraßgänge in der Rinde“, erläutert der Forstexperte.

Gute Wetterbedingungen

Dass der Borkenkäfer in der Forstwirtschaft eher weniger beliebt ist, weiß auch Dr. Christoph Benisch aus Mannheim. „Durch den warmen und trockenen Sommer 2018 konnte der Buchdrucker bereits früh die dritte Generation anlegen, was nicht jedes Jahr passiert“, erklärt er.

Der Diplom-Chemiker ist im Jagsttal bei Ellwangen aufgewachsen und beschäftigt sich seit seiner Kindheit mit Käfern. „Ganz gleich, ob nützlich oder schädlich“, sagt er lachend. Christoph Benisch betreibt mit www.kerbtier.de das größte deutschsprachige Käferportal, das auch mehr als 100.000 Fundmeldungen von Käfern aus allen Bundesländern umfasst.

Auch aus Schwäbisch Hall und Umgebung liegen dem Insektenexperten seltene Käferfunde vor: zum Beispiel von dem Libellen- und Fledermausexperten Bernd Kunz aus Langenburg, der auf der Käferplattform schon 900 Entdeckungen von Ölkäfer, Moschusbockkäfer, Pinselkäfer oder Bienenwolf gemeldet hat. „Obwohl das Jagsttal und das Kochertal bisher eher unterkartiert sind und eine weitere Erforschung wünschenswert ist, sind derzeit im Datenbestand über 300 Arten aus dem Kreis Schwäbisch Hall gelistet“, bestätigt Christoph Benisch.

Darunter seien auch 30 Käferarten, die in der Roten Liste der gefährdeten Arten Deutschlands stehen wie zum Beispiel der Trauer-­Rosenkäfer (Oxythyrea funesta) oder der Weberbock (Lamia textor). „Den Trauer-Rosenkäfer kann man von Mai bis Juli auf Blüten beobachten. Der inzwischen sehr seltene Weberbock lässt sich mit viel Glück in den Abendstunden auf Feldwegen in Flussauen beobachten, wenn er träge am Boden umherkriecht“, weiß der Käferkenner.

Mit dem Wespenfächerkäfer (Metoecus paradoxus) wurde Christoph Benisch aus der Haller Ecke ein weiterer interessanter Käfer gemeldet, der sich durch eine besonders hochspezialisierte Lebensweise auszeichnet. „Die Käferlarven lauern an geeigneten Stellen den Wespen auf, klammern sich an ihnen fest und werden so unfreiwillig ins Wespennest mittransportiert. Dort ernähren sie sich von der Wespenbrut, bevor sie sich in einer Brutzelle des Wespennests verpuppen“, erklärt der Kerbtierexperte.

Momentan erreichen Christoph Benisch noch Fundmeldungen von räuberisch lebenden Arten wie dem nachtaktiven goldglänzenden Laufkäfer (Carabus auronitens) oder dem metallisch schimmernden Rosenkäfer (Cetonia aurata). Die Zeit des Bienenwolfs (Trichodes apiarius), der auf Blüten andere Blütenbesucher jagt und sich auch von Blütenstaub ernährt, ist aber im August längst abgelaufen.

Der Bienenwolf mit dem auffälligen schwarz-roten Muster tummelte sich bereits im Mai und im Juni auf den Blumenwiesen auf der Tullauer Höhe oder den Blührandstreifen im Kocherquartier. „Käfer sind vom zeitigen Frühjahr bis in den späten Herbst aktiv. Aber jede Art hat ihr spezifisches Zeitfenster, welches breit oder auch recht schmal sein kann wie zum Beispiel beim Maikäfer“, betont Christoph Benisch. „Hochsaison“ für Käfer, mit den meisten aktiven Arten, seien Mai und Juni. „Arten, die an Pilzen leben, findet man hingegen oft noch im Herbst“.

Kleine Schädlinge im Alltag

Der Borkenkäfer ist nicht der einzige Schädling unter den Käferarten. „Es gibt in der Landwirtschaft und in der Forstwirtschaft einige Arten, die sich für Nutzpflanzen interessieren, die der Mensch angebaut hat“, so Christoph Benisch. Der Käferexperte zählt neben dem Kartoffelkäfer auch den Rapsglanzkäfer oder den Westlichen Maiswurzelbohrer zu den bekanntesten Schädlingen. „Daneben gibt es Arten, die an unseren Nahrungsvorräten leben wie zum Beispiel der Speckkäfer oder der Getreideplattkäfer“. Darüber hinaus gebe es auch noch sogenannte Materialschädlinge. „Beispielsweise den Hausbock an verbautem Holz oder den Nagekäfer an antiken Möbeln, der auch als Holzwurm bekannt ist“. Zum
Problem in Museumssammlungen könnte, in den Augen des Käferexperten, vereinzelt auch der Kabinettkäfer (Anthrenus museorum) werden. asc

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