. "Wir müssen Wohnmobil-Stellplätze anbieten", sagt Robert Spoden, der im städtischen Eigenbetrieb Touristik und Marketing die Touristik leitet. "Würden wir keine anbieten, würden diese Besucher die Stadt links liegen lassen und andere Urlaubsorte anfahren." So erklärt Spoden, warum es für Hall wichtig ist, Wohnmobilisten die kostenlosen Stellplätze auf der Auwiese bereitzustellen. Diese Gruppe von Reisenden werde für Kommunen immer wichtiger. Es sei "ein Trugschluss" zu glauben, dass Wohnmobilisten kein Geld in eine Stadt bringen. Das Gegenteil sei der Fall: "Diese frequentieren sehr wohl Handel und Gastronomie und besuchen die kulturellen Einrichtungen und sind uns deshalb herzlich willkommen." Der Tourismus habe in Hall "durchaus auch wirtschaftliche Bedeutung, und es wäre ein Unding, wenn wir in den großen deutschen Wohnmobilforen als weißer Fleck auf der Landkarte auftauchen würden."

Spoden sagt, dass auf dem Campingplatz "in der Regel" ein mehrtägiger Urlaub gemacht werde, der Wohnmobilist aber "eher auf der Durchreise" sei. "Diesem Trend zu Mobilität und dem Wunsch nach flexiblen Ankunfts- und Abreisezeiten kann sich auch eine Stadt wie Schwäbisch Hall nicht entziehen."

Das sehen auch mehrere Camper so, die in Leserbriefen die Haltung des Steinbacher Campingplatzpächters und einen Kommentar zu dem Thema kritisiert hatten. "Auf dem Campingplatz mache ich Urlaub und suche Erholung, auf dem Stellplatz bin ich auf Entdeckung und Durchreise", schreibt etwa Thomas Graf aus Gottwollshausen.

Auch das Solebad im Hotel Hohenlohe profitiert von Wohnmobil-Stellplätzen nahe der Innenstadt: Das Solebad habe "allergrößtes Interesse" an solchen Plätzen, sagt Geschäftsführer Volker Dürr. "Da steckt aus unserer Sicht ein riesiges Potential für den Tourismus in Hall." In vielen Städten würden extra zentrumsnahe Stellplätze geschaffen, um Wohnmobilisten anzulocken. Er habe aber den Eindruck, dass dies in Hall "nicht so gesehen wird". Die Stellplätze auf der Auwiese seien, was die Nähe zur Innenstadt betrifft, "durchaus akzeptabel". Allerdings sei das Umfeld "alles andere als einladend". Dürr stellt eine rhetorische Frage: "Wer möchte denn eine Stadt besuchen, wo man auf einem ,Schotterparkplatz' abgestellt wird?" Die "Notlösung" auf der Auwiese sei für einen gewissen Zeitraum in Ordnung. "Allerdings sollte man langfristig ein Konzept entwickeln, wie man für diese Reisenden eine ,Wohlfühlumgebung' schaffen kann", so der Geschäftsführer des Solebads.

Das Bad am Hotel Hohenlohe liegt an der Weilerwiese, wo derzeit gebaut wird. Dürr wünscht sich, dass auf diesem Areal einige Wohnmobil-Stellplätze geschaffen werden - dort, wo sie bis zum vergangenen Jahr noch waren. "Die Auwiese ist als langfristige Lösung nur dann gut, wenn das gesamte Areal auch eine weitere Aufwertung bekommt", meint Dürr. Das Potential und die Kaufkraft der mit Wohnmobil Reisenden wachse. "Aus unserer Sicht hat man hier zu wenig getan, um sich als attraktives Reiseziel für diese Gruppe von Reisenden zu positionieren", sagt Dürr.

Am Standort Auwiese gibt es weder Strom noch Versorgungsmöglichkeiten und sanitäre Anlagen. Unter dieser Voraussetzung "gehen wir nicht davon aus, dass die städtischen Stellplätze eine große Konkurrenz für einen gut funktionierenden Campingplatz darstellen, zumal Stellplätze häufig ja nicht für Caravangespann-Fahrer zugelassen sind", sagt Viktoria Groß, Chefredakteurin beim Deutschen Camping-Club (DCC) in München. Reisende, die Komfort wollen, "werden immer den Campingplatz bevorzugen". Jene aber, die ihre Autarkie nutzen möchten und die Kosten für den Campingplatz vermeiden wollten, "werden immer irgendwo einen Parkplatz für eine Nacht finden".

Um Konflikte mit einem Campingplatzpächter zu vermeiden, empfiehlt der Deutsche Camping-Club eine gemeinsame Zusammenarbeit. So könnte an den Stellplätzen etwa mit Werbetafeln auf den Campingplatz hingewiesen werden. Vorstellbar sei auch, die Aufenthaltsdauer auf den Stellplätzen zu beschränken mit dem Verweis, für einen längeren Aufenthalt den Campingplatz zu nutzen. Dort könnte es auch gemeinsame Feste und Aktionen wie einen Grillabend geben, zu denen auch die Reisemobilisten kommen, so Groß.

Stell- und Campingplätze würden weiter ihre jeweils besondere spezielle Klientel haben. Wichtig sei, dass sie "nicht nebeneinander her existieren", sondern das Hobby "attraktiv für alle machen".

Verband: Gratis-Stellplätze kosten viele Steuergelder

Gebühren "Wir sind der Meinung, dass es grundsätzlich nicht Aufgabe der Kommunen ist, kostenlose Wohnmobil-Stellplätze bereitzustellen", sagt Gunter Riechey, Präsident des Bundesverbands der Campingwirtschaft in Berlin. "Aufgrund der Kommunalverfassungen der Länder sind diese in der Regel sogar verpflichtet, bei Schaffung eines öffentlichen Stellplatzangebots kostengerechte Gebühren zu erheben", so Riechey weiter. In der Gemeindeordnung des Landes Baden-Württemberg werde den Kommunen auferlegt, sparsam und wirtschaftlich mit den Haushaltsmitteln umzugehen. "Eine kostenlose Bereitstellung von Wohnmobil-Stellplätzen, deren Erstellung erhebliche Steuermittel erfordern, ist keine sparsame und wirtschaftliche Mittelverwendung - insbesondere dann, wenn es dazu kein wirtschaftliches Erfordernis gibt", sagt Riechey. Gebe es zudem in einer Kommune einen Campingplatz, der Wohnmobilisten ein ausreichendes und bedarfsgerechtes Angebot bereitstelle, "sehen wir umso mehr kein Erfordernis, in den Markt öffentlich einzugreifen und möglicherweise noch zusätzlich Wettbewerbsverzerrung herbeizuführen."